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Nachbarschaftshilfe schlägt Alarm: „Die Hütte brennt“

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Von: Carl-Christian Eick

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Eine Frau am Schreibtisch
Sucht Sponsoren: Eva-Maria Rühling, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger in Wolfratshausen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Die Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger in Wolfratshausen braucht Hilfe. Sonst müssen die Ehrenamtlichen das Angebot für Senioren massiv zurückfahren.

Wolfratshausen – Eva-Maria Rühling kommt ohne Umschweife zum Punkt: „Die Hütte brennt“, sagt die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem das Ressort Seniorentreff – eines von insgesamt zehn Ressorts – stehe im Feuer. Ohne finanzielle Unterstützung droht laut Rühling der Kollaps.

Der 1990 gegründete Verein zählt derzeit rund 1350 Mitglieder. Die Bandbreite, die Bürger für Bürger mit gut 150 Helfern abdeckt, ist groß. Da gibt’s den Vorkindergarten, die Mutter-Kind-Gruppen, den Kinderpark und den Babysitterservice, das Reparaturcafé, den Asylhelferkreis und eben den Seniorentreff. „Das klingt so, als würden sich da einmal im Monat ein paar Senioren treffen“, sagt Rühling – doch es gehe um weitaus mehr. Vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, im Jahr 2019, bot der Verein fast 250 Veranstaltungen für ältere Semester an: Gymnastiknachmittage, Handarbeiten unter dem Motto „Flotte Masche“, Filmvorführungen und Computerkurse. Selbst im vergangenen Jahr, das von Corona-Lockdowns geprägt war, konnten mehr als 70 Seniorenveranstaltungen durchgeführt werden.

„Es gibt Senioren, die schon ganz, ganz lange alleine sind, da müssen sich unsere Helfer einfach Zeit nehmen.

Eva-Maria Rühling, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe

„Der Seniorenbereich ist extrem arbeitsintensiv“, berichtet Rühling. Als ein Beispiel nennt sie die Hausbesuche, die von den Leiterinnen des Ressorts Seniorenhilfe, Agnes Seiffahrt und Gordini Mühlhäußer, organisiert werden. „Jeder Fall ist ein Einzelfall“, fast immer müsse eine individuelle Lösung gefunden werden. „Es gibt Senioren, die schon ganz, ganz lange alleine sind“, sagt Rühling, „da müssen sich unsere Helfer einfach Zeit nehmen.“ Zum gemeinsamen Kartenspielen mit den Senioren, bei der Begleitung zum Einkaufen oder zum Arzt. „Das Schlimmste in vielen Fällen ist die Einsamkeit.“ Nicht zu vergessen: Hinter jedem Schicksal lauert das Bürokratiemonster. „Wir, die Nachbarschaftshilfe, müssen mit unseren Helfern abrechnen, mit den Krankenkassen oder mit den von uns betreuten Senioren direkt.“ Und: „Haben Sie schon mal Förderanträge für die Regierung von Oberbayern ausgefüllt?“ Das koste reichlich Zeit und Nerven. Unterm Strich kamen 20 000 Helferstunden zwischen Januar und Dezember 2019 zusammen.

Bürger für Bürger: Urgestein des Vereins will kürzer treten

Rühling mag sich nicht ausmalen, sollte der Negativtrend anhalten und es immer weniger Menschen geben, die sich ehrenamtlich in Vereinen engagieren: „Dann würde der Staat ganz arm dastehen.“ Einer, der sich rund um die Uhr für die Nachbarschaftshilfe aufreibt, ist Peter Schöbel. Der 78-Jährige leitet das Ressort Seniorentreff seit über 25 Jahren, hat aber wie berichtet schon vor drei Jahren angekündigt, dass er kürzer treten möchte. Dieser Zeitpunkt, so Rühling, sei quasi nun gekommen – und trotz zahlreicher Gespräche habe sich bis dato kein potenzieller Nachfolger gefunden. „Wenn man ehrlich ist, ist das ein Fulltime-Job“, gibt Rühling zu. „So einen großen Bereich wie den Seniorentreff kann man nicht mal so eben nebenbei betreuen.“ Das heißt: Entweder der Verein muss sein Angebot für Senioren deutlich zurückschrauben, oder er stellt eine Kraft ein, die bezahlt wird.

Bürger für Bürger appelliert an Unternehmen

Rühling plädiert für Letzteres, die in Frage kommende Person „habe ich in den eigenen Reihen schon gefunden“, verrät sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber: 50 000 Euro brutto pro Jahr würde die personelle Neuausrichtung kosten. Geld, das nicht zur Verfügung steht. Der Verein erhält jährlich auf Antrag einen Zuschuss von der Stadt, dazu kommen Spenden und Mitgliedsbeiträge. Bislang zahlte ein Mitglied zwölf Euro pro Jahr, ab 1. Januar werden 24 Euro fällig. Doch das reicht nicht. Ohne die Hilfe von Sponsoren, bilanziert die Vereinsvorsitzende, kann das Seniorentreff-Angebot nicht wie bisher aufrecht erhalten werden.

„Es wäre toll, wenn Firmen und Privatpersonen bereit wären, den Verein Bürger für Bürger finanziell zu unterstützen.“ Nur so „können wir weiterhin für die Senioren in unserer Stadt ein vielfältiges Angebot gegen die Einsamkeit, für mehr Beweglichkeit und für Spaß und Freude in Gesellschaft anbieten“. (cce)

Kontakt: Die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Bürger für Bürger, Eva-Maria Rühling, ist unter 0 81 71/9 19 34 28 oder per Mail an vorstand1@bfb-wor-de. erreichbar. Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann auf das Konto DE44 7016 6486 0005 7919 28 bei der VR Bank München Land eG spenden. Auf Wunsch stellt der Verein Spendenquittungen aus. Infos gibt’s im Internet unter www.bfb-wor.de

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