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„Eine große Geste“: Josef Öttl (Mi.) freute sich über den Scheck, den ihm die Kunstmeilen-Organisatoren Hans-Werner Kuhlmann (li.) und Arnold Sedlmayr überreichten.

Scheckübergabe an Josef Öttl

Was vom "Oktaeder" übrig blieb

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Wolfratshausen – Das Kunstmeilen-Organisationsteam übergibt einen Spendenscheck an den Künstler Josef Öttl.

Nicht nur sein „Oktaeder“ lag am 22. September zerstört am Boden, auch der Künstler selbst war es. Sein Kunstwerk war in der Nacht Vandalen zum Opfer gefallen. Jetzt ein Vierteljahr später – pünktlich zu Weihnachten – bekam Josef Öttl wenigstens einen kleinen Teil seines Verlustes ersetzt. Hans-Werner Kuhlmann, Vorsitzender des Vereins Lebendige Altstadt Wolfratshausen (LAW) im Organisationsteam der Wolfratshauser Kunstmeile, überreichte dem Künstler einen Scheck in Höhe von 1218 Euro – gespendet von der Stadt Wolfratshausen, der LAW sowie vielen anderen Kunstmeilen-Teilnehmern. „Damit wollen wir unsere Solidarität bekunden“, sagt Kuhlmann. 

Zur Erinnerung: Der „Oktaeder“ von Josef Öttl sollte bei der diesjährigen Kunstmeile der „Hingucker“ schlechthin werden. Doch es kam anders: Am 22. September morgens bekam Kuhlmann einen Anruf von Öttl, der sein völlig zerstörtes Kunstwerk an der alten Floßlände aufgefunden hatte. Die filigrane, knapp vier Meter hohe Plastik war über Nacht Zerstörungswütigen zum Opfer gefallen (wir berichteten). Fünf der acht mühsam konstruierten Eichenholzkreise (Ringe) waren zerbrochen, „regelrecht zerfetzt worden“, so Öttl. Drei Kreise fehlten völlig, einer davon wurde später am Kastenmühl-Wehr gefunden. Geschätzer Sachschaden: rund 15 000 Euro. Kuhlmann erstattete umgehend Anzeige bei der Wolfratshauser Polizei. Von der Versicherung, die Kuhlmann für die Kunstmeile abgeschlossen hatte, war nichts zu erwarten: „Die greift in Vandalismusfällen nicht.“ Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Klaus Heilinglechner beschloss man, eine Prämie auszuloben: Mit je 250 Euro beteiligten sich die Stadt und die LAW. 

Bis heute konnte der/die Täter nicht ermittelt werden. „Wenn ich daran denke, könnte ich immer noch vor Wut explodieren“, sagt Kuhlmann. „Solche Leute haben keinerlei Achtung vor fremdem Eigentum. Denen ist egal, wie viel Arbeit und Kreativität dahinter steckt.“ Aus der Prämie ist jetzt eine Spende geworden, denn viele andere Künstler zeigten sich solidarisch mit dem geschädigten Künstler aus Wegscheid und legten noch eins drauf. „Eine große Geste, über die ich mich sehr, sehr freue“, sagt Josef Öttl dazu. „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Angesprochen auf sein Empfinden bei der ganzen Sache sagt er: „Das trifft einen Künstler natürlich immer sehr. Da steckt ja so viel von einem selbst drin.“ Nicht zuletzt ein langer, mühsamer Arbeitsprozess von rund 250 Stunden. Zudem hatte Öttl den „Oktaeder“ speziell für die Kunstmeile angefertigt. 

Noch ist das, was vom ihm übrig geblieben ist, in Kisten verpackt und weggeräumt. Öttl will ihn aber im kommenden Jahr auf der Wiese vor seinem Haus aufbauen. „Ich bin kein Typ, der sich leicht unterkriegen lässt. Schließlich haben der oder die Täter mit ihrer Zerstörung ja nicht mich persönlich gemeint. Die kennen mich höchstwahrscheinlich gar nicht.“ Und auch bei der nächsten Kunstmeile will er wieder mitmachen. Kuhlmann weist darauf hin, dass die Spende an Josef Öttl eine einmalige Sache darstelle und nicht reproduzierbar sei. „Das haben wir nur in diesem speziellen Fall so gemacht, weil ich selbst von diesem Vorfall so getroffen und emotional geschockt war.“

Roswitha Diemer

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