Monika Heidl-Seitner und ihr Vater Franz.
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Sitzen weiterhin auf dem Trockenen: Monika Heidl-Seitner und ihr Vater Franz, einer der drei Floßmeister im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Auch Stoibers Fürsprache hat noch nichts geholfen

Noch immer keine Perspektive für die Flößer

  • vonPeter Borchers
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Inzwischen fehlt es nicht an Bemühungen, den coronabedingt in Not geratenen Flößern zu helfen. Doch konkret ist bislang nichts geworden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Als Monika Heidl-Seitner Anfang März in unserer Zeitung darüber sprach, dass die Pandemie dem kleineren der beiden Wolfratshauser Flößereibetriebe, nämlich dem ihres Vaters Franz, bald den Garaus machen könnte, wurde Wolfratshausens prominentester Bürger hellhörig. In einem offenen Brief an Markus Söder machte Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber wenige Tage später auf das Los der drei Flößer im Landkreis aufmerksam. Neben Franz sind das dessen Cousin Josef Seitner und der Arzbacher Michael Angermeier. Und er bat seinen politischen Ziehsohn Söder um Unterstützung. Doch Stoibers Worte scheinen zu verhallen. Passiert ist nämlich seither kaum etwas, wie unsere Nachfrage ergab.

Bisher habe er keine Reaktion erhalten, sagt Josef Seitner. Seine Vermutung: Söder und dessen CSU sind viel zu sehr anderweitig beschäftigt. „Die sind mit ihren Köpfen in der Bundes- und nicht in der regionalen Politik.“ Erst „dieser Maskenskandal um den Alfred Sauter“, nun „das Gezerre“ mit der Schwesterpartei CDU und Armin Laschet um die Kanzlerkandidatur: „Die kleinen Betriebe in Bayern, die man unterstützten müsste, bleiben da auf der Strecke.“

Josef Seitner ist sofort startklar

Also schaut der 73-Jährige „weiter zum Fenster raus“ und dreht Däumchen. Startklar wäre er sofort. „Wir haben alles vorbereitet. Die Floßbäume, das ganze Werkzeug, alles liegt da.“ Nur die Begehung der Floßgassen und -rutschen stehe noch aus, die solle im Mai folgen. Seitner hat gehofft, Mitte Juli möglicherweise grünes Licht zu bekommen. „Aber wenn die Impfkampagne weiterhin so zäh läuft, kommen wir wieder nicht zum Floßfahren. Es ist furchtbar. Unser Schlüssel ist die Impfung.“ Immerhin: Josef Seitner selbst hat bereits die erste Dosis mit dem Vakzin Moderna erhalten – und recht gut vertragen.

Monika Heidl-Seitner, deren Hilferuf den Flößerei-Fan Stoiber so berührt hatte, erhielt in der Folge „diverse Mitteilungen von Referenten aus der Staatskanzlei“, dass Stoibers Schreiben angekommen sei. Aber eine direkte Reaktion? Nein. Warum die Worte des Wolfratshauser Ehrenbürgers mehr oder weniger verpufft sind? Heidl-Seitner kann nur spekulieren: „Die Vielzahl der Betroffenen wird immer höher. Ob es das kleine Tattoostudio ist oder die Gastro, alle sind am Limit. Da sind wir Holzstockschwimmer auch nur eine kleine Kerze auf dem Kuchen.“ Hinzu kämen die unionsinternen Querelen „um die K-Frage, um Affären“.

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Immerhin: Ein „netter Mitarbeiter aus dem Wirtschaftsministerium“ hält Heidl-Seitner über Neuerungen auf dem Laufenden, zum Beispiel, „dass die Überbrückungshilfe 3 nachgebessert wurde“. Allerdings müsse sie selbst über ihren Steuerberater abklären, ob diese Hilfe in ihrem Fall greift. Ganz abgeschrieben hat die Wolfratshauserin die Saison trotzdem nicht. Im Juni laufe die Überbrückungshilfe aus, „vielleicht wird dann noch einmal nachtaxiert“. Und sollte die Impfkampagne endlich anziehen, „dann geht im Juli vielleicht noch was. Aber das ist derzeit auch nur ein Blick in die Glaskugel.“ Gefreut hat sich die Wolfratshauserin über die Initiative der CSU-Fraktion im Münchner Rathaus, den Flößern aus dem Stadtforst kostenlos Fichten zur Verfügung zu stellen (wir berichteten). „Ein tolles Symbol. Diese Unterstützung hat einfach gutgetan.“

Michael Angermeier nimmts mit Humor

Michael Angermeier hat in der ganzen Misere seinen Humor behalten. Jetzt hätte das Flößergewerbe so großartige Voraussetzungen als Weltkulturerbe, philosophiert der Arzbacher. „Wenn Corona nicht gekommen wäre, hätten sie uns drei heiliggesprochen.“ So aber muss sich der 70-Jährige ebenfalls mit den minimalen staatlichen Hilfen begnügen. Auf Stoibers Initiative meldete sich auch bei ihm niemand. Angermeier hat das aber auch nicht erwartet. „Bevor wir wieder Floß fahren dürfen, muss das ganze Umfeld stimmen.“ Es dürften aber weder Reisebusse fahren noch Gaststätten öffnen. „Eigentlich alles, was mit uns zu tun hat, darf nicht.“ Dass Hilfe aus der Politik komme, glaubt der Arzbacher Floßmeister „erst, wenn ich sie habe“. Er setzt auf die Impfungen: „So lange die nicht funktionieren, haben wir keine Chance.“

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