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Kleines Geschenk: Otto-Ernst Holthaus überreichte der Vorsitzenden des Badehausvereins, Dr. Sybille Krafft, ein Straßenschild mit dem Namen des großen Zeitzeugen.

Zentraler Ausstellungsraum heißt jetzt nach dem großen Zeitzeugen

So wurde im Badehaus Max Mannheimers 100. Geburtstag gefeiert

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Am 6. Februar wäre Max Mannheimer 100 Jahre alt geworden. Im Waldramer Badehaus, das er zu Lebzeiten nach Kräften förderte, beging man dies mit einem großen Festakt. 

Wolfratshausen– Im zentralen Ausstellungsraum des Badehauses hing schon längst ein Porträtbild von Max Mannheimer, gemalt von seinem Freund Otto-Ernst Holthaus, und angeblich gab es Besucher, die das Bild ehrerbietig grüßten. Jetzt, anlässlich des 100. Geburtstags des großen Zeitzeugen, wurde der Raum auf seinen Namen getauft. Max-Mannheimer-Forum heißt er fortan. Am Sonntag stießen die 100 geladene Gäste auf den charismatischen Mann aus Mähren an, der vier Konzentrationslager überlebte und der alles tat, damit die Gräuel der NS-Zeit nicht in Vergessenheit geraten. Es war ein von Liebe und Verehrung getragener Abend.

Wertvolle Erinnerung: In Filmausschnitten wurde Max Mannheimer immer wieder lebendig.

Viele Weggefährten des 2016 verstorbenen Mannheimers, den alle nur Max nannten, ergriffen das Wort. Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Badehausvereins, erinnerte sich, wie sich Mannheimer telefonisch bei ihr meldete, nachdem er vom Kampf um das Gebäude am Kolpingplatz erfahren hatte. „Er sagte, dass er uns moralisch unterstützen will“, erzählte die Filmemacherin, die ihn später mehrfach interviewte. Er knüpfte sein Engagement an die Bedingung, Mitglied Nummer eins sein zu dürfen – als Zeichen, wie sehr er sich mit der guten Sache solidarisierte. Was er wohl sagen würde, wenn er wüsste, dass es in Wolfratshausen eine AfD-Liste für die kommende Kommunalwahl gibt?

Ernstes Gespräch: Emanuel Rüff interviewte die Enkelin von Max Mannheimer, Judith Faessler.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, rief mit Nachdruck dazu auf, dass man die Verbrechen der NS-Zeit, diesen „einmaligen zivilisatorischen Absturz“, niemals vergessen dürfe. Spaenle nannte zwar Thüringen nicht mit Namen. Aber jeder wusste, was gemeint war, als er sagte: „Das gilt gerade in Tagen wie diesen.“ Speziell die jungen Leute, die bis weit ins 21. Jahrhundert hinein Verantwortung tragen werden, sollten sensibel sein, wenn plötzlich Mitmenschen wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden. Das sei momentan der Fall.

Anrührend war das Gespräch zwischen Emanuel Rüff und Mannheimers Enkelin Judith Faessler. Sie erzählte, dass ihr Opa wenig bis nichts über seine Vergangenheit in den Konzentrationslagern erzählt hat. „Er hat uns sehr geschont.“ Bewegend war der Bericht von Dieter Klug, dessen Vater sich einst freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte und in Gräuel verwickelt war, über die er sein Leben lang schwieg. „Max hat immer zu mir gesagt: ,Dieter, Du bist nicht verantwortlich für das, was Dein Vater gemacht hat‘.“ Abba Naor, Holocaust-Überlebender und Nachfolger Mannheimers im Vorsitz des internationalen Dachau-Kommitees, erklärte im Namen aller: „Max fehlt uns.“

Und dann war da noch Otto-Ernst Holthaus, der Mann, der unter dem Künstlernamen Ernesto das Portät gemalt hatte. Er war kaum zu stoppen, so sehr gingen ihm Herz und Mund über, als er von seinem Freund erzählte. Wie er Mannheimer auf einem Flug nach Tel Aviv kennengelernt hatte. Wie sie sich gemeinsam für die Todesmarsch-Denkmäler eingesetzt hätten. Wie er Mannheimer für die Art bewundert habe, vor Schulklassen zu sprechen, „so sachlich, so eloquent, so voller Herzblut.“ Und was für ein „froher Mensch“ er gewesen sei, trotz allem.

Lesen Sie auch: Warum das Badehaus nicht nur Wolfratshausen angeht

Auch ein Geschenk hatte Holthaus dabei: Ein Straßenschild mit der Aufschrift „Max-Mannheimer-Allee“. Damit hat es eine eigene Bewandtnis. Denn das – fiktive – Straßenschild war einst ein Geschenk für Mannheimer selbst, überreicht zu seinem 90. Geburtstag. „Drei Wochen vor seinem Tod ist er nervös geworden und wollte mir das Schild unbedingt zurückgeben“, erzählte Holthaus. Jetzt hat es seinen Platz im Badehaus. Max wäre zufrieden.

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