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Beim letzten Abendmahl teilte Jesus mit seinen Jüngern Brot und Wein. 

Gott und die Welt 

Ostern wie einst in der Urkirche

In unserer Rubrik „Gott und die Welt“ erklärt Pastoralreferentin Gabriele Seidnader, dass auch ein Ostern ohne Gemeinschaft eine wertvolle Erfahrung sein kann.  

„Ostern steht vor der Tür“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Kirchentüren bleiben in diesen Tagen für die Feier öffentlicher Gottesdienste geschlossen. Zum persönlichen Gebet und als Ort zum Verweilen sind die Kirchen natürlich geöffnet.

Gabriele Seidnader, Katholische Pastoralreferentin in Wolfratshausen. 

Dennoch fehlt in diesem Jahr etwas ganz Entscheidendes: die Möglichkeit, in Gemeinschaft zu feiern. Heute, am Gründonnerstag, erinnern wir uns an das Mahl, das Jesus mit seinen Freunden vor seinem Tod gefeiert hat. Er hat als gläubiger Jude das Pessach-Mahl mit seinen Jüngern gefeiert. Die Juden feiern es jedes Jahr und erinnern sich daran, dass Gott Freiheit schenkt – damals seinem Volk Israel in Ägypten, wie auch den Feiernden selbst viele Jahre, ja sogar Jahrtausende später. In Gemeinschaft das Leben teilen und Gottes befreiende Gegenwart erfahren im Hier und Jetzt – vielleicht kann man es auch so zum Ausdruck bringen.

Vor Jahren habe ich das Bild einer Installation gesehen, von der ich nicht mehr sagen kann, von wem sie war, aber die Szene ist mir im Gedächtnis geblieben: Vor einer Hafenkulisse mit Kränen und großen Schiffen war unter freiem Himmel eine lange Tafel – gedeckt mit Brot und Wein – aufgebaut. Männer und Frauen saßen an dieser Tafel, an ihren Gewändern und Haarschnitten war eindeutig erkennbar, dass es Menschen des 21. Jahrhunderts waren – eine Abendmahlszene in heutiger Zeit. Das, was sich vor 2000 Jahren ereignete, findet statt im Hier und Jetzt. Im Teilen des Brotes und des Weines, im Teilen des Lebens. In der Gemeinschaft ist Gottes Liebe zu uns Menschen spürbar, ist die Gegenwart Jesu erfahrbar.

Die Türen der Kirchen bleiben an diesen Tagen für die Feier der Gottesdienste geschlossen. Das ist für viele eine bittere Tatsache. Aber vielleicht können sich aus dieser Not heraus ganz neue Perspektiven eröffnen. Vielleicht kann es die Erfahrung der Urkirche sein: sich in einer kleinen Gemeinschaft zum Mahl zu versammeln, das Licht der Kerzen zu entzünden und miteinander die Schrift zu teilen. Gemeinsam zu entdecken, dass diese Schrift Widerhall in meinem Leben findet und Gott heute – auch in dieser „dunklen“ Zeit – erfahrbar ist und Freiheit schenken kann. Den Lobpreis und Dank zu sprechen für alles, was uns geschenkt ist und im Teilen des Brotes und des Weines Verbundenheit und Gemeinschaft zu erfahren – auch über die Tischgemeinschaft hinaus.

Dieser Abend des Gründonnerstages geht hinein in das Dunkel der Nacht, in der Jesus verraten wurde, und hinein in den Karfreitag, an dem beim Tod Jesu eine Finsternis über das ganze Land hereinbrach. Er geht hinein in die Dunkelheit des Grabes, bis am Dritten Tag mitten in der Nacht das Licht der Auferstehung alle Dunkelheit und Finsternis vertreibt.

Ich wünsche Ihnen in diesen für viele verunsichernden und für manche auch dunklen Zeiten, dass Sie in den österlichen Tagen erfahren dürfen, in Ihrem Leben getragen zu sein. Ich wünsche Ihnen das Licht der Auferstehung, das alle Dunkelheit und Finsternis vertreibt.

Lesen Sie auch: Wenn alle zusammenhelfen, kann Großes entstehen 

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