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Viel Freude, aber wenig Arbeit bereitet ein Nutz- und Naturgarten. 

Vortrag

Naturparadies ohne Arbeit: Expertin gibt Tipps für „Nichts-tun-Garten“

Einmal anlegen, für immer nutzen: Wie einem ein solcher Garten gelingt, dazu gab eine Expertin kürzlich Tipps in Wolfratshausen. 

Wolfratshausen – Klingt das nicht paradiesisch? Ein Garten, der duftet, der abwechslungsreich ist, in dem Beeren, Obst und Gemüse in Fülle vorhanden sind, in dem Kräuter und Heilpflanzen neben einer Blumenpracht oder den Kartoffeln Platz haben. 

„Nichts-tun-Garten“: wenig Arbeit - viel Freude

Ein Garten, in dem nicht gegossen werden muss, der sich bei größter Trockenheit in seiner Schönheit und Vielfalt zeigt, in dem nicht umgegraben oder Unkraut gezupft wird, in dem sich Bienen, Hummeln und Schmetterlinge tummeln. Ein Garten also, der wenig Arbeit und viel Freude bereitet.

Diesen „Nichts-tun-Garten“ gibt es tatsächlich. Das erläuterte – noch vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie – Ulrike Windsperger in einem Vortrag beim Wolfratshauser Gartenbauverein im Wirtshaus Flößerei. Die Universitätsdozentin, Gartengestalterin, Kräuterpädagogin, Imkerin und Autorin betreibt seit vielen Jahren einen Permakultur-Garten und hat das „Handbuch Permakultur“ verfasst.

Der Anfang: Nichts am Stück Wiese verändern

Das Anlegen des Nutz- und Naturgartens fängt schon einmal gut an: Am besten man verändert nichts an dem Stück Wiese, das einem zur Verfügung steht. Mit einer Spatengabel kann man den Boden höchstens ein wenig lockern, um eine krümelige Struktur zu erhalten. Sollte man Erde kaufen, dann keinesfalls Torferde, mahnte Wintersperger. Doch das war den Gartenfreunden bekannt. 

Im Anschluss sät man mehrjährige Sorten (keine Hybriden) wie Wilde Rauke, Borretsch, Calendula, Spinat, dazu die verschiedensten Blumenarten. Alles, was sich selbst ansät – auch die ungeliebte Brennnessel –, erfüllt einen wichtigen Zweck. „Der Stoff in den Wurzeln der Brennnesseln fördert den Wohlgeschmack der Früchte des Baums, um den herum sie wachsen, also etwa der Äpfel“, erklärte Windsperger. 

Jedes Unkraut hat eine wichtige Aufgabe

Jedes „Unkraut“ habe eine wichtige Aufgabe für den Boden. Ein wenig Moos vertrage sich gut mit Brombeeren und Himbeeren. Basilikum und Tomaten schützten sich gegenseitig, ebenso Mangold und Kamille. Eine kleine Wildhecke aus Buxbaum, Liguster und anderen heimischen Sträuchern diene als Windschutz. „Das ganze System orientiert sich im Grunde am Urwald“, sagte die Referentin.

Freudig nahmen die etwa 30 Zuhörer, die in die Flößerei gekommen waren, zur Kenntnis, dass sie im Permakultur-Garten nicht gießen müssen. „Das Wichtigste ist, dass die Beete bedeckt sind – mit Laub oder Holzhäckseln, aber nicht mit Rindenmulch, weil der Stickstoff entzieht“, erklärte die Gartenbauerin. Seien diese Vorbereitungen getroffen, bestehe die einzige Aufgabe des Gärtners im Frühjahr darin, sich einen schönen Platz für eine Hängematte zu suchen und in aller Ruhe abzuwarten, meinte Windsperger.

„Das Wichtigste ist, dass Beete bedeckt sind“

Sie gab viele Tipps, wie die Pflanzen in der Permakultur am besten gedeihen und was man gegen Schädlinge unternimmt – oder auch nicht unternimmt. So riet sie, Kartoffeln unter einem Heuhaufen in den Boden zu setzen. Dadurch erspare man sich das Anhäufeln. Gegen Nacktschnecken helfe ein humusreicher Boden mit vielen Regenwürmern. Wintersperger dazu: „Humuszuwachs bekomme ich, indem ich den Boden immer wieder bedecke.“

„Brauche nicht mehr als fünf Minuten für meinen Garten“

Blattläuse sollte man, so schwer es fallen mag, nicht von den Pflanzen klauben. „Nicht die Blattlaus sucht sich die Pflanze, sondern genau umgekehrt.“ Eine Laus habe 37 Gegenspieler. Man müsse nur Geduld haben, bis sie auftauchten. Die Kunst bestehe darin, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. Windsperger: „Ich brauche nicht mehr als fünf Minuten in der Woche für meinen Garten in München.“ TANJA LÜHR

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