„Humplbräu unterwegs“-Foodtruck
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Spezialitäten gibt’s in Papierverpackungen: Beim „Humplbräu unterwegs“-Foodtruck gibt es bereits umweltverträgliche Verpackungen. Andere Speisen-Anbieter müssen jetzt nachziehen.

„Mengen an Müll nicht mehr tragbar“

Neue EU-Regel: Plastik und Styropor ab sofort tabu - Wirte im Landkreis begrüßen das

  • VonDominik Stallein
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Seit vergangenem Samstag dürfen Wirte das Essen nicht mehr in Plastik- und Styroporverpackungen mitgeben. Die finden das selbst gut.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den Burger mit Süßkartoffelpommes reicht Johanna Fagner dem hungrigen Kunden in einer Papp-Verpackung über den Tresen des Foodtrucks. Im „Humplbräu unterwegs“, der fahrenden Fast-Food-Küche des Gasthofs aus Wolfratshausen, hat Plastik bereits Hausverbot. Ein Beispiel, dem andere Gastronomen folgen werden. Trinkhalme, To-go-Becher, Plastik-Verpackungen und Einweggeschirr aus Styropor: Seit diesem Samstag ist all das wegen einer neuen EU-Regelung verboten. Gastronomen dürfen nur noch Restbestände aufbrauchen und müssen dann umsatteln. Einige Restaurants im Landkreis haben bereits Alternativen eingeführt. Ein Mehrwegsystem im ganzen Landkreis könnte eine Chance im Kampf gegen den Plastikmüll sein.

Benedikt Fagner, Junior-Chef des Wolfratshauser Traditionswirtshauses Humplbräu, hat sich früh von Plastik-Verpackungen verabschiedet. Seit über einem Jahr ist er mit dem Foodtruck in Wolfratshausen und der Umgebung unterwegs. „Von Anfang an haben wir Wert darauf gelegt, nachwachsende Rohstoffe zu verwenden“, sagt er. Wer Besteck zu seiner Currywurst benötigt, kriegt ein Modell aus Holz. „Das ist zwar ein anderes, etwas raueres Mundgefühl als bei Plastikbesteck“, sagt Fagner. Das sei aber auch das einzige Opfer, das die Kunden für eine umweltverträgliche Schnellmahlzeit bringen müssten. Der Humplbräu muss beim Abholgeschäft wegen der neuen Regelungen vorerst nichts umstellen.

Das ist bei einigen Wirten anders. In der Tölzer Bäckerei Büttner zum Beispiel wandern an einem normalen Wochentag schon mal 50 To-Go-Becher über den Tresen. Die sind zwar aus Pappe, jedoch mit einer Kunststoffschicht überzogen. Das ist künftig nicht mehr erlaubt. „Wir werden die restlichen Becher noch verwenden, und dann auf komplett kunststofffreie Produkte umstellen“, sagt Junior-Chef Max Büttner. Das sei weniger für die Gastronomen als viel mehr für die Lieferanten eine Umstellung. „Wir dürfen die Plastik-Produkte ja gar nicht mehr kaufen.“

Wer bei der Taverna Sirtaki in Bichl künftig Gyros mit Zaziki zum Mitnehmen bestellt, bekommt die hellenischen Spezialitäten vorerst noch in Kunststoff-Verpackungen. „Die haben wir noch auf Vorrat“, sagt der Wirt. Ilias Athanasiadis ist auf der Suche nach Alternativen. „Wir haben dafür zum Glück ein bisschen Zeit“, sagt der Grieche. Im Moment ist das Abholgeschäft abgeflaut. „Die Leute kommen zum Glück wieder zum Essen zu uns“, sagt er. Die Außer-Haus-Bestellungen sind folglich zurück gegangen. Einige plastikfreie Alternativen seien für den Wirt ein bisschen teurer. „Das ist nicht so schlimm. Wir wollen ja auch Plastikmüll vermeiden.“

In vielen Großstädten – München ist ein Vorreiter in der Region – gibt es verschiedene Mehrweg-Systeme. Ein Beispiel ist „Recup“. Das Prinzip ist einfach: Kunden bekommen ihren Kaffee in einem Mehrweg-Becher. Den können sie auch in anderen Lokalen füllen lassen. Zurückgeben können sie die Becher bei allen Restaurants, die beim „Recup“-System mitmachen,

Ein solches System schwebt der Dehoga-Chefin des Landkreises, Monika Poschenrieder, auch für die Region vor. „Wichtig bei solchen Aktionen ist aber, dass viele mitmachen“, sagt sie. Denn ein Rückgabe-Modell, für das man jedes Mal zum selben Lokal fahren müsste, ist für viele Menschen unpraktisch. „Ich möchte das massiv bewerben und unterstützen“, sagt Poschenrieder. Je breiter aufgestellt, desto besser für Wirte und Gäste. Die EU-Regelung findet die Dehoga-Chefin gut: „Die Mengen an Müll sind nicht mehr tragbar.“ Gerade während des Lockdowns sei das Aufkommen nochmals extrem angewachsen.

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Die EU-Regelung könnte zwar für weniger Plastik und Styropor in den Mülltonnen sorgen. Papp-Verpackungen landen aber auch im Abfall. Bei einem Mehrwegsystem würde auch das wegfallen. Diese Erfahrung macht das Café Waldmann in Geretsried seit über einem Jahr – durch Zufall. „Meine Tochter hat mir ein Bild von einem Recup-Becher geschickt“, erinnert sich Jutta Waldmann. „So geht’s auch“, habe sie sich gedacht und noch am selben Tag einen Vertrag mit dem Betreiber abgeschlossen. Für viele Kunden war das System anfangs ungewohnt. „Man muss ein bisschen erklären und überzeugen“, sagt sie. Inzwischen macht der Großteil ihrer Kunden aber mit. Und die Mülleimer auf dem Karl-Lederer-Platz, wo die große Lounge von Waldmann Kuchen und Kaffee zum Mitnehmen verkauft, quillt nicht mehr regelmäßig über. „Es braucht bei solchen Aktionen einfach jemanden, der anfängt“, sagt Waldmann. Und manchmal hilft auch eine neue Verordnung.

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