Märchenwald Wolfratshausen, Oachkatzlbahn
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Mit Maske im Märchenwald: Der Freizeitpark in Wolfratshausen hat die Saison bis 8. November verlängert.

Umfrage bei Eisdielen, Bädern und Freizeiteinrichtungen

Das ist die Bilanz des denkwürdigen Corona-Sommers

Erst der Lockdown, dann viel Regen: Die Saison 2020 war schwierig. Wir haben uns bei Eisdielen, Bädern und Freizeiteinrichtungen nach ihrer Bilanz erkundigt.

  • Das Jahr 2020 war ein absolutes Ausnahmejahr.
  • Gastronomen und Freizeitparks hatten zu kämpfen.
  • Viele sind froh, dass sie es irgendwie überstanden haben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Das war eine schwierige Saison, ganz klar“, sagt Maurizio Faganello, Inhaber des Eiscafés Cristallo in Wolfratshausen. Nachdem sein Geschäft von März bis Ende Mai wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben musste, sei es danach nur mehr „um Schadensbegrenzung“ gegangen. Über 50 Jahre habe sein Vater die Eisdiele an der Marktstraße betrieben, seit über 30 Jahren mache er es selber, sagt Faganello: „So etwas wie heuer haben wir noch nie erlebt.“

Maurizio Faganello, Inhaber des Eiscafe Cristallo

Zum Glück sei der Sommer nach dem regnerischen Juni doch noch schön geworden, sodass der Straßen-Eisverkauf gut gelaufen sei. Auch die Tische im Freien – wegen der Abstandsregeln leider um die Hälfte reduziert – seien gut besetzt gewesen. Faganello hat jedoch festgestellt, „dass die Leute aus Angst vor einer Ansteckung nicht gerne drinnen sitzen“. Der Winter könnte also hart werden. Der Italiener, der das Geschehen in seinem Heimatland im Frühjahr mit großer Sorge beobachtete, sagt trotz allem: „Es kann nicht immer nur bergauf gehen. Jeder Gastronom, der die Krise bisher überstanden hat, kann sich glücklich schätzen.“

Gabi Amodio, deren Familie in Geretsried das Eiscafé Roma zusammen mit dem benachbarten Restaurant Italy betreibt, hatte ebenfalls den Eindruck, dass die Gäste lieber draußen ihr Eis schleckten oder ihren Cappuccino tranken. Lust auf die leckeren Sorten wie Feige oder Kinderüberraschung hätten die Leute vor allem in den Sommerferien gehabt. „Ich glaube, dass viele heuer nicht in den Urlaub gefahren sind und es sich zuhause gemütlich gemacht haben“, sagt Amodio. In Anbetracht der Umstände sei der Eisverkauf zufriedenstellend gewesen, wenn auch nicht vergleichbar mit dem vom Vorjahr.

Am Bibisee ist der Badebetrieb eingestellt, Rutsche und Kiosk sind geschlossen. Betreiber Marko Buric ist mit einem blauen Auge davongekommen. Die Saison 2020 sei unterm Strich erfreulich gewesen, sagt er. „Ich habe viele Einheimische, aber auch Urlauber aus dem Norden Deutschlands am Kiosk bedient.“ Allen Badegästen spricht er ein Lob aus: Sie hätten die Abstandsregeln sehr diszipliniert eingehalten. Es sei zu keinerlei Zwischenfällen gekommen.

Verlängert wird die Saison um drei Wochen im Wolfratshauser Märchenwald. Wie Daniel Diessl berichtet, bleibt der Freizeitpark heuer bis 8. November, also bis nach den Herbstferien, geöffnet. Auch dem Ehepaar Diessl fehlen in diesem Jahr zwei komplette Monate. Im Juli seien dann die Kindergärten und Schulklassen ausgeblieben, die sonst immer kämen, sagt der Inhaber. Über das Geschäft im August und September könne er sich nicht beklagen. Allerdings habe er nur die Hälfte der Besucher einlassen dürfen. Als Konsequenz aus dem insgesamt schlechten Jahr will Diessl für 2021 geplante Sanierungsarbeiten wie das neue Frau-Holle-Märchenhaus auf 2022 schieben.

Gefühlt hat im Moment jeder einen VW Bulli

Elisabeth Huber, Juniorchef des Campingplatzes in St. Heinrich

Vom allgemeinen Camping-Boom hat die Familie Huber, Inhaber des Campingplatzes „Beim Fischer“ in St. Heinrich am Starnberger See, profitiert. „Es sind viele Familien aus München gekommen. Gefühlt hat im Moment jeder einen VW Bulli“, sagt Juniorchefin Elisabeth Huber und lacht.

Der Familienbetrieb hat wegen der Hygieneauflagen investiert: Im Sanitärbereich wurden Trennwände zwischen den Waschbecken eingezogen, damit alle benutzbar sind. Weil viele Gäste im Wohnmobil mit eigener Toilette und Dusche angereist seien, sei es zu keinen Engpässen in den Camping-Sanitäranlagen gekommen. Auch sonst hätten sich die Menschen auf der Anlage gut verteilt und wohl gefühlt. „In den eigenen vier Wänden zu reisen, ist in diesen Zeiten einfach sicher – und Spaß macht es sowieso“, sagt Huber. Wenn der Platz Anfang November schließt, hofft sie, dass ihre Familie trotz der fehlenden zwei ersten Monate finanziell glimpflich davongekommen sein wird.

Jasmin Seitner-Spangenberg, Inhaberin des Cafés „freiZeit“ in Bairawies

Das schöne Ausflugswetter hat auch Jasmin Seitner-Spangenberg gerettet. Die Inhaberin des Café „freiZeit“ in Bairawies in der Gemeinde Dietramszell spricht von einem relativ guten Juli, August und September. Ihre Stammgäste hätten ihr die Treue gehalten, viele Radfahrer und Spaziergänger seien bei ihr eingekehrt. „Ich habe aber auch gemerkt, dass doch etliche im Urlaub waren“, sagt Seitner-Spangenberg.

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Mit anderen Gastronomen teilt Jasmi Seitner-Spangenberg die Erfahrung, dass es manchen zu unsicher sei, mit mehreren anderen Menschen in einem Raum zu sitzen. Für das sonst sehr beliebte Frühstück am Sonntag bekomme sie leider immer wieder Absagen, wenn es nicht draußen stattfinden könne. Aber: „Ich bin froh, dass ich überhaupt weitermachen konnte und hoffe, dass es so bleibt“, sagt die Jung-Unternehmerin.

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Kaum etwas genützt hat der schöne Sommer Hertha Klostermeier, Vermieterin von Ferienwohnungen in Holzhausen bei Münsing. „Der Juli und August waren schon vorher ausgebucht. Diese Gäste wären ohnehin gekommen“, berichtet sie. Im Juni hätten noch einige abgesagt, weil sie sich nicht so recht getraut hätten, zu verreisen. Sie habe allen Gästen im Vorfeld ein ausführliches Hygienekonzept geschickt. Ein paar Abstriche musste sie wegen Corona machen. So sei das bei Kindern beliebte Mitfahren auf dem Traktor mit ihrem Mann momentan leider nicht möglich. So wie alle ihre Kollegen aus dem Gastronomie- und Hotelgewerbe hofft Hertha Klostermeier auf einen sonnigen Herbst. Tanja Lühr

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