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Experte am Werk: Tobias Kick steuerte vom Rücksitz des Wagens aus die Spezialkamera auf dem Fahrersitz, die das Auge des Lenkers simuliert. 

Junger Asylbewerber wurde von einem Wagen überrollt

So lief das unfallanalytische Gutachten auf der B 11 ab

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Der Fall löste Bestürzung aus: Am 17. Dezember 2019 wurde ein junger Afghane (21) auf der B11 von einem Auto überrollt und getötet. Jetzt wurde ein Gutachten angefertigt. 

Wolfratshausen – Die B11 war am Donnerstag gegen Mitternacht auf Höhe Farchet eineinhalb Stunden gesperrt. Ein Unfall? Mitnichten. Vielmehr ging es darum, eine tödliche Kollision zu rekonstruieren, die den Landkreis erschüttert hat. Am 17. Dezember ist an genau dieser Stelle gegen 21 Uhr ein junger Afghane von einem Auto tödlich erfasst worden. Der Unglücksfahrer flüchtete, unter Verdacht geriet ein Wolfratshauser Rentner, der sich einen Anwalt genommen hat und schweigt. Was wirklich passiert ist – noch ist es ein Rätsel.

An jenem 17. Dezember war die Witterung trocken. Nur weil es am Donnerstag erneut trocken war, konnte das unfallanalytische Gutachten überhaupt angefertigt werden. „Die Sichtverhältnisse müssen annähernd gleich wie am Unfalltag sein“, sagt Tobias Kick, einer von zwei Experten von der Dekra, zuständig für das lichttechnische Gutachten. Vor Gericht, wenn es zu einem Prozess kommt, wird dies wichtig werden.

Um den Unfall so exakt wie möglich nachzustellen, wurden viele Originalteile nach Wolfratshausen gebracht. Etwa der Wagen des Rentners sowie die Kleidung des Verstorbenen aus der Asservatenkammer. Sie wurden einer Puppe übergestreift, die das Opfer darstellte.

Lesen Sie auch: Liveticker zum tödlichen Unfall auf der B11

Auf dem Fahrersitz des mutmaßlichen Unglücksautos war eine spezielle Messkamera befestigt, die Fotos (kein Video) schoss und die das Auge des Fahrers simulierte. Auf dem Rücksitz nahm Tobias Kick mit einem Computer Platz und steuerte das Gerät. „Beides ist wichtig, mein subjektiver Eindruck genauso wie das, was der Computer erarbeitet.“ Eine spezielle Software wird in den nächsten Tagen rekonstruieren, was der Verdächtige wahrgenommen hat, genauer: Was er überhaupt wahrnehmen konnte. Das Programm verfügt genau für diesen Zweck über eine Alterskorrektur. Alte Augen sehen eben weniger als junge.

Marion Neumeier, die zweite Gutachterin, widmet sich der Frage, ob der Unfall vermeidbar gewesen wäre. Zu diesem Zweck ließ sie den Wagen des Rentners am so genannten Reaktionspunkt halten, also jenem Ort, wo der Unfall noch zu verhindern gewesen wäre. Von dort aus näherte sich der Wagen am Donnerstag schrittweise der auf der Fahrbahn liegenden Puppe, auf dem Fahrersitz die Spezialkamera von Tobias Kick. Wie groß der Abstand des Wagens zu dem Auto war: Dazu möchte sich die Expertin mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern.

Auf Wunsch des Staatsanwalts fuhr der Wagen auch noch um die Puppe herum, weiter auf der B 11 in Richtung Norden. „Es geht darum, herauszufinden, was man aus dem Rückspiegel unter diesen Bedingungen hätte wahrnehmen können“, so Neumeier. Das Rätsel des 17. Dezember: Man ist ihm ein Stück näher gekommen.

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