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Hitze und Dürre gehört zum Klima der Zukunft. Das steht schon jetzt fest.

Akuter Handlungsbedarf in Wolfratshausen

Klimanotstand: Grünen-Stadtrat schreibt Brandbrief an Bürgermeister

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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Wird über Corona die Klimakrise vergessen? Diese Gefahr sieht Dr. Hans Schmidt von den Wolfratshauser Grünen - und hat deswegen Bürgermeister Klaus Heilinglechner geschrieben.

Wolfratshausen – Der Sprecher des Grünen-Ortsverbands, Stadtrat Dr. Hans Schmidt, wird des Mahnens nicht müde. Angesichts von „Rekordtemperaturen“ sieht Schmidt den „Kipppunkt, der einen Temperatursprung auslöst“, bald erreicht. „Wir haben eigentlich keinen Tag mehr zu verlieren“, stellt der Ingenieur im Ruhestand in einer E-Mail an Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) sowie alle Stadträte fest. Betreffzeile: „Klimakrise ist jetzt und bedroht unsere Zivilisation.“ Schmidt fordert, dass sämtliches Handeln der Kommune das Ziel haben muss, den Klimawandel zu stoppen.

Schmidt sieht den Kipp-Punkt kommen

Vor gut einem Jahr hat der Stadtrat wie berichtet mehrheitlich den Klimanotstand ausgerufen. Den Antrag hatten CSU, SPD und Grüne gestellt. Mitte September 2019 erklärte das Gremium „die Eindämmung der Klimakrise und ihrer schwerwiegenden Folgen als Aufgabe von höchster Priorität“. Alle Beschlüsse müssen seither hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Klima und der Möglichkeit, CO2 einzusparen, abgeklopft werden. Die Kommune werde „aktiv auf allen Ebenen“ für die Einhaltung des Maximalwertes von 1,5 Grad Celsius für die Erderwärmung werben, so steht’s im Beschluss. Und der Rat verabschiedete einen Maßnahmenkatalog, der unter anderem die klimaneutrale Energieversorgung von Neubauten, ein Mobilitätsmanagement für die gesamte Stadt, die Schaffung von Alternativen zum Individualverkehr und ein Energiemanagement für städtische Gebäude.

Dr. Hans Schmidt Grünen-Stadtrat und Mitglied der Arbeitsgruppe „Klimanotstand“.

Kaum war der Klimanotstand proklamiert, brach das Coronavirus aus. Nicht zuletzt mit schweren wirtschaftlichen Folgen für die Kommunen, sprich sinkenden Gewerbesteuereinnahmen. Für Schmidt darf das keine Ausrede sein: „Alle anderen Fraktionen haben nur die Haushaltsberatungen vor Augen und verschließen die Augen vor den Folgen der Klimakrise. Sie haben zwar den Klimanotstand ausgerufen, aber wenn es darum geht, Kosten zu genehmigen, sind ihnen kurzfristige kostengünstige Lösungen wichtiger als die langfristige Sicherung unserer Lebensgrundlagen“, monierte er dieser Tage im Bauausschuss. Nun legt Schmidt mit seinem elektronischen Brandbrief an Bürgermeister und Ratskollegen nach: „Wir müssen handeln“, lautet sein Appell. Denn „schon 2050, also ein Jahr, das die meisten von uns noch erleben werden, werden 31 Länder unbewohnbar sein und eine Milliarde Menschen müssen umgesiedelt werden.“

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Schmidt plädiert dafür, dass für alle kommunalen Bauten künftig Holz verwendet wird, kein Beton. Privaten Bauherren solle „dringend“ empfohlen werden, mit Holz zu bauen. Darüber hinaus kann sich Schmidt vorstellen, durch entsprechende Impulse/Aktivitäten Wolfratshausen zur „Solarstadt“ zu machen oder den Wettbewerb „Wolfratshausen wird Recycling-Champion“ ins Leben zu rufen.

„In tiefer Sorge, Hans.“

Bei der städtischen Verkehrspolitik müsse dem Öffentlichen Personennahverkehr, den Radfahrern und Fußgängern „absolute Priorität“ eingeräumt werden. Parkplätze und das Motto „Freie Fahrt für Autos“ sind für den Sprecher der Wolfratshauser Grünen aus der Zeit gefallen. Darüber hinaus sollte der Einbau von „CO2-neutralen Heizungen“ für alle städtischen Gebäude zur Pflicht werden, analog müsste dies privaten Immobilieneigentümern mit Nachdruck ans Herz gelegt werden. Nicht fehlen dürfe eine „Information der Stadtgesellschaft“, das heißt, die Bürger müssten zur Eindämmung der Klimakrise mit ins Boot geholt werden. Schmidts Mail endet mit der Grußformel: „In tiefer Sorge, Hans.“ (cce)

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