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Im Fluss: Dirk Rohrbachs episches Kajak-Abenteuer auf Missouri und Mississippi ist ein Programmpunkt des Wild!-Festivals, das der Reise-Autor, ehemalige Bayern 3-Moderator und promovierte Arzt gemeinsam mit der Stadt in der Loisachhalle veranstaltet. 

An zwei Tagen in der Loisachhalle

Outdoor-Festival „Wild!“: Stoff für Natur-Junkies

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Am Samstag und Sonntag gastiert das Outdoor-Festival „Wild!“ in der Loisachhalle. Wir unterhielten uns mit Initiator Dirk Rohrbach. 

Wolfratshausen– Ausbrechen aus dem Alltag, aus der Routine – das Naturerleben liegt im Trend. Das können ganz kleine, sogenannte Mikroabenteuer sein oder eben die großen, wie sie Dr. Dirk Rohrbach seit Jahren erlebt. Sein jüngstes: Der Reise-Autor, Rundfunkmoderator und promovierte Mediziner befuhr Missouri und Mississippi von der Quelle bis zur Mündung des Stroms in den Golf von Mexiko in einem selbst gebauten Kajak. Vor ihm wagten dies erst elf Abenteurer, Rohrbach war der erste Europäer. Als Opener des von ihm selbst organisierten Outdoor-Festivals „Wild!“– es erlebt seine offizielle Premiere am Wochenende in der Wolfratshauser Loisachhalle (siehe Kasten) – erzählt der 51-Jährige in Wort und Bild von seinem grandiosen Flussabenteuer über 6000 Kilometer.

Herr Rohrbach, als Solo-Vortragsredner in Sachen Outdoor sind Sie ein alter Hase. Ein komplettes Festival zu organisieren ist noch einmal eine andere Hausnummer. Nervös?

Ja, gleich doppelt und dreifach. Zum einen haben wir in Wolfratshausen Premiere, da muss man sich erst einmal finden. Was erzählt man, wie erzählt man es? Dann begleitet zum ersten Mal Livemusik der Band „Smokestack Lightnin’“ meinen Vortrag „Im Fluss“. Normalerweise kommt der Soundtrack dazu aus der Konserve. Gestern noch haben wir bis weit nach Mitternacht geprobt. Und natürlich ist ein ganzes Festival auf die Beine zu stellen auch für mich etwas völlig Neues. Wir haben tolle Gäste eingeladen, dem wollen wir gerecht werden – und der Erwartung des Publikums natürlich auch.

Die Musik von „Smokestack Lightnin’“ klingt, als käme sie direkt aus dem amerikanischen Süden. Die Burschen sind aber aus Bayern. Wo haben Sie diese herausragende Band aufgegabelt?

Um politisch korrekt zu bleiben: Sie sind Franken (lacht). Wir kennen uns aus Zeiten, als ich noch mit der Bayern 3-Band aufgetreten bin, haben uns immer wieder getroffen, standen beim BR-Fasching oder Open Airs nacheinander auf der Bühne. Daraus ist eine Freundschaft und schließlich eine Zusammenarbeit entstanden.

Sie sind mit dem Fahrrad quer durch die USA gefahren, waren im Kanu gut 3000 Kilometer auf dem Yukon unterwegs. Sie selbst aber sagen, das Paddeln auf Missouri und Mississippi war bislang Ihre größte Herausforderung. Warum?

Weil es so unerwartet war. Ich hatte schon einige Reisen hinter mir und dachte, ich sei auf alles vorbereitet. Dann kam es ganz anders. Der Fluss hat mich gefordert, mich mit mir selbst konfrontiert, und ich war erst einmal überfordert. Ich habe gehadert, gezweifelt – und lange gebraucht, tatsächlich in den Fluss zu kommen.

Sie sind am Freitag und Samstag kein Alleinunterhalter, sondern haben namhafte Kollegen dabei: Survival-Legende Rüdiger Nehberg, den Ickinger National-Geographic-Fotografen Carsten Peter und ZDF-Filmemacher Axel Gomille. Auf was dürfen sich die Zuschauer freuen?

National Geographic schickt Carsten an die brenzligsten Orte auf der ganzen Welt, zu denen sich andere gar nicht hintrauen: Er fotografiert in Vulkanen, Höhlensystemen, Wirbelstürmen – und das so beeindruckend, dass wir gesagt haben: Wenn wir so ein Festival in Wolfratshausen machen, muss er als Lokalmatador dabei sein. Rüdiger Nehberg kann die Menschen unterhalten wie kein Zweiter. Er wird 85 dieses Jahr und hat noch so viel vor. Ich weiß nicht, wie man es schafft, so viele spannende Abenteuer in ein Leben zu packen und dann noch so mitreißend davon zu erzählen wie Rüdiger. Axels Vortrag dreht sich um Wölfe und Wildheit, das Thema hat sich in Wolfratshausen beim Wild!-Festival also aufgedrängt. Axel erzählt darüber, wie die Wolfsrudel wachsen und Deutschland wieder wilder machen. Er hinterfragt aber auch kritisch, was das bedeutet und wie wir damit umgehen. Ein toller Beitrag, der auch für Familien geeignet ist.

Das Festival ist also nicht nur etwas für Outdoor-Enthusiasten?

Nein. Wir wollen nicht nur die Freaks abholen, sondern jeden einladen auszubrechen und wild zu sein, wild zu bleiben – ob’s am Wochenende vor der Haustüre ist oder eben auf großen epischen Reisen wie in meinem Fall. Deshalb haben wir für jeden etwas dabei.

Eine letzte Frage: Sie sind Arzt, wenngleich Sie schon lange nicht mehr in diesem Beruf arbeiten. Gesetzt den Fall, Sie rammen sich irgendwo in der Wildnis einen Angelhaken ins Bein: Könnten Sie sich noch selbst helfen?

(lacht) Das Schlimme ist, dass wir Mediziner alle Hypochonder sind. Haben wir selbst etwas, vermuten wir sofort das Schlimmste. Das kann ein Nachteil sein, gerade wenn man in der Einsamkeit unterwegs ist. Ein bisschen Naivität wäre da manchmal hilfreicher. Aber grundsätzlich weiß ich natürlich immer noch, wie der Körper funktioniert und was bei bestimmten Symptomen zu tun ist. Insofern nutze ich dieses Wissen in brenzligen Situationen hoffentlich zu meinem Vorteil. Gott sei dank musste ich das bisher noch nicht.

peb

Das Programm: 

Samstag, 18. Januar 19.30 Uhr (Einlass 19 Uhr), Loisachhalle: Dirk Rohrbach „Im Fluss“, Musik: „Smokestack Lightnin’“, Karten zu 24 Euro (ermäßigt 22 Euro inklusive Gebühren) im Vorverkauf, an der Tageskasse 28 Euro (ermäßigt 26 Euro); „Smokestack Lightnin’“, After Show Party, Foyer der Loisachhalle, Einlass etwa 22 Uhr, Beginn etwa 22.15 Uhr, nur mit Ticket „Im Fluss“ und Festivalticket; Sonntag, 19. Januar 11 Uhr (Einlass 10.30 Uhr) Foyer der Loisachhalle: Bayern2-Radioreisen live, Eintritt frei; 13.30 Uhr (Einlass 13 Uhr) Loisachhalle: Axel Gomille – Deutschlands Wilde Wölfe, Karten 14 Euro (zwölf Euro) im Vorverkauf, 18 Euro (16 Euro) an der Tageskasse, Familienticket für vier Personen (maximal zwei Erwachsene) 29 Euro; 16 Uhr (Einlass 15.30 Uhr) Carsten Peter – Erde Extrem, Loisachhalle, 16 Uhr (Einlass 15.30 Uhr), Tickets zu 14 Euro (zwölf Euro) im Vorverkauf und zu 18 Euro (16 Euro) an der Tageskasse; 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) Loisachhalle: Rüdiger Nehberg – Sir Vival, Karten zu 18 Euro (16 Euro) im Vorverkauf und 22 Euro (20 Euro) an der Tageskasse, frei ab zwölf Jahren; Reisemarkt im Foyer: Samstag ab 18 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, Eintritt frei.

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