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Es grünt so grün: (v. li.) Johann Killer, Robert Nörr und Florian Loher zeigen im Wolfratshauser Bergwald, welche Baumarten auf kleinstem Raum gedeihen. 

Artenvielfalt

Ohne Mensch hätte es der Wald schwer

Selten wurde so intensiv über Artenvielfalt gesprochen wie derzeit. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Wald. Ohne menschliches Zutun würden sich dort nicht so viele Arten tummeln. 

Wolfratshausen Revierförster Robert Nörr zeigt auf einen Steilhang im Wolfratshauser Bergwald. Wo das ungeübte Auge nur das satte Grün bewundern kann, benennt er die Pflanzen und Pflänzchen, die sich auf dem Quadratmeter angesiedelt haben: „Esche, Buche, Eiche, Eibe und die Elsbeere.“ Ohne menschlichen Einfluss hätte es die Biodiversität hier schwer – das Waldstück wäre ein reiner Buchenwald.

„Holznutzung und Artenvielfalt stehen in den Köpfen vieler Menschen im Gegensatz zueinander“, sagt Johann Killer. Ein Irrtum, wie der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen erklärt. Die Förster regulieren den Lichteinfall im Wald durch Fällungen und schaffen dadurch unterschiedliche Lebensräume. „Das Ziel unserer modernen Forstwirtschaft ist es, möglichst viele Arten auf der Kleinfläche zu haben“, ergänzt Florian Loher, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung.

Dass sich die Zusammensetzung des Waldes auch von selbst immer wieder erneuert, zeigt sich an einer Lichtung bergaufwärts. Totholz liegt und steht kreuz und quer. Das Eschentriebsterben hat eingesetzt. Einige der Laubbäume sind von selbst zugrunde gegangen, andere mussten gefällt werden, um die Sicherheit der Spaziergänger zu gewährleisten. „Der eingeschleppte Schlauchpilz aus Asien rafft die Eschen dahin“, erläutert Killer. Was für die Baumart fatal ist, bietet anderen Lebewesen neues Leben. Die Lichtung ist auf einmal mit Licht gefüllt, junge Pflanzen haben die Chance, einen Platz an der Sonne zu ergattern. Die Vegetation ändert sich.

„Viele Anwohner tun sich mit dem Wandel des Waldes schwer“, berichtet Nörr. Sie haben ein bestimmtes Bild im Kopf, Neuerungen – egal, ob natürlich entstanden oder durch Waldarbeiten herbeigeführt – werden als negativ empfunden. Das Vorgehen der Förster wirkt gnadenlos, ist aber sinnvoll: „Fördern heißt, den Nebenbaum wegzuschneiden.“ Die Messlatte, welche Art dabei wichtig ist, lege stets der Mensch, so Loher. „Die Artenvielfalt bietet betriebswirtschaftliche Sicherheit“, sagt Killer. Die Idee der Monokultur aus der Nachkriegszeit sei längst überholt. Inzwischen setzt man auf Biodiversität und Minderheitenschutz. „Damit vermindern wir Schädlingsbefall und Krankheiten“, erklärt Loher.

„Was bei uns definitiv zur Biodiversität beiträgt, sind die verschiedenen Waldbesitzer“, betont Nörr. Jeder lege andere Schwerpunkte in seinem Waldstück und trage damit zu einem abwechslungsreichen Gesamtbild bei. Florian Loher macht dafür besonders die weiblichen Waldbesitzer verantwortlich, deren Zahl in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist: „Sie legen noch mal ganz andere Schwerpunkte, Ästhetik ist vielen wichtig.“ Bei den speziellen Schulungen für Waldbesitzerinnen kämen stets interessante Diskussionen zustande, anders als wenn nur „dominante Mannsbilder“ beteiligt sind.

Der Beitrag

ist der zweite Teil einer Serie zur Biodiversität im Wald. 
Lesen Sie auch: Interview mit Christian Webert 

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