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Reichlich Alkohol im Spiel war bei der Auseinandersetzung zweier Nachbarn.

40-Jähriger angeklagt

Saufgelage endet blutig - und vor Gericht

  • vonRudi Stallein
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Ein 40-jähriger Wolfratshauser musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Wolfratshausen Zwei Wolfratshauser kamen kurz nacheinander mit blutverschmierten Gesichtern ins Krankenhaus. Was an jenem Abend im November vorigen Jahres passiert war, daran konnte sich keiner der beiden erinnern. Am Montag trafen sich die Wohnungsnachbarn vor dem Wolfratshauser Amtsgericht wieder. Der eine, ein selbständiger Elektromeister (64), nahm auf dem Zeugenstuhl Platz. Auf der Anklagebank saß ein 40-jähriger Arbeitsloser. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Am 11. November 2019 gegen 21.30 Uhr soll der 40-Jährige seinen Nachbarn während eines Saufgelages mit beiden Händen am Hals gepackt und gewürgt haben.

Die Aufarbeitung des Geschehens gestaltete sich vor Gericht zäh. Beide Männer konnten auch acht Monate nach dem Vorfall nur wiedergeben, was ihnen von Mitbewohnern erzählt worden war. Er habe ab Mittag durchgehend getrunken, „so an die 20 Bier“, sagte der Angeklagte. Am Abend habe sich der Nachbar dazugesellt. „Dann haben wir auch Schnaps gesoffen – und Rum. Dann gings los“, so der Beschuldigte. Die weitere Erinnerung fiel einem Filmriss zum Opfer – bis er im Krankenhaus aufgewacht sei. Dort musste ihm eine stark blutende Platzwunde am Kopf geklammert werden.

Bei seinem Kompagnon waren Einblutungen in den Augen festgestellt worden – ein Indiz dafür, dass er tatsächlich gewürgt worden war. Das bestätigten der Sohn des Geschädigten sowie dessen Freund. Die zwei waren von der Ehefrau des Angeklagten zu Hilfe gerufen worden, als sich die beiden Männer im Suff in die Haare geraten waren. „Es sah aus wie in einem Schlachthaus“, beschrieb der Junior recht drastisch die Szene, als er das Wohnzimmer betrat. Der Tisch war umgeschmissen, beide Männer waren blutverschmiert. Der Angeklagte habe auf seinem Vater gekniet und ihn gewürgt.

Der Sohn beendete den Kampf. Ob er den Beschuldigten mit den bloßen Händen vom Vater wegzog, oder ihn mit einem Brecheisen bearbeitete – wofür Hämatome am Rücken des Angeklagten sprechen würden –, ist Gegenstand eines eigenen Verfahrens, das erst in einigen Wochen verhandelt wird. Deshalb musste sich der Zeuge dazu nicht äußern.

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Täter wie Opfer waren zur Tatzeit ziemlich betrunken: Eine Gutachterin errechnete für den Angeklagten mehr als drei Promille. Der Geschädigte hatte etwas über zwei Promille.

Richter Helmut Berger verurteilte den mehrfach vorbestraften und Haft-erfahrenen Wolfratshauser zu sieben Monaten Gefängnis auf Bewährung. Als Auflage muss der Verurteilte 120 Stunden Sozialdienst leisten und mit der Caritas drei Gespräche zur Erstellung eines Behandlungs- oder Therapieplans führen. Der Angeklagte nahm das Urteil an. 

rst

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