Geschichte faszinierte sie: Marianne Balder.
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Geschichte faszinierte sie: Marianne Balder.

Marianne Balder stirbt mit 85 Jahren

Das Heimatbuch ist ihr Vermächtnis

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    VonSabine Hermsdorf-Hiss
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Die ehemalige Leiterin des Wolfratshauser Stadtarchivs ist mit 85 Jahren gestorben. Das Heimatbuch ist ihr Vermächtnis.

Wolfratshausen – Sie war Leiterin des Stadtarchivs und Kulturpreisträgerin 2002. Sie saß als Parteifreie für die FDP im Stadtrat, war als Kreisarchivpflegerin für den Nordlandkreis tätig und arbeitete als Bildungsbeauftragte für das Katholische Kreisbildungswerk. Es gibt kaum einen Bereich, in dem der Name Marianne Balder nicht genannt wird. Jetzt starb die 85-Jährige nach schwerer Krankheit im Kreise ihrer Familie.

Geboren wurde Marianne Balder 1936 in Berlin-Charlottenburg. Als sie beruflich in München zu tun hatte, lernte sie ihre große Liebe kennen: Otto Balder. Das Paar heiratete 1962, zwei Söhne machten die Familie komplett. „Wir wohnten zuerst fünf Jahre in Berlin, dann neun Jahre in München“, erzählt Otto Balder. „Doch sie wollte immer ins Grüne – so sind wir in Wolfratshausen gelandet.“

Marianne Balder fühlte sich in der Loisachstadt von Anfang an wohl. „Sie sagte immer, die Wolfratshauser seien so offen, nett und freundlich. Und das wollte sie zurückgeben.“ Sie war Gründungsmitglied des Historischen Vereins, Gründungsstifterin der Energiewende Oberland, Mitglied im Burgverein und bei der Osteuropahilfe. Von 1993 bis 2007 leitete sie das Stadtarchiv von Wolfratshausen, entwarf 1995 die erste Ausstellung zum Thema „Displaced Persons Lager Föhrenwald“.

Sie erklärte die Herkunft der Straßennamen und berichtete über die Kriminalgeschichte ihrer Stadt

„Auch zum Thema Zwangsarbeit in den Rüstungsfabriken leistete sie Maßgebliches und fuhr bis Prag, um mit einer überlebenden Zwangsarbeiterin ein Interview zu führen“, heißt es seitens der Stadt. Nebenbei war sie als Autorin tätig. Ihr Thema: natürlich Wolfratshausen. Sie erklärte die Herkunft der Straßennamen und berichtete über die Kriminalgeschichte ihrer Stadt.

„Sicherlich eine ihrer mühevollsten, aber auch verdienstvollsten Tätigkeiten dürfte die federführende Arbeit am Wolfratshauser Heimatbuch gewesen sein, dass zur 1000-Jahr-Feier der Erstnennung Wolfratshausens erschien“, lobt die Stadtverwaltung. „Dieses bisher umfassendste Werk zur Wolfratshauser Geschichte allein setzt ihr bereits ein bleibendes Denkmal.“ Dass viel Arbeit dahinter steckt, kann Otto Balder nur bestätigen. „Sie hat bestimmt zwei Jahre recherchiert. Da wurde so mancher Abend bis spät in die Nacht geforscht. Aber es hat ihr auch unglaublich Spaß gemacht.“

Privat stand Lesen ganz oben auf ihrer Prioritätenliste, ebenso Kultur und Reisen. „Und sie hörte mir gerne beim Musizieren zu.“ Otto Balder muss trotz der Trauer lächeln. „Manchmal, wenn sie in der Küche zu tun hatte und ich im Weg stand, meinte sie nur: ,Komm, geh doch ein bisschen Klavier spielen‘ – und das tat ich dann auch.“

Aber dann schlug das Schicksal zu. Marianne Balder erlitt einen Schlaganfall, die Schockdiagnose Krebs folgte. Ein weiterer Schlaganfall kostete sie das Kurzzeitgedächtnis. „Aber“, so der Witwer, „sie wusste sich mit Notizen und Post-its zu helfen. Wir haben die Situation so angenommen, wie sie war.“ Ein paar Tage bevor Marianne Balder für immer die Augen schloss, machte sie zusammen mit ihrem Mann noch einen Ausflug nach Münsing. „Wir drehten eine Runde über den Schafsberg“, erinnert er sich. „Und sie war wie immer doppelt so schnell wie ich.“ Einen Tag später ging das Ehepaar noch zu seinem Lieblingsitaliener. „Dann legte sie sich hin.“ Vier Tage später, am 29. Juli, verstarb Marianne Balder.

sh

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