Feuer unterm Dach: Vier Menschen verloren Anfang Dezember ihre Bleibe bei einem Großbrand am Untermarkt. Danach rollte eine Welle der Hilfsbereitschaft durch Wolfratshausen.
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Feuer unterm Dach: Vier Menschen verloren Anfang Dezember ihre Bleibe bei einem Großbrand am Obermarkt. Einer von ihnen: Manfred Winterer (75).

Riesige Hilfsbereitschaft nach dem Wohnungsbrand

„Ich bin den Menschen unendlich dankbar“: Opfer des Großbrands am Obermarkt äußert sich

Manfred Winterer (75) gehört zu jenen Menschen, die vor einem Monat ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Er ist überwältigt von der Hilfe, die er danach erfahren hat.

Wolfratshausen – Vor gut einem Monat stand Manfred Winterer mit einem Schlag vor dem Nichts. Der 75-Jährige ist einer der vier Wolfratshauser, die durch den Großbrand am Obermarkt das Dach über dem Kopf verloren haben – für den Rentner ein schmerzliches wenn nicht traumatisches Unglück. Die Wochen nach dem Feuer erzählen jedoch auch eine Geschichte voller Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit. „Ich bin so vielen Menschen unglaublich dankbar“, sagt Winterer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Seit dem Feuer lebt der Senior im Hotel Humplbräu. „Das ist in der Pandemie nicht selbstverständlich, dass man sofort ein Zimmer und eine so freundliche Bewirtung bekommt“, sagt er. Rathauschef Klaus Heilinglechner hatte direkt nach der Katastrophe sein Einverständnis erteilt, dass das Wolfratshauser Traditionsgasthaus als Herberge dienen durfte. Eine Entscheidung, für die ihm Winterer „noch danken möchte“.

Seine Wohnung hatte der 75-Jährige Hals über Kopf verlassen müssen, als die Flammen aus dem Dach züngelten. Eine kurze Hose, Hausschuhe und ein Oberteil trug er am Leib. Es war alles, was er mitnehmen konnte. Inzwischen ist sein Kleiderschrank im Hotel wieder gut gefüllt. Eine Welle der Solidarität schwappte durch die Loisachstadt. Direkt nach dem Brand habe ihm das Schuhgeschäft Meiller ein Paar Schuhe geschenkt, erzählt das Brandopfer. „Und in den Tagen danach habe ich wahnsinnig viele Geschenke bekommen. Menschen haben mir Kleidung vorbeigebracht oder Gutscheine ausstellen lassen.“

Jetzt lebt Winterer im Humplbräu

Ines Lobenstein, Caritas-Mitarbeiterin und Wohnungslosenbeauftragte, hatte sich um die vier Hausbewohner gekümmert und eine Spendenaktion initiiert. „Es ist unglaublich viel zusammengekommen“, sagt sie. Noch am Tag des Brandes hatten sich rund 100 Menschen in den sozialen Netzwerken bereit erklärt, für die Opfer zu spenden. Winterers ehemalige Nachbarn brachte die Caritas-Mitarbeiterin in einem Obdachlosenheim unter. Lobenstein glaubt, „dass sie dort im Moment ganz zufrieden sind“. Ein Betroffener lebt allein in einem Einzelzimmer, die anderen beiden teilen sich einen Raum. Dass das Haus so unkompliziert drei neue Bewohner aufnehmen konnte, war Glück im Unglück: „Ein paar Tage vor dem Brand sind vier Menschen aus der Unterkunft ausgezogen. Sie ist sonst eigentlich immer voll belegt“, sagt Lobenstein. Bislang haben die drei noch keine neue, eigene Wohnung gefunden.

Er hatte seine Frau bis zum Tod gepflegt

Manfred Winterer hingegen kann sein Notfall-Domizil bald verlassen. Der Senior hat über den Wolfratshauser Immobilienmakler Ernst Gröbmair eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Loisachstadt gefunden. Vielleicht, noch steht das nicht fest, kann er sogar einen Teil seiner Möbel mit in die neue Wohnung nehmen. „Die wurden zwar beim Brand beschädigt, lassen sich aber vielleicht restaurieren.“

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Für den 75-Jährigen wird es der zweite Neuanfang in kürzester Zeit sein. Winterer lebte nur rund einen Monat lang in der Wohnung am Obermarkt, die im Dezember in Flammen stand. Zuvor hatte er mit seiner Frau ein Haus bewohnt, in dem er die Parkinson-Patientin bis zu ihrem Tod pflegte. Als Witwer entschied er sich für einen Umzug, „weil ich sie überall im Haus noch vor mir gesehen habe“. Nach den zwei großen Rückschlägen glaubt Manfred Winterer nun an eine bessere Zukunft. Was ihn so zuversichtlich sein lässt? „Die riesige Herzlichkeit, die ich nach dem Brand hier in Wolfratshausen erlebt habe.“ Die vergangenen Wochen hätten ihm gezeigt, „wie viel Gutes die Menschen in ihren Herzen tragen“.

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