Künstler Dr. Walter Kuhn sowie Dr. Sybille Krafft, Justine Bittner und Wolfgang Saal mit dem Mahnblumen-Denkmal vor dem Badehaus.
+
Weihten das Mahnblumen-Denkmal ein: (v.li.) Künstler Dr. Walter Kuhn sowie Dr. Sybille Krafft, Justine Bittner und Wolfgang Saal vom Badehaus-Verein.

Trümmer-Installation vor Museum

Kunstwerk vor dem Badehaus zieht Blicke auf sich: Das sollen die Mohnblumen bedeuten

  • VonPeter Herrmann
    schließen

Trümmer und drei rote Blumen: Das Kunstwerk in Waldram ist ein Blickfang. Bei der Einweihung der Installation erklärt Künstler Dr. Walter Kuhn seine Installation.

Als ein sichtbares Zeichen der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und als Appell für den Frieden waren bis zum 8. Mai rund um das Badehaus 170 Mahnblumen zu sehen. Nach ihrem Verkauf blieb nur noch das Kunstwerk „Neues Leben aus den Trümmern“ erhalten. Es steht nun als Blickfang vor der Eingangstür.

Wir wollten kein Schild und keine Stele, sondern einen besonders sichtbaren und passenden Hinweis auf unser Badehaus

Dr. Sybille Krafft

Mit dem von Marlene Dietrich gesungenen Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ begrüßte Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft am Freitagvormittag den Münchner Künstler Dr. Walter Kuhn sowie Projektbeteiligte. „Wir wollten kein Schild und keine Stele, sondern einen besonders sichtbaren und passenden Hinweis auf unser Badehaus“, erklärte sie. Sie dankte den Vereinsmitgliedern Justine Bittner, Sarah Lex, Wolfgang Saal und André Mitschke, die fast ein halbes Jahr lang zum Erfolg der Mahnblumenaktion beigetragen hatten.

Geschaffen hat das rund 800 Kilogramm schwere Denkmal Walter Kuhn. Auf dem Betonsockel befinden sich 13 Edelstahlsegmente, in die die Jahre 1933 bis 1945 gelasert sind. „Sie symbolisieren die Zeit des Nationalsozialismus zwischen Hitlers Machtergreifung und dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als nicht nur Deutschland, sondern auch viele andere Länder in Trümmern lagen“, erläuterte Kuhn.

Im Kunstwerk findet man sogenannten „Hitlerbeton“

Wolfgang Saal verwies auf die unter den Mahnblumen aufgeschichteten Dachziegel, Mauersteine und die sogenannten Hitlerbetonbrocken. Sie stammen aus dem Jahr 1940, in dem das Badehaus für die Siedlung der in Föhrenwald beschäftigten Rüstungsarbeiter erbaut worden war. Sogar einige Reste von damaligen Zaunpfosten und Stacheldraht sind auf dem komplexen Kunstwerk zu sehen. „Aus diesem Schutthaufen ragen drei meiner Mahnblumen hervor, die am Ende von Chaos und Tod quasi den Hoffnungsschimmer bilden und an die vielen Menschen erinnern, für die das Lager Föhrenwald ein Anfang für ein neues Leben war“, sagte Kuhn.

Lesen Sie auch: Starkregen überflutet die Altstadt - trotzdem soll die Wolfratshauser Marktstraße ebenerdig gestaltet werden.

Um sein Kunstwerk zu vollenden, legte der Künstler die Reste von drei wetterfest präparierten Büchern nieder. Darunter befand sich ironischerweise auch ein lateinisches Wörterbuch. „Dieses Fach habe ich in der Schule nie gemocht“, sagte Kuhn schmunzelnd. Er dankte dem Badehausverein sowie einigen beteiligten Handwerkern für die Realisierung seiner Installation. So hatte beispielsweise die Bauleiterin der Firma Krämmel, Martina Noll, das Gießen des Betonsockels beaufsichtigt, und der Geretsrieder Schlosser Peter Wagner hatte die eisernen Blumenstängel gebogen. ph

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare