Rathauschef Klaus Heilinglechner, Michaela und Hans-Joachim Kunstmann vor dem Rathauscafe.
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Im Moment Baustelle, ab August Anziehungspunkt? Rathauschef Klaus Heilinglechner (li.) stellt die neuen Pächter des Rathauscafés vor – Michaela und Hans-Joachim Kunstmann.

Noch wird umgebaut

Neues Leben im Rathauscafé - Pächter möchte flexibles Konzept

  • vonDominik Stallein
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Es war ein langer Weg - jetzt steht ein Pächter bereit: Hans-Joachim Kunstmann übernimmt das Rathauscafe. Er erklärte auf einer Pressekonferenz, was er genau vor hat.

Wolfratshausen – Das Café liege zentral, „es ist eine sehr präsente Immobilie“, sagte Hans-Joachim Kunstmann. Er ist gemeinsam mit seiner Ex-Frau und Geschäftspartnerin Michaela Kunstmann neuer Pächter des Rathauscafés am Loisachufer. In einer Pressekonferenz am Freitag stellte sich die Kunstmann Hotel & Food GmbH vor.

Wenn alles gut läuft – die Immobilie wird derzeit umgebaut – soll das Café im August eröffnet werden. „Dieser Termin ist anvisiert – wir starten, sobald es möglich ist“, sagte Kunstmann. Der Pachtvertrag gilt ab 1. August für vorerst zehn Jahre. „Ich mache nichts Kurzfristiges“, so Kunstmann.

Kunstmann ist ein unternehmerischer Tausendsassa

Die Kunstmann Food & Hotel GmbH ist in vielen Branchen tätig: Derzeit führt das Unternehmen das italienische Restaurant „Da Nonno“, in der Pupplinger Au. Mehrere Hotels – zwei in München, drei in Sachsen-Anhalt – mit insgesamt 60 Mitarbeitern und 650 Betten – gehören auch zum Unternehmen. Seit knapp einem Jahr lenkt der Diplom-Betriebswirt Kunstmann die Geschicke des Werbekreises. Vor einigen Monaten übernahm der ehrenamtliche Handelsrichter zudem das Weidacher Backstüberl und taufte es in „Aehrenwert“ um. Ein Verkaufswagen der Bäckerei ist regelmäßig an verschiedenen Stellen unterwegs. Zwischen der Bäckerei und dem Café setzt er auf Synergieeffekte.

Der neue Pächter hat sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt, die auf die jüngste Ausschreibung der Kommune eine Bewerbung eingereicht hatten. „Sie haben mit dem besten Konzept überzeugt“, betonte Bürgermeister Klaus Heilinglechner an die Kunstmanns gewandt. Auch der Stadtrat hatte sich mehrheitlich für das Duo entschieden.

StäWo saniert das Gebäude. Ohne den Keller.

Die StäWo Dienstleistungs-GmbH wurde von der Stadt damit beauftragt, die notwendigen Sanierungsarbeiten in dem Gebäude vorzunehmen. Wie der Rathauschef in der Pressekonferenz erläuterte, werde das Gebäude entkernt. Vor allem die WC-Anlagen und die Elektronik müssen erneuert werden – in Absprache mit dem neuen Pächterduo: „Es hat im Vorfeld einige Gespräche gegeben, die immer konstruktiv waren“, erklärte Heilinglechner. Bei den letzten Details des Umbaus habe man „immer im Miteinander“ entschieden. Eine Backstube im Keller gehört explizit nicht zu dem Plan. Die ist auch gar nicht nötig: „Wir beschäftigen im Moment schon zwei Bäcker- und zwei Konditormeister“, erklärte Michaela Kunstmann. Die Produktionsstätte ist in Dietramszell beheimatet.

Wie das Café sein soll? Gemütlich - aber nicht altbacken

Im Hinblick auf die künftige Gestaltung des Cafés gibt es Ideen. Den Geschäftspartnern schwebt eine Mischung aus Industrieoptik und Wohlfühlambiente vor: „Wir möchten eine zeitgemäße und trotzdem gemütliche Atmosphäre schaffen“, sagte Michaela Kunstmann. Der 51-Jährige schob hinterher: „Es muss nicht der Samtvorhang sein.“ Großes Augenmerk legt er auf das Beleuchtungskonzept: „Das muss flexibel sein, damit man die Stimmung verändern kann“ – und diese zu Frühstück, Nachmittagskaffee und abendlichem Aperitif gleichermaßen passt. Eine kleine Karte mit Gerichten soll auch in den Mittagsstunden Menschen ins Café locken. „Wir sind flexibel, das ist mir wichtig.“ Die neuen Pächter legen ebenfalls Wert auf Nachhaltigkeit und Regionalität: „Wir benutzen Demeter-Mehle, die keine Tausende Kilometer hinter sich gebracht haben.“ In offener Atmosphäre sollen Kunden sich davon selbst ein Bild machen können.

Ich neige nicht zum Pessimismus.“

Hans-Joachim Kunstmann

Kunstmann geht sein neues Projekt mit reichlich Optimismus an – trotz der Corona-Krise. „Es kann schon sein, dass wir eine Zeit lang draufzahlen müssen, aber wir planen nicht nur für 15 Monate.“ Wer ihn kenne, wisse: „Ich neige nicht zum Pessimismus.“ Stattdessen verfolge er ein großes Ziel, das von vielen geteilt würde. „Das Café ist für alle Beteiligten eine Herzensangelegenheit. Die Stadt möchte jemanden, der Leben hineinbringt.“ Mit Kreativität möchten die beiden Pächter das umsetzen.

Langer Weg für die Neuvergabe

Seit Mai 2019 ist das Lokal verwaist. Nach einem Rechtsstreit zwischen dem Ex-Pächter und der Stadt gab es zwar mit Rita Schmid und Barbara Schramm-Kastl ein interessiertes Pächterduo, das die Räumlichkeiten als Konditorei übernehmen wollte. Wegen der Kosten für die Kellersanierung – eine Bedingung der Pächterinnen – scheiterte deren Vorhaben jedoch. Ein Großteil des Stadtrats hatte die Kosten für die Umgestaltung der Kellerräume in eine Backstube abgelehnt. Schmid hat sich inzwischen ein neues gastronomisches Standbein geschaffen: Seit einigen Wochen führt sie das Kaffee Ratscherl in der Cafeteria der Kreisklinik Wolfratshausen.

Klaus Heilinglechner sprach bei Kunstmanns Vorstellung von „Neuvergabe, die Zweite“. Kunstmann freut’s: „Wir bekommen einen potenziellen Mittelpunkt anvertraut.“ dst

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