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Zum Wohle der Bevölkerung: Die Kreisklinik hat die Aufgabe, die Menschen der Umgebung medizinisch zu versorgen. Darüber hinaus ist Spezialisierung wichtig, um wirtschaftlich zu überleben.

Im Gespräch mit Ingo Kühn

So will der neue Geschäftsführer die Kreisklinik in die Zukunft führen

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Die Kreisklinik Wolfratshausen ist wichtig für die Bevölkerung. Der neue Geschäftsführer Ingo Kühn erklärt, in welche Zukunft er die Kreisklinik führen will. 

Wolfratshausen – Nach fast drei Jahrzehnten hat die Kreisklinik einen neuen Chef: Ingo Kühn (43), gebürtig aus Fulda, hat Hubertus Hollmann abgelöst. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt der Geschäftsführer seine Strategie für den Standort Wolfratshausen.

Herr Kühn, welches Fazit ziehen Sie nach dem ersten Monat an der Spitze?

Ingo Kühn, seit Januar 2020 Geschäftsführer der Kreisklinik.

Das Fazit lautet, dass es in der Tat etwas anderes ist, dem Geschäftsführer bei seiner täglichen Arbeit über die Schulter schauen zu dürfen, mit und für ihn zu arbeiten, oder ob man selber die Position innehat und selber Entscheidungen treffen und letztlich auch verantworten muss. Man wächst aber in die Verantwortung hinein. Ich gehe jeden Tag sehr gerne zur Arbeit, und sie bereitet mir sehr viel Freude.

Die Kreisklinik ist ein relativ kleines Krankenhaus, das unter großem Konkurrenzdruck steht. Mit welcher Strategie wollen Sie das Überleben der Klinik sichern?

Unsere Kreisklinik ist ein Haus der Grund- und Regelversorgung. Damit steht die grundsätzliche Ausrichtung fest. Seit 2013 wurden ergänzend zur Grund- und Regelversorgung Spezialbereiche implementiert. Zu nennen sind hier die Bauchchirurgie, die Akutgeriatrie und die Errichtung des Weaning-Zentrums (Entwöhnung von Beatmungeräten, Anm. d. Red.). Die Kreisklinik hat sich dabei an den Bedürfnissen der Bevölkerung ihres Einzugsgebietes zu orientieren. Wir analysieren und bewerten die medizinische und strategische Ausrichtung in einem fortlaufenden Prozess. Daraus abgeleitete Entscheidungen werden konsequent umgesetzt, um unseren Gesundheitsstandort langfristig zu erhalten. Die Gesundheitspolitik, insbesondere die des Bundes, macht es uns dabei nicht gerade leicht, dies zu erreichen. Insofern müssen wir unsere Strategien den sich permanent ändernden Rahmenbedingungen ständig anpassen, um konkurrenzfähig sein zu können.

Welche Rolle spielt die Kooperation mit anderen Krankenhäusern? Beim Erhalt der Geburtshilfe war die Zusammenarbeit ja entscheidend.

Kleinere wie auch größere Kliniken leben von Kooperationen mit anderen Häusern, beispielsweise können Spezialuntersuchungen in Schwerpunktkliniken erbracht und die Patienten anschließend in kleinere Kliniken, das heißt, wohnortnah zurückverlegt werden. Bei der Schlaganfalleinheit arbeiten wir eng mit dem Universitätsklinikum Großhadern zusammen. Mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten kooperieren wir in der Orthopädie, der Radiologie und weiteren Bereichen.

Um die Geburtshilfe gab es ja viele Debatten. Wie geht es der Abteilung?
Hat sich die Kooperation bewährt?

Die Außenstelle Starnberg hat sich sehr gut entwickelt. Die Geburtenzahlen konnten gesteigert werden. In der Kooperation mit dem Klinikum Starnberg stellt die Kreisklinik die Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützt die Starnberger Kollegen. Durch die Kooperation mit dem Starnberger Perinatalzentrum ist es gelungen, deren ausgewiesene fachliche Expertise zu gewinnen und damit für die Bevölkerung im Landkreis eine hochwertige klinische Versorgung in der Geburtshilfe sicherzustellen. Ich bin sehr dankbar, dass sich der Landkreis dazu bekannt hat, das dabei entstehende Defizit zu tragen.

Können Sie uns ein paar statistische Daten nennen? Wie viel Personal hat die Kreisklinik? Wie hoch sind die finanziellen Mittel, mit denen Sie auskommen müssen?

Die Kreisklinik beschäftigt rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie erwirtschaftet Umsatzerlöse in Höhe von etwa 27 Millionen Euro im Jahr. Wir bekommen für Investitionen Fördermittel von der Regierung von Oberbayern in Höhe von rund 500 000 Euro, ohne Baumaßnahmen. Die Krankenhauserlöse und die Fördermittel reichen aber leider nicht aus, um mit dem medizinischen Fortschritt schritthalten zu können. Daher müssen wir regelmäßig Investitionen mit Eigenmitteln finanzieren. Wir sind in der glücklichen Lage, einen Förderverein zu haben, durch dessen großartige Unterstützung schon viele Hightech-Geräte angeschafft werden konnten. Zu erwähnen ist auch der Landkreis, der als Träger der Klinik kontinuierlich in sein Haus investiert.

Ist am Moosbauerweg in nächster Zeit mit Umbaumaßnahmen zu rechnen?

Es werden immer wieder bauliche Veränderungen notwendig. Das Gebäude der Kreisklinik weist eine Struktur aus dem Jahr 1966 auf. Auch haben sich die Erwartungen der Patienten verändert, Einzel- oder Doppelzimmer sind heute Standard. Wir haben daneben noch eine Dreibettzimmer-Struktur. Um Fachkräfte zugewinnen, muss ein Krankenhaus bezahlbaren Wohnraum anbieten. All diese Themen müssen gemeinsam mit dem Träger gelöst werden. Aus den genannten Gründen muss mittel- und langfristig investiert werden. Ein Ziel ist die Errichtung einer psychiatrischen Tagesklinik für Jugendliche und Erwachsene durch die KBO München (KBO steht für Kliniken des Bezirks Oberbayern, Anm. d. Red.).

Über jedes Krankenhaus hört man Lob und Kritik. Wie beurteilen Sie selbst die Qualität Ihres Hauses?

Ich bin von der Qualität unseres Hauses absolut überzeugt. Einerseits dadurch, dass wir in einigen Bereichen zertifiziert sind, zu nennen wären das Weaning-Zentrum, in dem Patienten von Beatmungsgeräten entwöhnt werden, aber auch das Bauchzentrum. Andererseits haben wir das klinikinterne Qualitätsmanagement, dessen Aufgabe es ist, allen Hinweisen nachzugehen und zu eruieren, wo es Optimierungspotenzial gibt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sehr darauf bedacht, sich ständig weiterzuentwickeln, damit sich die Patienten bei uns immer in guten Händen wissen.

Lesen Sie auch: Wachsen oder weichen 

Wollen Sie uns zum Schluss noch etwas über sich persönlich erzählen? Mit welchen Hobbys zum Beispiel schaffen Sie einen Ausgleich zu Ihrem anspruchsvollen Job?

Bei dieser beeindruckenden Gegend bietet sich Bergwandern an. Bin weiß Gott kein Profi, aber ich versuche, mich langsam heranzutasten. Im Sommer nutze ich im Übrigen auch die umliegenden Seen, um Baden zu gehen oder hin und wieder zu rudern.

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