Die Kolomann-Kapelle in Reichertshausen (Gemeinde Egling).
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Schön, aber vom Verfall bedroht: Die Kolomann-Kapelle in Reichertshausen, erbaut in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, ist ein Fall für das Projekt „Denk ’mal“ von Kreisbaumeister Andreas Hainz.

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Kreisbaumeister startet Pilotprojekt zur Erhaltung baufälliger Denkmäler

  • Volker Ufertinger
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Wenn Denkmäler nicht mehr zu retten sind, ist die Aufregung oft groß. Dem will Kreisbaumeister Andreas Hainz mit einer Initiative vorbeugen, die bayenweit beachtet wird.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Landkreis will man neue Wege gehen, um die Denkmäler zwischen Isar und Loisach dauerhaft zu bewahren. Kreisbaumeister Andreas Hainz hat das Projekt „Denk’mal – Kulturelle Identität erhalten, schützen, leben“ entwickelt, das die Eigentümer stärker in die Pflicht nehmen will. Es ist ein Pilotprojekt: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) wird die Vorgehensweise allen bayerischen Landkreisen zur Nachahmung empfehlen.

Hainz geht davon aus, dass Denkmäler mehr sind als altes Gemäuer. „Denkmäler und historische Gebäude sind unser kulturhistorisches Erbe, sie prägen das Gesicht und die Identität des Landkreises. Sie leisten einen hohen Beitrag zur Sicherung der regionalen Identität und erhalten die Attraktivität des Tourismus“, heißt es in einem Konzeptpapier, das unserer Zeitung vorliegt. Der Fachmann bedauert, dass es zu viele Denkmäler gibt, die offenbar nicht mehr wertgeschätzt werden, für die es keine zeitgemäße Nutzung mehr zu geben scheint, die der Witterung und dem Verfall ausgesetzt sind.

Gemeinden sollen bedroht Denkmäler melden

Die ersten Schritte sind bereits eingeleitet. Die Bürgermeister sämtlicher Gemeinden (18) und Städte (3) im Landkreis werden derzeit aufgefordert, jeweils bis zu zwei vom Verfall bedrohte Denkmäler zu benennen. Die Untere Denkmalschutzbehörde sichtet die gemeldeten Objekte und fertigt dann in Zusammenarbeit mit dem BLfD eine Dringlichkeitsliste an, ausgehend vom aktuellen Verfallstatus und der Wertigkeit. „Im Anschluss werden sämtliche Eigentümer über die Medien und durch persönliche Anschreiben eingeladen, an der Auftaktveranstaltung zum Projekt teilzunehmen“, heißt es im Konzeptpapier.

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Damit beginnt ein Prozess, der die Bewahrung vieler geschichtsträchtiger Stätten ermöglichen soll. Geplant ist, dass bei der Auftaktveranstaltung namhafte Referenten die Sensibilität für Denkmäler schärfen sollen. Außerdem werden die zahlreichen Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten aufgezeigt. Möglich ist auch, dass im Laufe des sich anschließenden Jahres begleitende Veranstaltungen stattfinden, bei denen Experten handwerkliche Anleitungen für Eigenleistungen zum Erhalt des Denkmals geben. Das Besondere und Reizvolle an diesem Konzept ist, dass die Behörde einen völlig neuen Weg beschreitet. Es geht darum, die Bauherren intensiv einzubinden und gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, ohne dass die Behörde sofort auf die ihr zur Verfügung stehenden Rechtsmittel zurückgreift.

Es geht um die kulturelle Identität des Landkreises

Ziel ist es, jährlich bis zu fünf Objekte gemeinsam mit den Eigentümern sicherzustellen – und sei es zunächst nur durch Notfallmaßnahmen. Schön wäre für Hainz auch die Verstetigung des Projektes durch „Leuchtturmobjekte“, die andere Denkmaleigentümer anspornen. Und noch etwas verspricht sich der Initiator von „Denk ’mal“: „Durch das Erfassen weiterer vom Verfall bedrohter Objekte wird in Zukunft sichergestellt, dass das kulturelle Erbe des Landkreises auch für unsere Nachkommen erfahrbar bleibt.“

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Noch steht das Projekt ganz am Anfang. Im Eglinger Gemeinderat hat Bürgermeister Hubert Oberhauser in öffentlicher Sitzung kürzlich zwei Denkmäler benannt, die nach Bad Tölz gemeldet werden sollen, nämlich die Kolomann-Kapelle im Eglinger Ortsteil Reichertshausen (Eigentümer ist die Diözese) sowie das Wasserhaus in Egling (Eigentümer ist der Wasserzweckverband Endlhauser Gruppe). Die Kapelle ist offiziell als Denkmal klassifiziert und stammt aus dem Jahr 1517. Sie befindet sich in keinem guten Zustand. Gleiches gilt für das alte Wasserhaus am Moosbach in Egling, ganz in der Nähe des Kreisverkehrs der Umgehungsstraße. Das Haus diente laut Oberhauser einst als Brunnen der Endlhauser Gruppe, bevor man im Wald von Geilertshausen einen neuen Brunnen errichtete.

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