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Schmökern in Erinnerungen: In den 70 Jahren ihrer Mitgliedschaft beim Trachtenverein „D’Loiachtaler“ haben Liesl und Karl Hoffmann einiges erlebt. Die schönsten Bilder aus ihrer äußerst aktiven Zeit bewahren sie in einem Fotoalbum auf.

Gebirgstrachten-Erhaltungsverein „D’Loisachtaler“

Der Vorplattler und sein Deandl

Wolfratshausen - Ein Paar, ein Verein: Seit 70 Jahren halten Elisabeth und Konrad Hoffmann dem Gebirgstrachten-Erhaltungsverein „D’Loisachtaler“ die Treue. Die beiden haben sich dort kennengelernt und fühlen sich den Trachtlern auch im hohen Alter von 87 und 88 Jahren verbunden.

„Er war so ein guter Tänzer“ sagt Elisabeth, genannt Liesl, Hoffmann über den damals 18-jährigen Konrad. Als Bub lernte dieser bereits die ersten Schritte in der Jugendgruppe der 1904 gegründeten Loisachtaler. Nach der Zwangspause des Vereins während des Krieges trat er im Oktober 1945 erneut bei. „Damals gab es kaum Freizeitvergnügungen und auch noch nicht so viele Vereine“, sagt der heute 88-Jährige. Erst nach und nach wurden der Alpenverein, die Naturfreunde und Kolping wiederbelebt.

Das Tanzen und Schuhplatteln sei vor allem bei den Jungen beliebt gewesen. Allerdings habe man aufpassen müssen, dass man die Sperrstunde zwischen 22 und sechs Uhr einhielt. „Wurde man von einem amerikanischen Jeep nachts auf der Straße erwischt, musste man im Gefängnis schlafen“, erzählt Konrad Hoffmann. Im Februar 1946 wurde er bei der ersten Versammlung nach dem Krieg offiziell in den Verein aufgenommen. So leicht wurde man das nicht, erinnert er sich: „Die Anwärter brauchten einen guten Leumund, und während der Abstimmung mussten sie vor die Tür gehen.“ Wenige Monate später kam Elisabeth Angermaier zum Verein. Sie war 17 Jahre alt, und dem jungen Konrad fiel gleich auf, dass auch sie sehr gut tanzte. Ein paar Mal brachte der Kavalier sie nach den Proben nach Hause, bis es schließlich zwischen den beiden funkte.

Ein fesches Paar: Liesl und Karl Hofmann in ihrer Miesbacher Tracht beim Preisplatteln 1961 in Thanning.

Mit einem Heimatabend traten „D’Loisachtaler“ im August 1946 erstmals wieder an die Öffentlichkeit. Bevor die Trachtler jedoch die Turnhalle benutzen konnten, mussten sie diese vom Pferdemist reinigen. Die Amerikaner hatten das Gebäude als Reitstall verwendet. Als Wolfratshausen das Gaufest 1948 ausrichtete, war Konrad Hoffmann bereits zweiter Vorplattler. Zusammen mit Liesl erlebte er eine sehr aktive Zeit mit zahlreichen Wettbewerben. Zum Preisplatteln reisten die Loisachtaler unter anderem nach Allach, Penzberg und Bad Tölz. Das Ehepaar Hoffmann erinnert sich: „Nach Tölz ist unsere Gruppe einmal geradelt. Die Frauen hielten die Enden ihrer langen Röcke am Lenkrad fest, damit der Stoff nicht in die Speichen geriet. Zehn Minuten vor Turnierstart kamen wir an – gut aufgewärmt, so dass wir gleich den ersten Platz machten.“

1949 heirateten der Schlosser und die Schneiderin. Die Hoffmanns bekamen drei Kinder. Diese wuchsen mit der Begeisterung der Eltern fürs Tanzen auf. Jedoch erbte nur Tochter Ruth die Leidenschaft. 30 Jahre lang unterrichtete Konrad Hoffmann die Jüngeren als Vorplattler im Landlertanzen und Schuhplatteln. „Man muss körperlich fit sein und sehr präzise“, erklärt er. Die Schritte und das Klopfen auf Schenkel, Knie und Fußsohlen müssten genau zur Musik passen, kein Strumpf dürfe verrutschen. Seine Hirschlederne rieb Konrad Hoffmann mit Bier ein: „Damit sie Schlag hat.“ Das Deandl, so erklärt seine Ehefrau, dürfe aus einem bestimmten Kreis nicht heraustreten, der Rock nicht in sich zusammenfallen. „Man muss sich also mit hoher Geschwindigkeit drehen. So lange, bis einen der Mann wieder einfängt.“

1984 wurde dem engagierten Vereinsmitglied Liesl Hoffmann eine besondere Ehre zu Teil: Sie wurde zur Fahnenmutter gewählt. Die neue Vereinsfahne war von den Franziskanerinnen im Kloster Aiterhofen genäht worden und wurde feierlich an der Floßlände geweiht. Bis heute ist Hoffmann Fahnenmutter. Die wertvolle Fahne wird in einer Vitrine im Vereinsheim am Hans-Urmiller-Ring verwahrt.

Bis zum Alter von etwa 70 Jahren tanzten die auch sonst sehr sportlichen Hoffmanns mit den Aktiven. Von da an nahmen sie nur noch an geselligen Veranstaltungen teil. Die Tanzerei und das Vereinsleben mit seinen Ausflügen, Theaterabenden und Festen haben die 87-Jährige und den 88-Jährigen lange fit gehalten. Heute lassen sie es krankheitsbedingt etwas ruhiger angehen. Doch zur Ehrung für 70 Jahre aktive Mitgliedschaft und ehrenamtliche Tätigkeit im Verein kamen sie kürzlich in ihrer schönen Miesbacher Tracht ins Vereinsheim.

Die Geehrten wünschen sich, dass „unsere schöne bayerische Kultur weiterhin von den Trachtlern gepflegt und bewahrt werden möge“, getreu dem Vereinsspruch: „Sitt’ und Brauch der Alten wollen wir erhalten.“

Tanja Lühr

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