Mehr Geld für mehr Aufgaben

Privatschulen im Landkreis fühlen sich vom Staat benachteiligt

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Privatschulen in Bayern klagen über eine massive Benachteiligung durch den Freistaat. Die Schulen im Landkreis möchten mehr finanzielle Unterstützung in Sachen Personal und Transport. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Privatschulen in Bayern klagen über eine massive Benachteiligung durch den Freistaat. Laut dem Präsidenten des Verbands Bayerischer Privatschulen, Bernd Dietrich, ist die Lage ernst. Die Forderung des Verbands: Der Freistaat soll den Betriebskostenzuschuss um 15 Prozent anheben.

In Bayern gibt es mehr als 1300 Privatschulen mit etwa 200.000 Schülern. Zwei davon sind die erzbischöfliche St.-Ursula-Mädchenrealschule sowie das St.-Ursula-Mädchengymnasium Schloss Hohenburg in Lenggries. 850 Schülerinnen besuchen die Einrichtungen. An die Schulen angeschlossen ist ein Tagesheim. Zum größten Teil werden die Einrichtungen vom Staat finanziert – nämlich zu 80 Prozent.

Laut Bettina Göbner von der Pressestelle des Ordinariats setzen sich die restlichen 20 Prozent aus einem „relativ moderatem“ Schulgeld – 40 Euro für elf Monate – und Zuschüssen des Erzbistums aus Kirchensteuermitteln zusammen. Letztere würden sich auf einige 100.000 Euro pro Schule und Jahr belaufen. Stagnierende Zuschüsse vom Staat, steigende Lehrergehälter: „Vor einem Jahrzehnt begann die Finanzierungslücke zu wachsen“, so die Beobachtung der Pressesprecherin. „Und das lässt sich schwer über die Haushaltsmittel des Erzbistums ausgleichen.“ Denn: Einnahmen aus der Kirchensteuer ließen sich nicht beliebig ausgeben. „Wir müssen sie sinnvoll einsetzen.“ Weil die freien Träger staatliche Bildungsaufgaben übernehmen, sei es durchaus gerechtfertigt, dass der Staat mehr zuschieße, argumentiert Göbner. Derzeit drohe zwar noch keiner Schule des Erzbistums eine Schließung, aber langfristig müsse man sich Gedanken machen. In Hamburg wurden acht katholische Schulen geschlossen.

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Auch das Max-Rill-Gymnasium im Schloss Reichersbeuern finanziert sich über staatliche Zuschüsse und Schulgeld – im Durchschnitt sind das pro Schüler etwa 600 Euro monatlich. „Fairerweise muss man sagen, dass die Zuschüsse vom Staat leicht angepasst wurden“, sagt Schulleiterin Carmen Mendez. „Aber man muss sich fragen, ob das adäquat ist.“ So stellte sich 2013 die Frage, ob die Gehälter der Lehrkräfte angehoben werden oder in die Digitalisierung investiert wird. „Wir haben die Gehaltsanpassungen ausgesetzt“, berichtet die 49-Jährige. Die Privatschule steckte stattdessen eine Viertelmillion Euro in die Glasfaserverkabelung der Schule und in Hardware.

Was Mendez sehr ärgert, ist der Umgang mit Inklusionskindern an Privatschulen. 15 Prozent der etwa 130 Schüler in Reichersbeuern leiden an Autismus oder zeigen andere soziale Auffälligkeiten. Teilweise werden die Schüler von staatlichen Schulen an das Max-Rill-Gymnasium geschickt, weil sie dort in einem kleineren Umfeld lernen können. Die Betreuung dieser Kinder erfordere mehr Fachpersonal. „Aber es ist nicht abgestimmt, wer die Kosten für die Inklusion trägt“, klagt die Schulleiterin.

„Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben“

Beim Thema Finanzen gibt man sich an der Montessorischule in Dietramszell pragmatisch. „Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben“, sagt Geschäftsführer Gero Jaegers. Auch die Montessorischule finanziert sich über staatliche Zuschüsse und das Schulgeld der knapp 300 Schüler, die die Grund- und Mittelschule im Kloster besuchen. Aktuell bezahlen Eltern maximal 300 Euro Schulgeld im Monat. Um niemanden auszuschließen, dürfe man nicht mehr Geld verlangen, sagt Jaegers. Er sieht seine Schule wie auch andere Privatschulen strukturell benachteiligt – durch die Nicht-Erhöhung der Zuschüsse für Personalkosten.

Ungerecht sei auch die finanzielle Mehrbelastung der Eltern bei den Schulwegkosten. Generell erstatteten Landratsämter nur die Kosten für den Weg bis zur nächsten vergleichbaren staatlichen Schule. Jaegers: „Wenigstens der Differenzbetrag bis zur nächsten Sprengelschule sollte bezahlt werden.“ nej

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Rubriklistenbild: © dpa / Peter Steffen

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