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Besonders schwere Zeiten für pflegende Angehörige

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Von: Volker Ufertinger

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Schwierige Zeiten: Die Corona-Pandemie erschwert die häusliche Pflege von Angehörigen. Die psychische und physische Belastung ist enorm. Foto: Bernd Thissen/dpa
Die Corona-Pandemie erschwert die häusliche Pflege von Angehörigen. Die psychische und physische Belastung ist enorm. © Bernd Thissen / dpa

Wegen Corona sind pflegende Angehörige in einem besonderen Dilemma: Sie wollen ihre Liebsten pflegen - und drohen doch, sie anzustecken.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Angehörige zu pflegen, ist schon unter normalen Umständen ein Kraftakt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist es eine enorme psychische und physische Belastung. Einerseits ist da immer der Wunsch, dem Vater, der Mutter, dem Ehemann, der Ehefrau zu helfen, so gut es irgend geht. Aber da ist auch die Angst, die liebsten Menschen anzustecken.

Genau das ist das Problem, mit dem Christiane Bäumler vom Sachgebiet Sozialwesen im Landratsamt ständig konfrontiert ist. „Die Angehörigen stehen zwischen dem Bedarf nach Hilfe und der Sorge, ihre Angehörigen der Gefahr einer Ansteckung auszusetzen“, erzählt sie. Sie selbst versucht, mit den Angehörigen die für sie richtigen Möglichkeiten der Entlastung herauszufinden. „Tatsächlich ist es aber oft schon hilfreich, wenn die Angehörigen jemanden an ihrer Seite haben, der sich mit auf die Suche macht und bis zu einer endgültigen Lösung als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht.

Ein Dilemma ohne Ausweg

Etwas direkter wird Elfi Blank-Böckl, Geschäftsführerin vom Sozialen Netzwerk in Geretsried-Gelting. „Es ist die Hölle“, sagt sie. „Die Situation hat sich durch Corona massiv verschärft.“ Bei der Pflege der Liebsten schwingt jetzt immer die Angst mit. „Die Leute fragen sich natürlich: Was trage ich da jetzt mit rein?“ Im schlimmsten Fall ist es das Virus. Doch die Pflege muss ja irgendwie aufrecht erhalten bleiben. Ein Dilemma ohne Ausweg.

Im Büro des Sozialen Netzwerks an der Leitenstraße klingelt seit Monaten ständig das Telefon. „Viele sind pflegende Angehörige, die einen Rat haben wollen“, erzählt Blank-Böckl. Man kann nur eines tun: Den Angehörigen – und auch sich selbst – nach Möglichkeiten schützen, indem man Handschuhe und Maske trägt, sich gründlich desinfiziert und die körperlichen Kontakte auf das Notwendigste beschränkt. Besondere Schwierigkeiten treten bei Dementen auf, denn sie verweigern oft die Maske.

Demente verweigern oft die Maske

Einen anderen Aspekt bringt Simona Dorn ins Spiel, die in Geretsried eine Senioren-Tagespflege betreibt. Hier hat vor einigen Tagen Corona zugeschlagen, und das hieß: Quarantäne, zehn Tage lang. Auf diese Situation, wie sie jederzeit eintreten kann, mussten die Angehörigen reagieren. Es hieß den Alltag umkrempeln, beim Arbeitgeber für Verständnis werben – und eben jene Pflege leisten, die sonst im Haus von Simona Dorn geleistet wird. Alle reagierten flexibel und verständnisvoll. „Meine Angehörigen sind super“, erklärt sie.

Lesen Sie auch: Die Beratungsstelle für pflegende Angehörige

Was pflegenden Angehörigen hilft, ist der Austausch sowie Anerkennung für eine Leistung, die kaum jemand sieht. Beides bietet der Nachmittag im Gasthof Hofherr in Königsdorf, den Ehrenkreisbäuerin Anni Rieger dort einmal jährlich organisiert. Heuer war er für den 23. Oktober geplant. Doch er fiel aus, auch das wegen Corona. „Das hat mir furchtbar wehgetan“, sagt Anni Rieger. Sie weiß, wie wichtig es ist, einmal offen und ehrlich reden zu können. Und Landrat Josef Niedermaier sowie Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber sind normalerweise auch vertreten, um zu zeigen, wie sehr sie den Einsatz der pflegenden Angehörigen zu schätzen wissen. Am meisten leid tun Rieger die Senioren, die keine Familie haben, daheim sitzen und nur vom Pflegedienst mit den Nötigsten versorgt werden. „Die ganze Situation ist tragisch“, sagt sie.

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