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Training mit Abstand und Maske: Doris Rieß und Martin Kiesewetter begrüßen sich im Geretsrieder Fitness-Studio „Club vital“ mit dem in diesen Tagen in Sportlerkreisen üblichen Untera rm-Kick. 

Fitness-Studios melden verhaltenen Neustart

Nach der Wiedereröffnung: Viel Platz in den Mucki-Buden

Am 8. Juni durften die Fitness-Studios wieder öffnen. Doch die Leute kommen zögerlich zurück. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Viele Sportbegeisterte warteten sehnsüchtig auf den Tag der Wiedereröffnung der Fitness-Studios. Doch der große Ansturm blieb in den ersten Tagen seit dem 8. Juni aus – was den Betreibern nicht unrecht ist. So können sich alle langsam an die neuen Regeln gewöhnen.

„Wir hätten Platz für mehr Besucher“, sagt Volker Schertl, Geschäftsführer des „Innings“ in Geretsried. Die Filiale an der Sudetenstraße sei groß genug, er habe alle Geräte im nötigen Abstand neu aufstellen lassen. „Man merkt die Einschränkungen bei uns kaum“, meint Schertl. Klar, die Mitglieder dürften im „Innings“ vorerst nicht die Umkleiden nutzen und sie müssten beim Betreten und Verlassen des Studios sowie beim Umherlaufen zwischen den Trainingsstationen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber ansonsten könnten sie wie gewohnt Laufband, Spinningbike und Co. zum Aufwärmen benutzen und Gewichte stemmen. Schertl glaubt nicht, dass die Kunden aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nur zögerlich wiederkommen. „Manche haben zwischenzeitlich vielleicht eine andere sportliche Betätigung gefunden. Andere warten noch ab“, glaubt er. Der Geschäftsführer ist jedenfalls froh, dass er wieder öffnen darf.

Ebenfalls noch zurückhaltend waren die Mitglieder im „Aktiv und Relax“ in Wolfratshausen, wie Mitinhaber Michael Boksch im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Das könne auch an den Pfingstferien liegen. „Diejenigen, die in den ersten Tagen kamen, waren jedenfalls super happy, dass sie wieder sporteln dürfen“, erzählt er. Das „Aktiv und Relax“-Studio im Turm-Gebäude im sei groß genug, um einen Abstand von drei Metern zwischen den Geräten einhalten zu könne. In den Kursen wie Bodyforming, Yoga oder Wirbelsäulengymnastik dürften nach vorheriger Anmeldung bis zu 14 Personen teilnehmen. Für die Mitarbeiter bedeuteten die Hygieneauflagen natürlich einen Mehraufwand, so Boksch. Eine eigene Kraft sorge für die ständige Reinigung der Geräte. Zusätzlich seien die Mitglieder dazu angehalten, nach dem Gebrauch eines Gerätes selbst zum Desinfektionsmittel zu greifen. Boksch: „Probleme hatte damit bis jetzt niemand.“

Bei „clever fit“ in Geretsried an der Jeschkenstraße akzeptieren die Mitglieder nach Auskunft von Filialleiterin Alina Fately ebenfalls die neuen Regeln. „Der erste Tag lief super bei uns. Keiner war verärgert“. Voll besetzt sei das Fitnesscenter aber bisher nicht. Die Auslastung ist täglich auf der Website einsehbar. Fately glaubt, dass es bei den Mitgliedern positiv angekommen ist, dass man während der Schließung ein Online-Workout für daheim angeboten habe, auch wenn das nicht dasselbe wie ein Training im Studio sei.

Der „Club vital“ in Geretsried würde heuer am 1. August sein 20-jähriges Bestehen feiern. Eine Party wird es aber aufgrund des Verbots für größere Veranstaltungen nicht geben, wie Geschäftsführerin Doris Rieß bedauert. Sie freut sich, dass der überwiegende Teil der Mitglieder dem Fitnesscenter mit Physiotherapie die Treue gehalten hat. „Ich glaube, wir waren so ziemlich die einzigen, die während des Lockdowns keine Monatsbeiträge abgebucht haben“, sagt Rieß. Dennoch habe der „Club vital“ – wie auch „Innings“, „clever fit“ und „Aktiv und Relax“ – Mitglieder verloren in den vergangenen drei Monaten. „Mancher trainiert jetzt zu Hause oder hat sich ein Fahrrad gekauft, mit dem er sich über den Sommer in Form hält“, sagt Rieß. Sie weiß aus Erfahrung, dass die Menschen in der warmen Jahreszeit generell weniger ins Studio gehen.

„Die Zwangsschließung hat unsere Branche hart getroffen. Es war das erste Mal in 20 Jahren, dass wir Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten“, sagt Rieß. Sie glaubt aber, dass sich das Studio nach und nach erholen werde. Ein nächster wichtiger Schritt wäre, dass die Sauna wieder öffnen dürfe. Sie sei kurz vor Ausbruch der Pandemie ganz neu gebaut worden. Das Hotelgewerbe werde in dieser Beziehung sicher Druck machen, schätzt Rieß, denn es sei nicht einzusehen, dass im Nachbarland Österreich mit ähnlich niedrigen Corona-Infektionszahlen Sauna und Wellness erlaubt seien und in Deutschland nicht.

Was das Team und die Mitglieder sehr vermissten im Moment, sei die Geselligkeit. Ein Ratsch zwischen den Übungseinheiten oder ein gemeinsames Getränk an der Bar seien leider noch nicht drin. Den „Club vital“ besuchten viele ältere Frauen und Männer, denen der regelmäßige Kontakt zu Gleichgesinnten besonders wichtig sei, sagt Rieß. Um sie habe sich die Geschäftsführung Sorgen gemacht: „Einige haben wir während des Lockdowns ein paar Mal angerufen, ob alles okay ist“. Weil die Bindung zu den Stammkunden so stark sei, werde man „gut über die Runden kommen“, ist die Studiobetreiberin zuversichtlich.

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Eine enge, teils fast freundschaftliche Beziehung pflegt auch Beatrix Bodo zu den Kundinnen ihres reinen Frauenstudios „Deine perfekte Stunde“ an der Sudetenstraße in Geretsried. Sie sei am ersten Tag der Wiedereröffnung komplett ausgebucht gewesen, freut sich Bodo. Weil das Studio sehr klein ist, kann ohnehin nur eine begrenzte Zahl an Teilnehmerinnen beim „Power Zirkel“ – einem Zirkeltraining unter Anleitung an verschiedenen Geräten – und bei den Kursen wie Pilates oder Bauchtanz mitmachen. Über eine App meldet man sich vorher an. Beatrix Bodo hat in den vergangenen Monaten ein bisschen umgebaut. Nun können trotz des Abstandsgebot bis zu sechs Frauen gleichzeitig trainieren. „Bei uns passt jede auf, dass sie die Regeln einhält. Dazu gehört, dass man ein großes Handtuch zum Unterlegen mitbringt, lange Kleidung und Schutzhandschuhe trägt, weil wir im Power Zirkel nicht bei jedem Wechsel die Geräte desinfizieren können“, erklärt die Inhaberin. Nur zwei ältere Kundinnen hätten ihr bis jetzt mitgeteilt, dass sie lieber noch ein wenig mit dem Besuch des Studios abwarten wollten, weil sie zur Risikogruppe für eine Covid-19-Erkrankung gehörten. „Deine perfekte Stunde“ hängt ähnlich wie die meisten Fitnesscenter die ausgefallenen Monate ans Vertragsende dran, was eine faire Lösung ist.

tal

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