Plakate und Unterschriftenaktion

Wolfratshausen: So reagiert der Vize-Bürgermeister auf den Bürgerprotest

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Vor neun Monaten beschloss der Stadtrat, die Aufwertung der Innenstadt anzupacken. Passiert ist genau genommen bisher nichts. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller bilanziert: „Das ist unbefriedigend.“ Doch er hat eine Hoffnung.

Wolfratshausen – Konzepte für die Umgestaltung der Innenstadt legte das Büro Plankreis dem Stadtrat bereits vor gut elf Jahren vor. Doch die übergeordneten Behörden machten der Kommune einen Strich durch die Rechnung.Einschneidende bauliche Veränderungen der Marktstraße/B11 lehnte insbesondere der Bund kategorisch ab. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) akzeptierte das Veto nicht. Hinter den Kulissen kämpfte Schnaller wie ein Löwe, holte unter anderem die Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (CSU) und Florian Streibl (Freie Wähler) ins Boot. Dem damaligen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rang er das Zugeständnis ab: Grundsätzlich seien in der Marktstraße feste bauliche Veränderungen möglich – vorausgesetzt, die Marktstraße bleibe eine Bundesstraße.

Im November vergangenen Jahres fasste der Stadtrat vor diesem Hintergrund den Beschluss: Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) findet drei Planungsbüros, die Vorentwürfe für die Neugestaltung des Bereichs zwischen der städtischen Musikschule am Untermarkt und der Johannisgasse anfertigen. Dieser Arbeitsauftrag, stellt Schnaller enttäuscht fest, „liegt immer noch im Rathaus“. Er könne nachvollziehen, dass der Werbekreis Wolfratshausen sowie der Verein Lebendige Altstadt (LAW) nun auf die Barrikaden gehen und die Bürger animieren, zu protestieren: für die Neugestaltung der Marktstraße, für die Aufwertung des westlichen Loisachufers und für die Umsetzung des bereits beschlossenen Parkraumkonzepts. Schnaller ist zuversichtlich, dass die konzertierte Aktion von Werbekreis und LAW Früchte tragen wird: „Ich glaube, dass alle Stadträte jetzt einsehen, dass kurzfristig etwas passieren muss.“

Fritz Schnaller „Wir müssen jetzt die Bremse loslassen, sonst sind wir weg vom Fenster“, warnt derVize-Bürgermeister.

Das Geld für geplante Investitionen sei vorhanden, betont Schnaller. In den Jahren, in denen es der Flößerstadt finanziell nicht gut gegangen sei, „habe ich auch darauf gedrängt, zu sparen“. Doch die sogenannte freie Finanzspanne – Geld, das für Investitionen zur Verfügung steht – betrage aktuell 9,6 Millionen Euro. „Man darf das Geld nicht zum Fenster rauswerfen, aber man kann sich auch totsparen“, gibt der Vize-Rathauschef zu bedenken.

Schnaller verweist auf die vielen Städte und Gemeinden in der Region, die bereits tätig geworden seien. „Wir müssen uns ja nur ein gutes halbes Dutzend Kommunen anschauen, um positive Beispiele zu finden, die auf Wolfratshausen übertragbar sein könnten.“ Schnaller appelliert an seine Stadtratskollegen: „Wir müssen jetzt die Bremse loslassen, sonst sind wir weg vom Fenster.“ Längst würden die Städte in einem harten Wettbewerb miteinander konkurrieren, in der Flößerstadt gebe es in puncto Attraktivitätssteigerung Luft nach oben. Nach der politischen Sommerpause im September „müssen wir zu Potte kommen“.

Dass Werbekreis und LAW der Geduldsfaden gerissen ist und sie dem Stadtrat auf orangefarbenen Plakaten öffentlich Untätigkeit vorwerfen, kann Schnaller verstehen. Vor allem der Verein Lebendige Altstadt arbeite seit Jahren „extrem stark“ zum Wohle der Stadt – als Beispiel nennt der SPD-Stadtrat das Konzept zur Umgestaltung des westlichen Loisachufers. Doch auch das verstaube nach wie vor im Rathaus. Schnallers Fazit: Die Situation „ist unbefriedigend – doch ich nehme an, dass sich aufgrund des Protestes nun etwas rührt“.cce

Rubriklistenbild: © Sabine Hermsdorf-Hiss

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