Kristina Tschamler, Bufdi im Badehaus
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Nimmt viele Erinnerungen mit: Kristina Tschamler hat den Bundesfreiwilligendienst im Badehaus beendet.

Persönliche Schicksale haben sie „gepackt“

So blickt Kristina Tschamler auf ihr Bufdi-Jahr im Badehaus zurück

Einen völlig neuen Bezug zur Geschichte hat Kristina Tschamler als Bufdi im Badehaus gewonnen. Jetzt sieht sie die Menschen und deren Schicksale.

Wolfratshausen – Geschichtsunterricht kann ganz schön öde sein. Das dachte sich auch Kristina Tschamler während ihrer Schulzeit. Ihr Blick auf historische Zusammenhänge hat sich aber im vergangenen Jahr gravierend gewandelt: Die 19-jährige Eurasburgerin arbeitete ein Jahr lang als Bundesfreiwillige (Bufdi) im Erinnerungsort Badehaus am Kolpingplatz in Waldram – und ist längst gefesselt von der Geschichte des Ortes.

Geschichte: Das sind nicht nur Jahreszahlen

Was sie von ihrem Einsatz mitnimmt? Dass hinter jeder Epoche Menschen und deren persönliche Geschichten stehen. „Mich haben vor allem die Einzelschicksale gepackt“, sagt sie, „die Personen hinter den Gegenständen und den Orten. Zu erfahren, was diese Menschen erlebt haben und wie das ihren Blick auf die Welt verändert hat.“ Dies sei auch lehrreich für den Alltag: „Ich glaube, man wird empathischer und sensibler, wenn man sich so mit Schicksalen auseinandersetzt.“ Wenn sie jetzt fremde Menschen auf der Straße sehe, ertappe sie sich regelmäßig bei der Frage: „Was haben diese Menschen alles erlebt?“

Was haben diese Menschen alles erlebt?

Im Badehaus liege der Fokus viel mehr auf Persönlichkeiten als in Galerien mit Hunderten Exponaten und verstaubter, trockener Kost. Eine Besonderheit sei zudem, dass einige Zeitzeugen noch leben und das Museum mitgestalten. Sie erlebten das Lager für Displaced Persons, aus dem der Ortsteil erwuchs, mit. Als Tschamler in Waldram arbeitete, „standen Menschen aus Hamburg und Berlin vor mir und haben mir erzählt, was sie mit diesem Ort verbindet“. Das sei dann schon mal emotional geworden, räumt die 19-Jährige ein. „Die Arbeit mit der Historie, die hier gemacht wird, ist etwas völlig anderes, als den Klausurstoff für Prüfungen in der Schule abzuklappern“, meint Tschamler. „Man kann die Geschichten fühlen, nicht bloß wiedergeben.“

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Ihr einjähriges Engagement beinhaltete natürlich mehr als das reine Studium spannender Lebensläufe. Tschamler lernte die Büro-Organisation, die Koordinierung von Veranstaltungen und die Vereinsarbeit kennen. Dinge, die ihr nun auf der nächsten Station ihrer Karriere helfen: Die 19-Jährige trat im September eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement in einer großen Geretsrieder Firma an.

Auch wenn ihr freiwilliges Jahr vorbei ist, schaut Tschamler noch regelmäßig am Erinnerungsort vorbei. Und manchmal, wenn sie Glück hat, entdeckt sie ein Schicksal, von dem sie noch nicht gehört hat – und ihre neu gewonnene Lust an der Geschichte ist geweckt. Dominik Stallein

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