Eine alte Frau
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Ein Seniorenwohnheim in Wolfratshausen: Das war der Plan zweier Unternehmer - der Bauausschuss lehnte ab

Kritik an Planern

Wohnen im Alter: Seniorenwohnheim in Wolfratshausen einstimmig abgelehnt

  • VonDominik Stallein
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Im Wolfratshauser Gewerbegebiet wollten Unternehmer ein Seniorenwohnheim bauen. Der Plan fiel wegen vieler Mängel durch. Jetzt suchen sie einen neuen Standort.

Wolfratshausen – Eigentlich waren die Planer optimistisch. Der Bauausschuss des Stadtrats aber senkte geschlossen den Daumen mit Blick auf eine Bebauungsplanänderung: An der Geltinger Straße wird kein Seniorenwohnheim entstehen. Und: Das Vorgehen der Antragssteller – ein neu gegründetes Wolfratshauser Unternehmen – sorgte im Fachausschuss für Unmut.

Wolfratshausen: Seniorenheim am Gewerbegebiet abgelehnt - Kritik an Planern: Vorgehen „Mutig, aber nicht clever“

Eigentlich sollte der Bauausschuss bereits vor der Sommerpause über eine Voranfrage entscheiden. Kurz vor der Sitzung zog die Projektfirma diesen aber zurück – er wurde also nie öffentlich diskutiert. Die Bauwerber beschritten stattdessen den Weg in die Öffentlichkeit und stellten das Vorhaben unserer Zeitung vor. Auf dem Areal zwischen Tanzschule Müller und einem Verlagsgebäude an der Geltinger Straße wollte das Unternehmen ein Seniorenwohnheim mit bis zu 70 Zimmern errichten. „Der Bedarf ist riesig“, so Projektleiter Jakob Rottmann. Er äußerte sich seinerzeit optimistisch: „Die Resonanz aus der Politik war positiv.“

Ein Seniorenwohnheim wollten Jakob Rottmann (li.) und Christoph Marklstorfer an der Geltinger Straße errichten. Doch daraus wird nichts.

Im Bauausschuss klang die Bewertung des ambitionierten Projekts anders. Die Fläche an der Geltinger Straße ist ein Sondergebiet „Freizeit und Erholung“. Wohnbebauung wie ein Seniorenheim ist dort de jure nicht möglich. Die Eigentümer wollten deshalb eine Umwidmung des Areals erreichen. Der Bauausschuss lehnte das einstimmig ab und übte Kritik am Vorgehen der Projektfirma.

Seniorenheim: Planer wollten Stimmung erzeugen - dafür hagelt es Kritik

Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) konnte dem Plan der Unternehmer, „ein öffentliches Stimmungsbild über mediale Aufmerksamkeit zu schaffen“, nicht viel abgewinnen. „Das ist mutig, aber nicht clever.“ Aus sachlicher und fachlicher Sicht werde seine Fraktion den Antrag ablehnen.

Wie die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage betonte, barg der Antrag nämlich einige Probleme: Im Gewerbegebiet bestünden beispielsweise keine erweiterten Emissionsbegrenzungen. Die Zulassung einer „lärmempfindlichen Nutzung wie sie ein Seniorenwohnheim darstellt, wird zu erheblichen abwägungsrechtlichen Problemen führen“. Die Höhenentwicklung auf dem Grundstück widerspräche dem bisherigen Vorgehen der Stadt. Die Stellplatz-Planungen, Abstandsflächen und eine Überschreitung der Grundfläche führte die Verwaltung ebenfalls an. Viele Gründe also, die gegen den Plan sprechen.

Wohnen im Gewerbegebiet Wolfratshausen ist nicht erlaubt - und es gibt weitere Mängel

Die Bewertung des Fachgremiums fiel deutlich aus. Josef Praller, Fraktionssprecher der Bürgervereinigung, sah den anvisierten Platz nicht für ein solches Projekt geeignet. „Wir sind froh, wenn mehr Seniorenwohnungen entstehen“, sagte er. „Aber nicht an dieser Stelle, in dieser Art und Weise und mit dieser Massivität.“ Grünen-Rat Dr. Hans Schmidt betonte, dass er „nicht die grundsätzliche Idee“ ablehnen wolle. Aber: „Wir können den Vorschlägen nicht einfach zustimmen.“ Zu vieles spräche dagegen. Schmidt regte an, die Entscheidung zu verschieben und vorher das Gespräch mit den Antragsstellern zu suchen – möglicherweise sogar im Gremium. Dieser Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe.

Seniorenheim-Planer sind enttäuscht und suchen neuen Standort

Am Tag nach dem einstimmigen Nein meldete sich Christoph Marklstorfer, einer der beiden Gründer der Projektfirma, gegenüber unserer Zeitung zu Wort. Von der Entscheidung sei das Duo „überrascht“ und bedauere sehr, „dass wir die vielen generationsübergreifend positiven Stimmen aus der Bevölkerung enttäuschen müssen“.

Die zwei Unternehmer halten das Grundstück weiterhin für „prädestiniert“. Aber: „Wir respektieren das eindeutige Votum“, so Marklstorfer. „Wir werden unser Herzensprojekt in einer anderen Gemeinde weiter verfolgen.“ Für die Geltinger Straße würde ein neues Gebäude geplant. „Wir werden uns an den rechtskräftigen Bebauungsplan halten.“

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