Coronavirus - Ulm
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Die Schutzmaßnahmen in Bayern werden angesichts der hohen Inzidenzen weiter verschärft. Wie genau - darüber berät der Landtag zur Stunde.

Landtag berät über neue Maßnahmen

Corona: Neue Verschärfung steht bevor - Branchen haben sich vorbereitet

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Auf die Menschen kommen starke Einschränkungen zu, vor allem für Hotspots mit einer Inzidenz über 1000. In den Branchen ist man gut vorbereitet. Es bleibt kompliziert.

Frederik Holthaus, Geschäftsführer des Isar-Kaufhaus: „In letzter Zeit hat es im Einzelhandel ausgereicht, FFP2-Masken zu tragen und die allgemeinen Hygienemaßnahmen zu beachten. Aber das könnte sich an diesem Dienstag ändern, wenn der Landtag über Verschärfungen entscheidet. Durchaus denkbar ist, dass für den Einzelhandel wie in Sachsen die 2G-Regel eingeführt wird. Dann müssten wir jemanden abstellen, der mit viel Fingerspitzengefühl unsere Kunden kontrolliert. Für möglich halte ich auch, dass wir wieder registrieren müssen. Das hatten wir schon einmal: Damals konnte man mit der Luca-App einchecken oder seine personenbezogenen Daten handschriftlich hinterlassen. Es könnte auch passieren, dass es eine Beschränkung der Kunden pro Quadratmeter gibt, vielleicht ein Kunde auf 20 Quadratmeter. Diese Regel würde uns nicht dramatisch treffen, die dann zugelassenen 145 Kunden haben wir auch im wildesten Weihnachtsgeschäft nicht. Natürlich ist die Lage etwas unübersichtlich. Aber das ist mir immer noch lieber, als wenn wir unser Geschäft schließen müssten. Wir haben ja Inzidenzen, da wäre vor einigen Monaten noch die nackte Panik ausgebrochen. Jetzt geht das Leben einigermaßen weiter.“

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Christoph Kessler, Kulturveranstalter aus Icking (unter anderem „Quartettissimo“): „Wir haben das Glück, dass wir am Sonntag im Tölzer Kurhaus das erste Konzert der neuen Saison noch erleben konnten, mit dem Cosmos Quiartet aus Barcelona und dem Quarteto Quiroga aus Madrid, es war einfach großartig. Stand Sonntag wäre unter 2G-Bedingungen die volle Bestuhlung für 500 Besucher möglich gewesen. Das hätte aber bedeutet, dass die Gäste während des Konzerts auf den Plätzen ihre Masken nicht hätten abnehmen dürfen. Deshalb hatten wir so bestuhlt, dass man den nötigen 1,5 Meter Abstand halten konnte. Das bedeutete zwar mit nur 204 Plätzen eine Reduktion um 60 Prozent, war aber besser für den Hörgenuss. Unser nächstes Konzert wird erst im Januar stattfinden. Wir hoffen, dass sich die Lage bis dahin gebessert hat. Wenn nicht – dann wird es schwierig. Sollte ab Mittwoch wirklich nur noch eine Auslastung von 25 Prozent möglich sein, dann heißt das für uns: 125 statt 500 Plätze. Wir haben aber 160 Abonnenten. Für die Kultur ist die Lage natürlich extrem schwierig, seit 1,5 Jahren verschieben wir permanent Konzerte. Vor einiger Zeit hat im Tölzer Kurhaus ein Konzert stattgefunden, das wir vier Mal absagen mussten. Die Ausgleichszahlungen vom Bund machen das Kraut nicht fett, aber ohne würde es überhaupt nicht gehen. Aber wir nehmen das alles auf uns und bleiben optimistisch. Der Lohn für alles ist ein gelungenes Konzert.“

Lydia Hofherrr, Posthotel Hofherr in Königsdorf: „Ich kann immer nur vom aktuellen Stand berichten, der sich bekanntlich jederzeit ändern. In unserem Hotel gilt momentan 3G Plus. Man muss geimpft oder genesen sein oder einen PCR-Test bei sich tragen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Das gilt allerdings nur für Personen, die zwingend an einer beruflichen Weiterbildung teilnehmen, die online nicht stattfinden kann. Im Restaurant gilt 2G, wir achten extrem darauf, dass niemand reinkommt, der keinen Impfausweis vorweisen kann, das ist auch im Sinne unserer Gäste, die wollen das so. Es hat sich unter den Gastwirten herumgesprochen, dass das Gesundheitsamt kontrolliert, und das finde ich auch richtig so. Unsere Informationen, ab wann was gilt, bekommen wir vom Hotel- und Gaststättenverband, der recht zuverlässig ist. Wenn der Landkreis irgendwann Hotspot sein sollte und wieder alles zugemacht wird, hätte ich dafür nicht viel Verständnis. Nirgends ist man sicherer als bei uns. Oder glaubt irgendjemand, dass bei Feiern im Privaten die Kontrollen so stark sind wie bei uns? Das ewige Hin und Her ist vor allem eine Belastung für unsere Gäste, die schon verunsichert sind. Ich kann nur appellieren: Kommt zu uns, unterstützt Eure Wirte in diesen schwierigen Zeiten, wir tun das Möglichste, der Pandemie Herr zu werden.“

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Claudia Drexl-Weile, Inhaberin des Friseursalons „Alpenföhn und Isarwelle“ in Icking: „Im Moment haben wir Friseure noch 3G Plus. Ich bediene also Kunden, die genesen oder geimpft sind oder einen negativen PCR Test vorweisen können. Ich gehe davon, dass wir ab Mittwoch 2G haben, also nur noch genesen und geimpft. Im Moment erkundigen sich schon sehr viele, wie es weitergeht. Ich bekomme zudem auch Absagen von Ungeimpften, praktisch jeden Tag. Schlecht wäre es, wenn der Landkreis ein Hotspot wird. Dann müsste ich ganz zumachen. Dann kann man das Weihnachtsgeschäft vergessen.“

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