Sonnen-Strom für 600 Haushalte: Investor will Photovoltaikanlage auf Bergwald bauen

Der Grund ist fast vier Hektar groß: Ein privater Investor will in Wolfratshausen eine Freiflächen-Photovoltaikanlage bauen. Eine Vorentscheidung ist gefallen.
Wolfratshausen – Eine Freiflächen-Photovoltaikanlage auf 3,8 Hektar Grund, die Strom für rund 600 Haushalte im Jahr liefert: Die will ein privater Investor über den Dächern der Loisachstadt errichten. Dem einen Stadtrat kann das Projekt gar nicht schnell genug gehen, der andere will nichts überstürzen. In der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend befürwortete das Gremium mit 6:3 Stimmen das Vorhaben, das letzte Wort hat am nächsten Dienstag der Stadtrat.
Sonnen-Strom für 600 Haushalte: Investor will Photovoltaikanlage auf Wolfratshauser Bergwald bauen
Die Anlage will der Investor, dessen Name in der Sitzung am Mittwoch nicht genannt wurde, auf dem Wolfratshauser Bergwald, oberhalb des Golfplatzes Bergkramerhof bauen. Die Grundstücke liegen im Außenbereich und sollten laut Flächennutzungsplan ursprünglich der Erweiterung des Golfplatzes dienen. Die Fläche, das konkretisierte Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt, sei vom Freistaat Bayern als „landwirtschaftlich benachteiligtes Gebiet“ gekennzeichnet und sei genau genommen nur eine Wiese, so Schmidt. Mit Blick auf die Energiewende begrüße er das Vorhaben, Schmidt sprach von einem notwendigen „Kompromiss zwischen dem Erhalt des ungestörten Landschaftsbilds und der Erzeugung von umweltneutraler elektrischer Energie“.
Rückendeckung aus dem Wolfratshauser Rathaus
Rückendeckung bekam er von Sabine Trinkl, Leiterin des Rathaus-Referats Planen und Umwelt, die im Beschlussvorschlag für die Stadträte festgestellt hatte: „Vor dem Hintergrund des ausgerufenen Klimanotstands in der Stadt Wolfratshausen begrüßt die Verwaltung den Ausbau von Erneuerbaren-Energien-Anlagen – insbesondere Photovoltaikanlagen wird eine tragende Rolle in der weltweiten Primärenergieversorgung zugeschrieben.“ Der Vollständigkeit halber: Laut Trinkl hat der Investor der „Standortkommune“, sprich der Stadt Wolfratshausen 0,2 Cent Vergütung pro generierter Kilowattstunde Strom in Aussicht gestellt.

Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) betrachtete das Bergwald-Projekt mit größter Skepsis. Für ihn gehören PV-Anlagen auf Hausdächer, „die Landschaft“ solle man damit „nicht zubauen“. Es sei sinnvoller, so Kugler mit Blick den Antrag des Investors, „auf solchen Flächen Bäume zu pflanzen“, wollte man der Umwelt etwas Gutes tun. Keines der Grundstücke, die laut des potenziellen Bauherrn „aufgrund der Lage sowie stark eingeschränkter Einsehbarkeit“ für eine Freiflächen-PV-Anlage „gut geeignet“ seien, befindet sich übrigens im Eigentum der Kommune.
CSU-Stadträtin hält Beschluss für „völlig übereilt“
Für „völlig übereilt“ hielt den Beschluss, der eine Empfehlung an den Stadtrat ist, die Fraktionsvorsitzende der CSU, Renate Tilke. In ihren Augen würde der Bergwald „verschandelt“, vor einer Entscheidung solle erst „gründlich recherchiert werden“, ob nicht andere Standorte für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in Frage kommen. Tilke warnte davor, „gleich dem ersten Antragsteller den Zuschlag zu geben“, die Stadt dürfe „die Gestaltungshoheit nicht aus der Hand geben“.
„Wir müssen jetzt aktiv werden“, beschwor dagegen Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) ihre Amtskollegen. Der Krieg in der Ukraine unterstreiche, wie wichtig es sei, sich zeitnah unabhängig von externen Energielieferungen zu machen. Der Standort, den der Investor ins Auge gefasst hat, „ist eine gute Stelle für Wolfratshausen“, da sich für ein solches Projekt aufgrund bestehender Naturschutz-, Wohn- und Gewerbeflächen in Wolfratshausen kaum eine Alternative anbiete. „Es gibt auch keine Flächen entlang der Autobahn“, kommentierte Krischke einen Vorschlag von Tilke.
SPD-Stadtrat will „so schnell wie mögliche“ positive Entscheidung
BVW-Fraktionschef Josef Praller haderte mit der „Insellösung“. Er plädierte dafür, zunächst ein Gesamtkonzept in Sachen Freiflächen-Photovoltaik zu erarbeiten – und stimmte Kugler zu: Grundsätzlich, so Praller, müssten primär Hausdächer zur dezentralen Energiegewinnung genutzt werden.
Fritz Schnaller (SPD) stellte sich auf die Seite des Investors. „So schnell wie möglich“ müsse entschieden werden – und für Schnaller kann es nur ein Ja geben. Einig war er sich mit Schmidt und Krischke, dass sich die Bürger in das etwa vier Millionen Euro teure Vorhaben einbringen können sollten. Etwa 10 bis 20 Prozent der gesamten PV-Fläche, darauf verständigte sich der Bauausschuss, sollten Bürger quasi kaufen können, um so in vielerlei Hinsicht von dem Projekt zu profitieren.
Vize-Bürgermeister bezeichnet Standort als „ideal“
Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU), der Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) vertrat, brachte die Diskussion auf den Punkt: „Ohne Strom läuft nichts.“ Die geplante Anlage, die der Investor in der kommenden Stadtratssitzung im Detail vorstellen werde, habe 3,6 Megawatt Nennleistung, das entspreche 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit, so veranschaulichte Eibl, ließen sich rund 600 Haushalte versorgen. Vom Vize-Bürgermeister gab’s ein Ja – den Standort bezeichnete er als „ideal“.
Nun ist der Stadtrat am Zuge, eine Änderung des Flächennutzungsplans („Fläche für Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien – Sonnenenergie“) in Auftrag zu geben und in einem Parallelverfahren einen Bebauungsplan aufstellen zu lassen. Dass das Gremium der positiven Beschlussempfehlung des Fachausschusses folgt, ist sehr wahrscheinlich. Die gesamten Planungskosten, Architektenhonorare, Gutachten sowie die Erschließungskosten und die naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen müsste der Investor übernehmen.
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