Brachgefallene Streuwiesen wiederherstellen: Das ist eine der Aufgaben eines Landschaftspflegeverbands, der im Landkreis etabliert werden soll.
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Brachgefallene Streuwiesen wiederherstellen: Das ist eine der Aufgaben eines Landschaftspflegeverbands, der im Landkreis etabliert werden soll.

Reaktion auf die Kritik von Vize-Kreisbäuerin Maria Urban

Untere Naturschutzbehörde plädiert für Landschaftspflegeverband

  • vonPeter Borchers
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Vize-Kreisbäuerin Maria Urban hat sich gegen die Gründung eines Landschaftspflegeverbands ausgesprochen. Das will das Landratsamt so nicht stehen lassen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein Landschaftspflegeverband (LPV), dessen Gründung im Landkreis aktuell vorangetrieben wird, würde Landwirten das Heft aus der Hand nehmen. Diese Meinung vertritt Maria Urban. In einem Leserbrief an unsere Zeitung lobte die stellvertretende Kreisbäuerin den Königsdorfer Gemeinderat, der eine Beteiligung der Kommune abgelehnt hatte. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt möchte Urbans Äußerungen „nicht so stehen“ lassen, schreibt Sprecherin Sabine Schmid nun in einer Stellungnahme.

64 Landschaftspflegeverbände und vergleichbare Organisationen sind laut Schmid in Bayern auf über 80 Prozent der Landesfläche tätig. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sei 2019 auf Antrag der CSU-Fraktion ein ergebnisoffenes Anhörungsverfahren über die Vor- und Nachteile sowie die Akzeptanz eines LPV mit Info-Veranstaltungen für Verbände und Kommunen durchgeführt worden. Die Verbände, auch der Bauernverband, hätten ihre Mitglieder im Anschluss eigens informiert. Der Wunsch nach der Gründung eines LPV habe überwiegend positive Resonanz gefunden, so Schmid. 13 der 21 Städte und Gemeinden hätten bereits beschlossen, einem LPV beizutreten.

Es droht ein Verlust an Artenvielfalt

Die Pflege von brachgefallenen Streuwiesen ist einer seiner Haupteinsatzbereiche. Streuwiesen gehören im Voralpenland zur einzigartigen durch Landwirte entstandenen und gestalteten Kulturlandschaft. Sie wurden nie gedüngt und einmal im Jahr zur Gewinnung von Einstreu gemäht. Aufgrund der extensiven Nutzung hat sich eine große Artenvielfalt entwickelt. Streuwiesen hielten allerdings mit den technischen Fortschritten in der Landwirtschaft nicht mit. Sie wurden angesichts moderner Stallanlagen und der Nutzung von billigem Stroh aus den Getreideanbaugebieten vielerorts als „nutzlos“ erachtet.

Der Bestand an Streuwiesen und Feuchtflächen im Landkreis lag Anfang der 1990er Jahre bei rund 2600 Hektar. Bauern mähen davon etwa 1450 Hektar. Die verbleibenden 1150 Hektar sind überwiegend brachgefallen. „Die an traditionelle Streunutzung angepassten Arten verlieren dadurch ihren Lebensraum – ein schwerer Verlust für die Artenvielfalt“, so Schmid. Genau solche aufgegebenen Flächen sollen durch eine oft sehr aufwendige Pflegemaßnahme so hergerichtet werden, dass sie wieder als Streuwiesen genutzt und ins Vertragsnaturschutzprogramm aufgenommen werden können. „Wir sehen darin eine klare Unterstützung und Vorteile für die Landwirtschaft.“, so Schmid.

Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit

Der Vorwurf, den Landwirten würde das Heft aus der Hand genommen, weist die Behördensprecherin zurück. Der Vorstand eines LPV sei paritätisch von Vertretern der Kommunen, der Landwirtschaft und der Naturschutzverbände besetzt. An dieser Stelle sei hervorgehoben, dass an oberster Stelle der Begriff Freiwilligkeit steht. Der LPV werde ausschließlich auf speziellen Wunsch des Eigentümers oder Pächters tätig.

Natürlich brauche ein LPV Personal. Ohne Geschäftsführung und eine Verwaltungskraft gehe es nicht. Mit der Vorbereitung von Landschaftspflegemaßnahmen sei laut Schmid „ein erheblicher Planungs- und Verwaltungsaufwand verbunden“, der nicht ehrenamtlich zu leisten ist. Die Personalkosten werden einerseits aus den Mitgliedsbeiträgen bestritten, andererseits mit einer Verwaltungskostenpauschale von bis zu 40 000 Euro, die der Freistaat Bayern jedem LPV überweist.

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Fördergelder würden nicht vom Verwaltungsapparat aufgefressen, so Schmid weiter. Im Gegenteil: Den größten Teil der Personalkosten übernehme der Freistaat. Den Rest müsse der LPV über einen Betreuungskostenanteil von 20 Prozent an den einzelnen Projekten refinanzieren. Und es gebe einen weiteren Grund für eine solide finanzielle Basis: Der LPV geht bei der Durchführung der Maßnahmen in Vorleistung für Zahlungen an beauftragte Landwirte und eigene Planungen. Die Förderung durch die Regierung von Oberbayern erfolge zeitlich verzögert. Für diesen Übergangszeitraum müssten erforderliche Mittel zur Verfügung stehen.

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Eine Aufgabe der Landschaftspflege sei es, schließt Sabine Schmid, Natur und Landschaft aufgrund ihres Wertes für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten wie im unbesiedelten Bereich durch geeignete Maßnahmen zu pflegen, zu entwickeln und gegebenenfalls wiederherzustellen. „Hierzu wollen wir gemeinsam als Landkreis mit den Städten und Gemeinden, Landwirten und Verbänden einen Beitrag leisten.“

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