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Das sogenannte Kraft-Areal östlich des Wolfratshauser S-Bahnhofs. Der Eigentümer möchte auf dem Grundstück ein Einkaufszentrum bauen. Der Stadtrat hat die Netto-Verkaufsfläche auf 6500 Quadratmeter begrenzt. 

„Kritische Verkehrszunahme“

Protest gegen Einkaufszentrum auf Kraft-Areal: Grüne machen mit Flugblatt mobil

Die Wolfratshauser Grünen protestieren gegen das geplante Einkaufszentrum auf dem Kraft-Areal. Nun machen sie mit einem Flugblatt dagegen mobil, dessen Wortwahl deutlich ist.

Wolfratshausen – Im Grünen-Vorstand regt sich Protest gegen ein geplantes Großprojekt. Seit vergangener Woche werden Flugblätter verteilt, um gegen die Änderung des Bebauungsplans für das sogenannte Kraft-Areal östlich des S-Bahnhofs mobil zu machen. Hier soll ein Einkaufszentrum entstehen. Die Wortwahl des Briefes ist deutlich: „Eine kritische Verkehrszunahme“, „mehr Leerstand“ und „keinerlei Einbindung in die Umgebung“ befürchten die Grünen. Die Argumente stammen von Justyna Czajka, Sprecherin des Ortsverbands Wolfratshausen.

Maximal 6500 Quadratmeter darf die Verkaufsfläche an der Sauerlacher Straße 25 betragen. So hat es der Bauausschuss des Stadtrats beschlossen.Mit sieben zu drei Stimmen votierte er für die Änderung des Bebauungsplans. Die Fürsprecher verwiesen auf die „große Chance“, die ein Einkaufszentrum bieten würde. Auch der Wirtschaftsreferent des Stadtrats, Ex-Bürgermeister Helmut Forster, erklärte bei einem Treffen der Bürgervereinigung Wolfratshausen: „Ich bin der Meinung, dass dieses Bauvorhaben für unsere Nahversorgung sehr wichtig ist und auch mehr Leute nach Wolfratshausen bringt.“

Das Einkaufszentrum auf dem Kraft-Areal könnte Schätzungen zufolge rund 4000 Pkw pro Tag anziehen. Die Wolfratshauser Grünen-Sprecherin hält das für problematisch. „Die Staulänge an der Sauerlacher Straße könnte sich dadurch vervierfachen“, schreibt Justyna Czajka in dem Flugblatt, das aktuell in Wolfratshausen verteilt wird. „Auch im Moosbauerweg wird der Verkehr stehen.“ Sie beruft sich auf Aussagen von den Verkehrsplanern Prof. Harald Kurzak und Helmuth Ammerl.

Ein weiteres Problem treibt Czajka um: „Die Altstadt wird wahrscheinlich noch weniger Kunden haben, der Leerstand vermutlich zunehmen.“ Laut einer Analyse der Stadtentwicklungsberatung CIMA würde ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese der Innenstadt viele Kunden entziehen – zum Beispiel ein Drittel der Kaufkraft für Drogerieartikel und ein Fünftel für Schuh- und Lederwaren.

Mehr Wohnraum statt Einkaufszentrum

Werbekreis-Chefin Ingrid Schnaller äußert ebenfalls Bedenken, ist aber keine entschiedene Projektgegnerin, wie sie betont. Anders Justyna Czajka. Die Grünen-Sprecherin versteht zwar, dass „es auch Argumente dafür gibt“. Nach ihrem Dafürhalten geht die Projekt-Planung allerdings an den Bedürfnissen der Wolfratshauser vorbei. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt sie: „Es gibt, glaube ich, keinen Widerspruch, wenn ich sage, dass wir in Wolfratshausen vor allem preisgünstige Wohnungen brauchen.“ Deshalb hält sie eine andere Gestaltung des Kraft-Areals für sinnvoller und notwendiger. Sie plädiert für „einen Nahversorger auch für die Anwohner westlich der S-Bahn und im Norden“. Außerdem sei die Zentrums- und Bahnhofsnähe des Grundstücks „besonders geeignet für kostengünstiges Wohnen“.

Der Investor, der auf dem Grundstück bauen möchte, hat der Stadt zwar angekündigt, zwölf bis 16 günstige Wohnungen zu errichten. „Ein Vorstandsmitglied unserer Partei bezeichnet das recht treffend als ,Feigenblatt‘“, berichtet Czajka, die sich deutlich mehr Wohneinheiten an der zentral gelegenen Stelle wünschen würde. Es gäbe zwar viele Wohnbauprojekte in der Stadt, räumt die Grünen-Sprecherin ein. Allerdings entstünden zu oft „schicke Oasen“, also teure Wohnungen, „und nicht das, was Wolfratshausen eigentlich brauchen würde, nämlich günstige Wohnflächen“.

Weitere Gewerbeflächen, wie sie der Investor in Bahnhofsnähe schaffen möchte, hält Czajka für wenig zielführend. „An der Bahnhofstraße und in der Altstadt, also direkt in der Umgebung, stehen sehr viele Ladengeschäfte leer, einige schon seit Jahren.“ Warum man nun noch weitere Handelsflächen schaffen möchte, „und eine Wiese dafür zupflastern“, stößt bei Czajka auf Unverständnis. „Das kapiere ich nicht.“

Grünen-Sprecherin Czajka ruft die Bürger dazu auf, Einwände gegen das Vorhaben im Rathaus einzureichen. Die Frist, in der sich Bürger zur Änderung des Bebauungsplans äußern können, endet am 20. Juli.

Werbekreis-Chefin mahnt Umgestaltung der Marktstraße an

Werbekreis-Chefin und SPD-Vorstandsmitglied Ingrid Schnaller äußerte sich kürzlich ebenfalls zu den Plänen auf dem Kraft-Areal: „Wenn die Läden in der Innenstadt von dem Bauprojekt profitieren sollen, müssen noch einige Hausaufgaben gemacht werden.“ 

Bloß darauf zu hoffen, dass zwischen Marktstraße und Kraft-Areal Synergie-Effekte entstehen, hält Schnaller für „nicht zu Ende gedacht“. Sie plädiert dafür, die Kunden des Areals in Bahnhofsnähe über „einen klar ausgeschilderten und attraktiven Weg“ zu den Geschäften in der Innenstadt zu lotsen. Dazu gehöre auch die Gestaltung des Loisachufers – Pläne hierzu lägen schon seit Jahren in den Schubladen der Entscheidungsträger. 

Ein weiterer Punkt: „Im November hat der Stadtrat eine Umgestaltung der Marktstraße beschlossen.“ Konkret geht es darum, die Innenstadt komplett barrierefrei zu gestalten. „Seitdem sind Monate vergangen, in denen der Prozess noch nicht weitergeführt wurde“, kritisiert Schnaller. Insgesamt sei „noch nichts Sichtbares“ passiert, um die Innenstadt vom Projekt auf der grünen Wiese profitieren zu lassen. Die Werbekreis-Chefin ist – das betont sie – keine entschiedene Projektgegnerin. Dominik Stallein

Lesen Sie auch: In Geretsried wird gebaut – Wolfratshauser fürchten den Verkehrskollaps

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