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Keine 2G-Regel mehr für Bekleidungsgeschäfte: Händler freuen sich über Zulauf

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Von: Dominik Stallein

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Gestrichen: Die 2G-Regel in Bekleidungsgeschäften gilt nicht mehr.
Gestrichen: Die 2G-Regel in Bekleidungsgeschäften gilt nach einem Gerichtsurteil nicht mehr. Die Händler im Mittelzentrum freut das. © Sebastian Kahnert/dpa

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die 2G-Regel für Bekleidungsgeschäfte verworfen. Die Händler sind erleichtert darüber. Aber das Weihnachtsgeschäft ist weg.

Wolfratshausen/Geretsried – Kleidung ist inzwischen genauso relevant wie Blumenschmuck. Diesen Schluss kann man zumindest aus der Entscheidung ziehen, dass die bisherige 2G-Regel im Einzelhandel nicht mehr für Textil-Geschäfte gilt. Für die Händler in der Region ist das zwar eine gute Nachricht. Das Weihnachtsgeschäft unter Pandemie-Bedingungen lässt sich aber nicht mehr aufholen.

Das befürchtet Johannes Woll, der den red.stone in Wolfratshausen führt. Jugendliche Mode wie Hoodies, Caps und Jeans werden in seinem Laden am Untermarkt verkauft. „Gerade in unserer Branche macht das Weihnachtsgeschäft bei manchen Kollegen ein Drittel oder sogar die Hälfte des ganzen Jahres aus“, weiß Woll. Beim Blick auf seine Abrechnungen aus November und Dezember stellt er aber fest: „Es waren deutlich weniger Menschen bei uns.“ Der Grund ist offensichtlich: Die 2G-Regelung, die nur noch Geimpften oder Genesenen den Zutritt zu seinem Geschäft ermöglicht hat. „Wir haben das ganz massiv gemerkt“, sagt er.

Umso größer ist die Freude über die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs. Der hat am 29. Dezember festgelegt, dass der Textileinzelhandel von der Corona-Maßnahme ausgenommen werden muss. „Das freut mich, aber das Weihnachtsgeschäft ist trotzdem weg“, sagt Woll.

Ines Boodevaar, die mehrere Bekleidungsgeschäfte in der Wolfratshauser Altstadt führt, sagt: „Gott sei Dank hat man sich jetzt entschieden, diese unlogische Regelung aufzuheben.“ Sie habe nie verstanden, warum zum Beispiel Blumensträuße im Geschäft an Ungeimpfte verkauft werden dürfen, Blusen oder Hosen aber nicht. „Das war nicht nachvollziehbar.“ Sie stellte nach dem Urteil fest, dass „schlagartig wieder mehr Leute in der Stadt unterwegs waren“. Sorgen vor einer Ansteckung beim Klamottenkauf kann sie ihren Kunden nehmen: „Selbst wenn drei Dutzend Menschen in mein Geschäft kommen, kann sich das wunderbar verteilen und niemand muss sich drängen.“

Im Geretsrieder Sportfachgeschäft Intersport Utzinger verhält es sich ähnlich. „Wir sind ja kein Supermarkt, wo Hunderte auf einmal einkaufen“, sagt Rudi Utzinger. Die Fachhändler seien nie überfüllt, „auch wenn immer guter Betrieb ist“, konstatiert der Geschäftsführer. Probleme mit der Durchführung der 2G-Regelung habe es in seinem Laden nie gegeben. „Die Leute kennen das ja aus dem Wirtshaus, dass sie ihre Nachweise zeigen müssen und sich dann normal aufhalten können“, sagt er. Manch einer habe es zwar probiert, auch ohne Impfpass einzukaufen, „denen konnten wir das aber einfach erklären und dann war’s auch gut.“

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In die Klagen des Einzelhandelsverbands, der von einem „katastrophalen Weihnachtsgeschäft“ spricht, möchte Utzinger nicht einstimmen. „Jammern bringt uns jetzt auch nichts.“ Glücklicherweise habe es im Dezember schon viele Möglichkeiten gegeben, auf Skipisten oder Langlaufloipen zu sporteln. „Da haben sich viele bei uns mit neuer Kleidung eingedeckt“, sagt er. Für Kunden, die nicht im Laden einkaufen wollten – oder durften – gebe es einen Online-Shop. „Das hat super funktioniert.“

Auch Johannes Woll von red.stone ist neue Wege gegangen, um allen Kunden helfen zu können. „Ein paar Menschen haben angerufen, weil sie nicht in den Laden durften. Denen konnten wir die Kleidung zusammenstellen und vor dem Laden geben“, sagt er. Not macht eben erfinderisch, und Kundenbindung ist wichtig. „Die Verschiebung in den Online-Handel ist noch einmal erdrutschartig gewesen“, so Woll. „Manche dieser Kunden kommen vielleicht nie wieder zurück.“

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