Christkindlmarkt Wolfratshausen
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Großes Gedränge in der Budengasse: Bilder wie dieses wird es im Jahr 2020 nicht geben. Der Christkindlmarkt in der Marktstraße soll wegen der Corona-Pandemie in einer anderen Form stattfinden.

Weihnachtsdörfer in verschiedenen Stadtteilen

Stadt Wolfratshausen plant dezentralen Christkindlmarkt

Die Stadt fürchtet, dass eine Absage des Christkindlmarkts unumgänglich sein wird. Für diesen Fall sollen kleine Budendörfer in den Stadtteilen entstehen.

  • Corona 19 hat schon viele Großereignisse unmöglich gemacht - siehe Wiesn.
  • Auch der beliebte Wolfratshauser Christkindlmarkt ist von einer Absage bedroht.
  • Die Stadt arbeitet an Plan B - einem dezentralen Fest.

Wolfratshausen – Ein großes „Ihr Kinderlein kommet“ wird es in diesem Jahr nicht geben: Wegen der Corona-Pandemie rechnet die Stadt fest damit, den Christkindlmarkt absagen zu müssen. Ganz sicher ist das Aus für den beliebten Markt noch nicht – die Chancen sind aber äußerst gering, dass Großveranstaltungen im Dezember wieder erlaubt sind. Verwaltung und Stadträte suchen nach Alternativen, um ein bisschen Weihnachtszauber zu ermöglichen.

Großveranstaltungen sind grundsätzlich verboten

Die Anweisung der Bundesregierung ist klar: Großveranstaltungen dürfen nicht stattfinden. Rathauschef Klaus Heilinglechner hat eine klare Meinung: „Der Christkindlmarkt mit 6000 Besuchern ist – mitten im Winter, wo das Infektionsrisiko steigt – für mich unter diesen Bedingungen nicht vorstellbar. Auch wenn das sehr schade ist.“ Widerrede regte sich nicht – ganz im Gegenteil: „Der Markt ist eine Veranstaltung, auf die sich jeder gefreut hat – die Absage ist nicht leichtfertig“, pflichtete CSU-Fraktionschef Peter Plößl bei.

Die Mitglieder des Hauptausschusses stellten Überlegungen an, wie in der Weihnachtszeit doch ein bisschen Marktstimmung aufkommen könnte. Es gab zwar bereits Gespräche innerhalb der Verwaltung, wie man einen Plan B für die Vorweihnachtszeit gestalten könnte, die Ratsmitglieder schrieben in der Sitzung trotzdem einen Weihnachtsmarkt-Wunschzettel. Viel Anklang fand dabei das Gedankenspiel der Dritten Bürgermeisterin Annette Heinloth: „Weihnachten in Wolfratshausen“ könnte das Konzept heißen, nach dem in verschiedenen Stadtteilen kleine Budendörfchen mit Kinderpunsch, Handwerkskunst und weihnachtlichen Leckereien locken sollen. „Ich glaube, dass das sehr gut angenommen würde“, erklärte sie. Eine endgültige Absage des Markts möchte sie hingegen „so lange offen lassen wie es möglich ist“ – auch wenn ein „normaler“ Betrieb nahezu unmöglich scheint.

Weihnachten in Farchet, Waldram und anderswo

Der Vorschlag, ganz Wolfratshausen zum Weihnachtsdorf zu verwandeln, stieß auf Gegenliebe. „Weihnachten in Farchet, in Waldram, am Untermarkt, am Wasen: Solche Aktionen finde ich gut“, sagte Bürgervereinigungs-Sprecher Josef Praller. „Zu solchen kleinen Märkten kommen nicht so viele Menschen auf einmal, man kann die Abstände einhalten.“ Die Vorstellung eines Wochenendes, in dem überall in Wolfratshausen kleine, geschmückte Stände Weihnachtsstimmung verbreiten gefiel auch Helmut Forster. „Man sollte das gleichzeitig stattfinden lassen. Wenn nur ein kleiner Markt offen hat, strömen alle Menschen dorthin – und dann werden es zu viele Besucher.“

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Heinloth wünscht sich, dass sich „viele Vereine, viele Akteure“ an dem Markt beteiligen. „Wir haben so viele schöne Plätze, das man diese Idee richtig breit aufstellen könnte“, sagt sie. So könne man auch vermeiden, dass man einen Hot Spot schafft, den viele Menschen gleichzeitig besuchen – und die Infektionsgefahr dadurch steigt.

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Die dezentrale Marktvariante soll von Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Lenkungsgruppe gemeinsam geplant werden. Der Ausschuss votierte einstimmig dafür. Die Räte sprachen sich für ein komplettes Alkoholverbot auf den einzelnen Mini-Märkten aus. „Wenn wir Veranstalter sind, können wir das vorgeben“, erklärte Rathauschef Heilinglechner.

Jahrmärkte sind abgesagt

Endgültig abgesagt ist dagegen der Kirchweih- und der Martinimarkt. Sie werden heuer nicht stattfinden. Das beschloss der Hauptausschuss des Stadtrats einstimmig. Damit verbunden sind die verkaufsoffenen Sonntage in der Loisachstadt. SPD-Rat Fritz Schnaller und Helmut Forster (Wolfratshauser Liste) sprachen sich dafür aus, eine Lösung zu suchen, die Geschäfte trotzdem sonntags öffnen zu dürfen. „Wir sollten nicht leichtfertig sein“, meinte Schnaller zu den Infektionsschutz-Regeln – und plädierte dafür, die Läden mit entsprechendem Hygienekonzept zu öffnen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner schürte keine Hoffnungen: „Es gibt eine klare Aussage von der Regierung von Oberbayern, dass das nicht möglich sein wird.“ Dominik Stallein

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