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Die Idylle trügt: Eine Fahrt auf der Isar, der Reißenden, war und ist für Flößer und ihre Passagiere kein Kinderspiel.

Neuer Film

Premiere dahoam

Der neue Film von Walter Steffen ist am Donnerstag im Biergarten des Wirtshauses Flößerei zu sehen.

Wolfratshausen „Des war scho’ aufregend“, verrät Floßmeister Josef Seitner über die Dreharbeiten zu dem Kino-Film „Fahr’ ma obi am Wasser“, der ab kommenden Donnerstag, 11. Mai, auch in Wolfratshausen zu sehen ist. Seitner selbst fährt seit etwa 50 Jahren pro Saison etwa 80 Mal von Weidach aus über die Isar nach München. Aber ein historisches Floß, wie es in dem bereits viel gelobten Dokumentarfilm von Walter Steffen zum Einsatz kommt, hatte er bislang noch nie zusammengebaut. Seitner: „Des war scho’ was, ein Floß zusammenzubauen, so wie’s früher einmal war.“ Der Floßmeister wirkt beinahe ein bisschen andächtig, wenn er ausführt, wie schnell sich die Geschichte der Floßfahrt von der reinen Transportbeförderung zu einer Vergnügungsveranstaltung gewandelt hat.

10.000 Euro von der Stadt als Zuschuss

Ton ab, Kamera läuft: An der alten Floßlände steht Rathausmitarbeiter Martin Melf (li.) dem Filmemacher Walter Steffen (Mitte) und Christoph Grabner Rede und Antwort.

Mit dem Dokumentationsfilm, der kürzlich in Bozen das erste Mal über die Leinwand flimmerte, erfährt das seit dem Mittelalter bekannte Flößerei-Handwerk – ohne dass nicht nur Wolfratshausen heute ganz anders aussehen würde – eine verdiente Wertschätzung. Wegbereiter für dieses Filmprojekt waren vor etwa zwei Jahren Gabriele Rüth, Vorsitzende des Vereins Flößerstraße, sowie der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Er erinnert sich: „Ich weiß noch genau, wie Walter Steffen zu mir ins Rathaus gekommen ist und um eine finanzielle Beteiligung gebeten hat.“ Nach einer kurzen Besprechung mit dem Stadtrat habe man sofort die Summe von 10.000 Euro bewilligt, ohne die die Filmproduktion nicht möglich gewesen wäre. Nach dieser Initialzündung konnten noch viele weitere Sponsoren gewonnen werden. „Uns war allen klar, wie wichtig es ist, die Tradition der Flößerei für die allgemeine Bevölkerung in Erinnerung zu halten“, ergänzt Heilinglechner.

Von den vielfältigen Gefahren, die in grauer Vorzeit auf die Flößer auf der Reißenden lauerten, berichtet vielleicht niemand so eindrucksvoll wie Martin Melf. Der historisch sehr bewanderte Rathausmitarbeiter erzählt unbeeindruckt von der Kamera von heimtückischen Raubüberfällen und rauschenden Stromschnellen. „Das Team von Walter Steffen ist so professionell und so nett im Umgang, ich hab’ beim Erzählen gar nicht mehr gemerkt, dass eine Kamera läuft“, sagt Melf im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Arzbacher Floßmeister Michael Angermeier bringt sein Handwerk auf eine einfache Formel: „Die Isar, des is’ mei’ Leben. Des is’ die Ader.“ Er betreibt von Wolfratshausen aus, wie auch die Flößerei-Betriebe von Josef und Franz Seitner, die beliebten Personenfloßfahrten, die in Thalkirchen enden.

Knochenarbeit: Die Dokumentation „Fahr’ ma obi am Wasser“ vermittelt einen Eindruck von der schweren körperlichen Arbeit, die den Flößern Jahrhunderte lang abverlangt worden ist.

Neugierig auf den Film ist auch Traudl Bergau, die bis vor kurzem in Icking gelebt und sich in der Isartalgemeinde sehr um die Kulturförderung verdient gemacht hat. „Ich hatte Herrn Steffen einmal erzählt, dass wir früher im Glockenbachviertel in München ein Grundstück hatten, auf dem fünf Mühlen standen, die von den Flossen beliefert wurden.“ Steffen bat Bergau kurz darauf zu einem Interview vor laufender Kamera. „Aber ich weiß natürlich nicht, ob die Szene im Film zu sehen ist“, sagt Bergau.

Gespannt auf den Film ist natürlich Floßmeister Franz Seitner: „I hob ihn no ned g’segn. Aber bei den Dreharbeiten is’ ois super abg’laufen“, lobt er die Zusammenarbeit mit Steffen und seinem Team. „Die ha’m uns bei der Arbeit zug’schaut und dabei g’filmt – ohne Probleme“, betont Seitner – und fügt mit einem Lächeln an: „Die san uns ned im Weg umg’anga.“

Open-Air-Kino

Weil das Wolfratshauser Kino derzeit umgebaut wird, ist der Flößerfilm „Fahr’ ma obi am Wasser“ vorerst nur im Biergarten des Wirtshauses Flößerei zu sehen. Premiere ist am kommenden Donnerstag, 11. Mai. Weitere Termine sind Freitag, 12. Mai, Samstag, 13. Mai, Sonntag, 14. Mai, sowie Mittwoch, 17. Mai, jeweils um 20.30 Uhr. Einlass ist ab 19.30 Uhr. Bei Regen wird der Film im roten Saal des Wirtshauses gezeigt. Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Walter Steffen wird jeden Abend persönlich anwesend sein. Karten gibt es im Vorverkauf im Geschäft Wunschtraum sowie in der Raritätenstube. Der Eintritt kostet sieben Euro. Unter allen Tickets werden Freikarten für zwei Floßfahrten verlost. Auch für die Kino-Premiere am Mittwoch, 10. Mai, um 20 Uhr im Rio-Filmpalast im Rahmen des Münchner DOK-Film-Festivals sind noch Karten zu haben.

Die Mitwirkenden

Michael Angermeier, Floßmeister (Arzbach); Franz Seitner, Floßmeister (Wolfratshausen); Josef Seitner, Floßmeister (Wolfratshausen); Stephan Bammer, Historiker (Lenggries); Traudl Bergau,Hauseigentümerin (München); Andreas Binder, Gastwirt und Museumsleiter (Bad Tölz); Robert Brannekämper, Dombaumeister i. R. (München); Josef Bromberger, Landwirt (Beuerberg); Joseph Draxl, Landwirt (Scharnitz); Prof. Karl Filser, Historiker (Augsburg); Jost Gudelius, Ski- und Bergführer (Jachenau); Alfred Hutterer, Gemeindearchivar (Baierbrunn); Helga Lauterbach, Autorin (München); Josef Lohr, Forstingenieur (Oberau); Martin Melf, Rathausmitarbeiter, Stadtführer (Wolfratshausen); Pater Robert Piller, Klosterarchivar (Schäftlarn); Regine Ronge, Fremdenführerin (Mittenwald); Prof. Heinz Schelle, Autor (Oberau); Kilian Willibald, Transport- und Bauunternehmer (Arzbach); Karl Wolf, Historischer Verein (Murnau); Max Hadersbeck, Musiker und Informatiker (Seeshaupt); Thomas Darchinger, Sprecher und Schauspieler (Holzhausen); Sabrina Schwenger, Verein Flößerstraße (Wolfratshausen). 

Bettina Sewald

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