Ein Heizungsableser
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Vier Gebäudeteile, eine Heizzentrale: Die Stadt Wolfratshausen plant, unter anderem das Stadtarchiv und die neue Kindertagesstätte an der Ludwig-Thoma-Straße heiztechnisch zusammenzulegen.

Zentrale Heizkraftanlage geplant

Wolfratshausen: So will die Stadt 100 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Stadt Wolfratshausen will vier Einrichtungen mit einer zentralen Heizkraftanlage versorgen. Laut Planer ließen sich so 100 Tonnen CO2 jährlich einsparen.

Wolfratshausen – Nach der Fertigstellung der neuen Kindertagesstätte (Kita) an der Ludwig-Thoma-Straße bietet sich der Stadt ein komplettes Bild: Auf dem Areal stehen neben dem Kita-Gebäude das Stadtarchiv, die Fachschule für Heilerziehungspflege sowie ein Kinderhort. Das führte zu dem Vorschlag, alle Einrichtungen heizungstechnisch zusammenzulegen. Das Ziel: durch den Einbau einer zentralen und vor allem energieeffizienten Heizungsanlage kräftig CO2 einsparen. Christian Schuhmacher, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Schuhmacher und André in Bad Tölz, erläuterte den Mitgliedern des Bauausschusses in ihrer jüngsten Sitzung den möglichen Bau eines gasbefeuerten Blockheizkraftwerks (BHKW). Eine solche Anlage stieß nicht bei allen Stadträten auf Zustimmung.

Die Stadt würde mit der Umsetzung dieses Projekts als kommunaler Bauherr mit gutem Beispiel vorangehen und im Rahmen der Energiewende ein öffentlich wirksames Zeichen setzen.“

Klaus Heilinglechner, Bürgermeister von Wolfratshausen

Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) schickte der Präsentation voraus: „Die Stadt würde mit der Umsetzung dieses Projekts als kommunaler Bauherr mit gutem Beispiel vorangehen und im Rahmen der Energiewende ein öffentlich wirksames Zeichen setzen.“ Laut Schuhmacher würde das BHKW etwa 29 Prozent der benötigten Wärme liefern, der Rest könnte mittels zweier Pelletkessel bereitgestellt werden. Installiert werden könnte die zentrale Anlage im Heizungsraum des Kita-Kellers. 81 Tonnen Pellets pro Jahr, das hat Schuhmacher berechnet, würden benötigt, das entspricht drei bis vier Sattelschlepperladungen. Von einem Kilo verbrannter Pellets bleiben 0,5 Gramm Asche, unterm Strich 400 Kilo jährlich. Die Asche, so der Planer, werde als Dünger verwendet oder entsorgt.

Der jährliche Gasverbrauch entspricht 55.000 Litern Öl

Pro Jahr „werden 100 Tonnen CO2 vermieden“, sollte die Kommune sich für ein BHKW plus angeschlossene Pelletheizungen entscheiden, prognostizierte Schuhmacher. Mit Blick auf den aktuellen Energiebedarf des Stadtarchivs sowie der angrenzenden städtischen Liegenschaften sieht er Handlungsbedarf. Der jährliche Gasverbrauch entspreche umgerechnet 55 000 Litern Öl. „Da läuft richtig was ab“, stellte der Fachplaner fest. „Und in Zeiten der Energiewende sollte man ja auch mal langsam weg vom Gas kommen.“

580 000 Euro hat der Stadtrat bereits für das Vorhaben im Haushalt 2020 bereitgestellt. Nach erster Schätzung wird die Gesamtmaßnahme knapp 460 000 Euro kosten – die Flößerstadt kann nach Auskunft von Schuhmacher mit mehr als 130 000 Euro Förderzuschüssen rechnen.

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Kritik kommt von Stadtrat Richard Kugler

„130 000 Euro Zuschuss? Das hören wir gerne“, sagte Josef Praller, Vorsitzender der BVW-Fraktion. Er plädierte dafür, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Richard Kugler (Liste WOR) war anderer Meinung. Der Chef des gleichnamigen Fachbetriebs für Heizung, Sanitär und Solaranlagen wies daraufhin, dass „ein BHKW den gesamten Tag läuft und Wärme produziert, die ich nicht brauche“. Ein BHKW sei „nicht die perfekte Lösung“, stattdessen schlug Kugler eine Solarthermieanlage vor.

Rudi Seibt (Grüne) plädierte dafür, den Wärmebedarf „der Realität anzupassen“. Warum überhaupt ein BHKW, „ist Solarthermie nicht sinnvoller?“ Seibt verlangte von Franz Hofner, im Rathaus zuständig für die kommunalen Grundstücke und Gebäude, die Zusendung der Energieausweise der Liegenschaften an der Ecke Ludwig-Thoma-Straße/Steghiaslweg/Bahnhofstraße an alle Stadträte. „Die liegen ja wohl vor?“, insistierte Seibt mehrfach, bis Hofner „Ja“ sagte und Rathauschef Heilinglechner den Expertenstreit zwischen dem Leiter des städtischen Gebäudemanagements und dem Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik mit einem Machtwort beendete. Letzte Replik Seibt: „Reden Sie nicht wieder so einen Schmarrn dazwischen.“

Was jetzt? „Und nun geht’s weiter“, sagte der Bürgermeister. Als nächstes muss eine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt werden. (cce)

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