Staatssekretär Heinrich Junker (re.) überreichte in Vertretung von Innenminister Alfons Goppel die Urkunde an Peter Finsterwalder.
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Herzlicher Händedruck: Staatssekretär Heinrich Junker (re.) überreichte in Vertretung von Innenminister Alfons Goppel die Urkunde an Peter Finsterwalder.

Nach vielen Jahrhunderten als Markt

So feierte Wolfratshausen die Stadterhebung vor 60 Jahren

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Der 9. Oktober 1961 ist ein wichtiges Datum in der Geschichte Wolfratshausens. An diesem Tag erhob Innenminister Alfons Goppel den Markt in den Rang einer Stadt.

Wolfratshausen – 60 Jahre sind vergangenen, seit die Bayerische Staatsregierung Wolfratshausen zur Stadt erhoben hat. Vorausgegangen war ein Antrag der Stadtväter. Der zuständige Innenminister Alfons Goppel datierte seine Unterschrift unter das Dokument auf den 9. Oktober 1961. Die Bedeutung lässt sich ermessen, wenn man weiß, dass Wolfratshausen über 600 Jahre – seit 1312, um genau zu sein – lediglich als „Markt“ gegolten hatte. Mit größeren Befugnissen war die Stadterhebung nicht verbunden, sie war eher als Anerkennung für die zentrale Rolle Wolfratshausens im Altlandkreis zu verstehen.

Diese Stadterhebung stellte freilich einen Grund zum Feiern dar, und die Festivitäten fanden am ersten Dezemberwochenende statt. Bereits in der Früh um 7 Uhr des 2. Dezember 1961, einem Samstag, weckte die Bläservereinigung die Bürger in Wolfratshausen, Farchet und Waldram. Weidach und Nantwein gehörten damals noch nicht dazu. Um 8.30 Uhr fanden zwei Festgottesdienste in der katholischen und evangelischen Kirche statt, anschließend stand eine Kriegerehrung auf dem Programm.

Großer Tag: Nicht im beengten Rathaus, sondern im Kino an der Bahnhofstraße fand am 2. Dezember 1961 der Festakt statt. Zugelassen waren nur geladene Gäste.

Um 10.30 Uhr begann der offizielle Staatsakt, allerdings nicht im beengten Rathaus, sondern im Kino an der Bahnhofstraße. Innenminister Goppel, der verhindert war, vertrat dessen Staatssekretär Heinrich Junker, der ihm später als bayerischer Innenminister nachfolgen sollte. Die obligatorischen Festreden hielten der Wolfratshauser Bürgermeister Peter Finsterwalder und der Wolfratshauser Landrat Franz Lehmair. Die launigste Ansprache stammte vom Vertreter der Patenstadt Bad Tölz, Anton Roth, der die Gemeinsamkeiten beider Kommunen hervorhob. Als Geschenk hatte er eine Amtskette mitgebracht. Die musikalische Umrahmung, bestehend aus dem „Halleluja“ von Händel, der „ Allmacht“ von Schubert sowie der „Vaterländische Hymne“ von Eugen Jochum, wirkt aus heutiger Sicht recht pathetisch.

Ein Hoch auf Wolfratshausen: Beim Volkstumsabend am Samstag spielte der Gesang eine große Rolle. Viele Gruppen von Heimatvertriebenen hatten einen Auftritt.

Während der Festakt geladenen Gästen vorbehalten war, stand der Abend der Gesamtbevölkerung offen. Ein sogenannter Volkstumsabend – heute würde man wohl eher Heimatabend dazu sagen – wurde von dem Münchner Humoristen Otto Baumann moderiert. Auffällig ist, dass neben dem TSV, der Sängerzunft und den Loisachtalern besonders die Heimatvertriebenen stark an diesem Abend mitwirkten. Das erklärt sich dadurch, dass Wolfratshausens Einwohnerzahl durch den Zuzug von Heimatvertriebenen um etwa 50 Prozent gewachsen war. Eine Tatsache, die Landrat Lehmair beim Staatsakt besonders hervorhob.

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Am Sonntag, 3. Dezember, ging es sportlich zu: Der TSV 1860 München war Gast des TSV Wolfratshausen. Das – erwartbare – Endergebnis lautete 1:7, der Spielball war zuvor aus einer einmotorigen Maschine der amerikanischen Luftwaffe abgeworfen worden. Am Montag, 4. Dezember, spendierte die Stadt älteren Mitbürgern ein warmes Essen. Gereicht wurden Suppe, Kalbs- oder Schweinebraten mit Beilagen sowie zwei Brote. Frauen bekamen ein kleines Bier oder Fruchtsaft zu trinken, Männer drei Gläser Bier oder einen Schoppen Wein. Mit der Gleichberechtigung war es damals offenbar nicht so weit her.

Letzter Akt der Festivitäten: In der Stadtratssitzung am 17. Dezember dankte der Bürgermeister allen Beteiligten, die Stadträte trugen sich ins Gästebuch der Stadt ein. Daneben wurde dem jüngsten Bürger der Stadt, der am 9. Oktober geboren wurde, ein Sparbuch über 50 Deutsche Mark geschenkt. Auch dies ein Invest in die Zukunft, wie man heute sagen würde. So wie die ganze Stadterhebung.

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