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„Die Arbeit macht mir wirklich sehr viel Spaß“: Dr. Stefan Werner ist der erste Stadtmanager, den die Kommune einstellte. Der 38-Jährige arbeitet seit Februar 2018 für die Flößerstadt.

Dr. Stefan Werner steht unserer Zeitung Rede und Antwort

Wolfratshausen: Das sind für den Stadtmanager die drängendsten Aufgaben

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Seit Februar 2018 hat Wolfratshausen einen Stadtmanager. Im Interview mit unserer Zeitung sagt Dr. Stefan Werner, dass die Kommune vor großen Herausforderungen steht.

Wolfratshausen Der gebürtige Münchner Dr. Stefan Werner ist der erste Stadtmanager, der zum Wohle der Flößerstadt wirkt. Im Februar 2018 nahm Werner, der sich als Bindeglied zwischen Verwaltung, Unternehmern und Bürgern versteht, seine Arbeit im Rathaus auf. Mittlerweile ist seine Stelle wie berichtet entfristet worden. Unsere Zeitung sprach mit dem 38-jährigen Leiter der Stabsstelle Stadtmanagement, Kultur, Wirtschaft und Tourismus, der mit seiner Familie in Schäftlarn lebt.

Herr Dr. Werner, wie gefällt Ihnen Wolfratshausen?

Je länger ich hier bin, immer besser. Die Arbeit macht mir wirklich sehr viel Spaß. Für mich in meiner Funktion ist es zentral, dass stabile Partnerschaften aufgebaut werden – und das gelingt.

Was ist Ihnen in Wolfratshausen seit ihrem Arbeitsbeginn im Februar 2018 besonders aufgefallen?

Die Menschen, die positiv eingestellt sind. Das heißt, das Veränderungen, die erarbeitet werden, von vielen Bürgern mitgetragen werden. Natürlich gefällt mir die tolle topografische Lage von Wolfratshausen, der Bergwald, die Loisach, die Nähe zur Isar. Wenn ich morgens mit der S-Bahn von Schäftlarn nach Wolfratshausen fahre, sehe ich das herrliche Bergpanorama und das Naturschutzgebiet – da geht mir das Herz auf. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können und das wir in Szene setzen müssen. Mir gefällt auch äußerst gut, dass Wolfratshausen über viele, viele kleine Geschäfte und Dienstleistungsangebote verfügt. Und wir arbeiten seit vergangenem Jahr intensiv daran, dieses Angebot nach und nach immer besser darzustellen. Ich habe den Eindruck: Hier hat bereits eine gewisse Dynamik eingesetzt.

Mit Verlaub: Es sind unterm Strich dieselben Geschäfte, die es gab, als Sie im Februar 2018 Ihren Job antraten...

Es sind auch Geschäfte dazugekommen. Zum Beispiel die Galerie „Handg’macht“ in der Altstadt. Drei Unternehmerinnen unter einem Dach, die weitere Unternehmer in ihr Ladenkonzept integriert haben.

Es gibt aber auch Leerstand...

...das kann man nicht wegdiskutieren. Aber die Stadt schafft positive Rahmenbedingungen. Dazu zählt vor allem die städtebauliche Aufwertung der Altstadt. Den Weg, der mit dem Bürgerbeteiligungsprozess im November 2018 begann, müssen alle zusammen konsequent weitergehen. Im Kern sind’s die Aufwertung der Marktstraße, die Schaffung von Ersatzparkplätzen im Innenstadtbereich sowie die Neugestaltung des westlichen Loisachufers.

Wie sieht die Zeitschiene aus?

Wie Sie wissen, hat der Stadtrat im Mai die Vergabe von Planungsleistungen für die Aufwertung der Marktstraße in Form eines europaweiten Verhandlungsverfahrens beschlossen. Das Ergebnis der Vorentwurfsplanung soll im Juni 2020 dem Stadtrat vorgelegt werden. Dann folgt die Entwurfs- und Ausführungsplanung, läuft alles glatt, könnte mit den Arbeiten voraussichtlich im Frühjahr 2022 begonnen werden.

Also Ruhe bewahren und Sicherheit ausstrahlen?

Wir müssen daran jetzt festhalten und dranbleiben, denn die städtebauliche Aufwertung ist das derzeit wichtigste Projekt für die Stadt Wolfratshausen. In meiner Funktion ist es mir ein Kernanliegen, diesen Prozess nach Kräften zu unterstützen. Aber: Das letztendliche Ergebnis ist Gegenstand eines nun vor uns liegenden Aushandlungsprozesses. Ich bin der, der Vertrauensarbeit leistet, um das Verfahren so gut wie möglich mitzugestalten.

Nicht alle Wolfratshauser, auch nicht alle Stadträte, sind mit dem Ergebnis des Bürgerbeteiligungsprozesses glücklich.

Es gibt immer kritische Stimmen. Der offene Austausch von unterschiedlichen Meinungen war Sinn der Übung: Alles sollte so transparent wie möglich miteinander diskutiert werden. Das schafft am Ende die größtmögliche Akzeptanz des Vorhabens und ermöglicht es allen Beteiligten, die gesteckten Ziele zu erreichen und sie, wenn nötig, zu verteidigen. Eine weitere Errungenschaft der Bürgerbeteiligung ist die ganzheitliche Betrachtung der Aufwertung der Altstadt. Nur ein Beispiel: Sollten wir uns an strittigen Einzelfragen aufhängen, wie beispielsweise die angedachte Verlegung des Marienbrunnens, können wir uns immer wieder auf die Wichtigkeit des Gesamtziels der ganzheitlichen städtebaulichen Aufwertung zurückbesinnen und erklären: Warum ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Projekte so wichtig? Mehr Aufenthaltsqualität in der Altstadt, die Neugestaltung des westlichen Loisachufers, die Schaffung von zusätzlichen Parkplätzen am Rande der Altstadt: Das Ganze hängt zusammen, das eine ohne das andere wird möglicherweise nicht funktionieren.
  Eine Blockade des gesamten Prozesses aufgrund einer isolierten Betrachtung von Einzelfragen kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Dies müssen wir alle umsichtig im Blick behalten und bei Bedarf ansprechen.

Ist der Prozess bis heute in Ihren Augen gut gelaufen?

Er ist sehr, sehr gut gelaufen. Es ist viel erreicht worden, die Politik und die Stadtverwaltung haben sich bei den Bürgern viel Vertrauen erarbeitet. Ich darf sagen: So weit waren wir in Wolfratshausen in puncto städtebaulicher Aufwertung der Altstadt noch nie. Aber wir dürfen das Vertrauen jetzt nicht verspielen.

Das heißt?

Noch einmal: Wir müssen unseren Weg konsequent weitergehen. Dann können wir – nennen wir es mal den Sanierungsstau – zeitnah auflösen, können den Gordischen Knoten durchschlagen. Senden wir weiterhin positive Signale, dann werden potenzielle Investoren darauf aufmerksam, dass in Wolfratshausen gerade etwas entsteht. Und die Unternehmer in der Stadt fassen neuen Mut, die eine oder andere Investition schon jetzt zu tätigen.

Der Standort Wolfratshausen ist nach Ihrer Einschätzung...

...ein enorm attraktiver Standort. Schon aufgrund seiner topografischen Lage und des hohen Freizeitwerts. Es gibt nach wie vor zahlreiche Anfragen von Unternehmen, die sich hier ansiedeln möchten, doch Wolfratshausen verfügt über nur sehr wenige Gewerbeflächen. Die Situation hat sich aber ein wenig verbessert, da es durch eine Bebauungsplanänderung nun möglich ist, im Gewerbegebiet sechsgeschossig zu bauen beziehungsweise den Altbestand aufzustocken. Es gibt einige Unternehmen, die sich diesbezüglich Konzepte überlegen, das wird Chancen für neue Nutzungen eröffnen.

Es gibt ja noch potenzielle Gewerbeflächen. Plädieren Sie als Wirtschaftsförderer für die Ausweisung dieser städtischen Grundstücke?

Ich glaube, dass es im Bestand, in unserem Gewerbegebiet am Hans-Urmiller-Ring und an der Pfaffenrieder Straße viel Entwicklungspotenzial gibt. Wir sollten uns auf die Qualität des Gewerbes konzentrieren und sehr vorsichtig bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen sein.

Was heißt „auf die Qualität konzentrieren“?

Wir müssen uns um unseren sehr soliden Unternehmensbestand kümmern. Wir müssen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen – und die Rahmenbedingungen, die eine Weiterentwicklung eines Unternehmens attraktiv machen. Ich stehe allen Unternehmern gerne zur Verfügung, solche Dinge mal gemeinsam zu durchdenken.

Die Unternehmervereinigung Wolfratshausen pocht seit Jahren auf der Ausweisung neuer Gewerbeflächen.

Ich denke, dass die Stadt derzeit vor sehr großen Herausforderungen steht. Wir sollten jetzt nicht vorschnell handeln. Das ist auch der Tenor im Stadtrat. Natürlich hat die Kommune ein paar Flächen, die eventuell einmal umgewidmet werden könnten. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass man die Flächen eines Tages für etwas anderes als Gewerbe nutzen möchte. Doch aktuell stehen wirklich viel wichtigere Dinge an, sonst laufen wir Gefahr, dass wir uns verzetteln. Was glauben Sie, was es bedeutet, die ganze Altstadt umzukrempeln? Die Dimension dieses Projekts haben viele noch nicht erfasst. Nicht zu vergessen das Thema Verkehr, das Wolfratshausen gemeinsam mit Geretsried angehen muss. Wir dürfen im Moment den Fokus nicht verlieren. Wenn wir die städtebauliche Aufwertung der Altstadt nicht vorantreiben, wird die Besucherfrequenz weiter sinken. Und das wäre dramatisch.

Noch ein Wort zum Abbruch des ehemaligen Isar-Kaufhauses und dem geplanten Neubau eines Geschäfts- und Wohnhauses an der Stelle. Was sagen Sie als Stadtmanager zur aktuellen Entwicklung?

Ich bedauere den momentanen Stopp der Abrissarbeiten und die damit verbundene Verzögerung sehr. Ich hoffe, dass die aktuell laufenden gerichtlichen Auseinandersetzungen bald geklärt sind und dieses für unsere Stadt sehr wichtige Bauvorhaben schnell fortgesetzt werden kann.

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