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Klappern gehört zum Handwerk: Das Quartett trommelte auf Kannen, Nachttöpfen und Kuhglocken. 

Flussfestival

Die Alpin Drums bringen Trommelfelle zum Glühen

Fünf Musiker klopfen auf alles, was in einem historischen bayerischen Haushalt zu finden ist - und faszinieren das Flussfestival-Publikum.

Wolfratshausen – Melkeimer, Bierbänke, Messer und Brotzeitbrett. Was sich nach der Grundausstattung eines altbayerischen Haushalts anhört, sind die Instrumente von Toni Bartl und seinen Alpin Drums. Hans Mühlegg, Jörg Regenbogen, Bodo Matzkeit und Raimund Bierling präsentieren unter seiner Regie die verblüffende Percussionshow „Der Berg groovt“, die neben allen Gags und Blödeleien auch noch musikalisch mit absoluter Präzision besticht.

Schon der Auftritt der Musiker kündigt sich rhythmisch an. Das Quartett hat sich Fußbänke unter die Schuhe geschnallt und stampft – vorbei an Milchkannen und Palettenkisten – auf die schwimmende Bühne des Flussfestivals. Dort angekommen, schnappt sich jeder einen Melkeimer. Der blecherne Klang schallt bis in die letzten Zuschauerreihen. Es wird nicht nur auf dem eigenen Eimer getrommelt, sondern auch über kreuz auf dem des Nachbarn. Fast schon melodisch erklingen danach einige Nachttöpfe, die die Musiker zur Freude des Publikums hervorholen.

Auf ihren Holzkisten sitzend machen sie in der nächsten Nummer vier Milchkannen zu Instrumenten. Und es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Klänge sie den Kannen entlocken: Sie nutzen den Henkel als Schlägel, schlagen die Deckel zusammen und klopfen auf den Boden des Gefäßes bis einem die Ohren klingeln. Drei der Schlagzeuger sind in bayerischer Tracht erschienen, der vierte tritt in Baskenmütze und Hosenträgern auf und begrüßt das Publikum mit einer „französischen“ Ansage: „Camouflage, Sauce Hollandaise, Malheur.“ Eben das, was man als Nicht-Franzose so im Repertoire hat.

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Als die Musiker lange Sensen hervorholen, verzieht so mancher im Publikum das Gesicht. Und tatsächlich, mit Schleifsteinen und einer beängstigen Geschwindigkeit entlocken die Schlagzeuger den Klingen komplizierte Rhythmen. „Des is a gmahde Wiesn!“, ertönt es unisono von der Bühne.

Was im bayerischen Ambiente natürlich auf keinen Fall fehlen darf: eine ganze Batterie Kuhglocken. 32 Stück bauen die Drummer auf, aber erst mal erklingen zarte Melodien wie im Konzertsaal. Erst als sie die Filzschlägel gegen Drumsticks tauschen, erscheint vor dem inneren Auge ein Viehauftrieb in grünen Almwiesen. Jäh aus der Idylle gerissen wird das Publikum, als die Musiker Quietschtiere aller Art hervorholen. Enten, Schweinchen, Nilpferde. Geschickt drücken sie die Gummitiere zusammen, bis ein hochprofessionell klingendes Lied ertönt.

Zum Schluss stimmt die Gruppe auf 24 umgedrehten Blumentöpfen den Party-Hit „Tequila“ an. Das Publikum lässt sich nicht zweimal bitten und stimmt begeistert mit ein.

Leonora Mitreuter


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