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Falscher Notruf, üble Beleidigung

Späte Einsicht bewahrt 50-Jährigen vor dem Gefängnis

Wenn er telefoniert und das Gespräch nicht nach seinen Vorstellungen verläuft, verliert der Mann schnell die Kontrolle. Das hat ihm in den vergangenen Jahren mehrere Verfahren eingebracht und rund 10.000 Euro Geldstrafen gekostet. Zuletzt wurde der 50-jährige Politikwissenschaftler 2015 zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Trotzdem wurde er erneut straffällig.

Wolfratshausen – Die Staatsanwaltschaft legte dem Wolfratshauser Missbrauch von Notrufen, Beleidigung und falsche Verdächtigung zur Last. Am 4. Januar 2016 hatte er insgesamt 17 Mal bei der Einsatzzentrale der Polizei in Rosenheim angerufen. Die wüster werdenden Telefonate mündeten darin, dass der Anrufer vorgab, einen Herzinfarkt erlitten zu haben. Als Polizei und Rettungskräfte in der Wohnung eintrafen, war davon jedoch keine Rede mehr. „Ich habe an dem Tag mehrere Drohanrufe erhalten“, sagte der Angeklagte. „Ich hatte Panikattacken mit Herzbeschwerden, bin zitternd am Boden gekauert.“ Eine bewusste Täuschung bestritt er – wie die weiteren Anklagepunkte.

Am 6. Juni vorigen Jahres hatte er telefonisch einen Arzttermin vereinbaren wollen. Weil ihm der nicht unmittelbar gewährt werden konnte, beschimpfte er die Ärztin unter anderem als „unfähige, blöde Tussi“. Eine Arzthelferin beleidigte er wenig später als „dumme Kuh, asozial, Hexe“. Am Tag darauf kam es zum Eklat: Der Mann schrie in der Praxis herum, die er ohne Termin aufgesucht hatte. Als er diese aufgebracht verließ, kam er auf der Treppe ins Straucheln und verletzte sich am Arm. Er erstattete Anzeige und behauptete, die Treppe hinuntergeschubst worden zu sein. „Als ich gehen will, bekomme ich einen Tritt in den Allerwertesten“, wiederholte der Mann vor Gericht. Dabei blieb er auch, als die beschuldigte Ärztin beteuerte, dem Mann nicht einmal nahe gekommen zu sein. „Er stürmte raus. Wir dachten, es ist vorbei.“

Der Angeklagte überraschte das Gericht, als er nach der Mittagspause eine komplette Kehrtwende machte. Er habe bei seinem Anruf bei der Polizei vermutlich übertrieben, räumte der Wolfrathauser nun ein. „Und auch für die Beleidigungen in der Praxis möchte ich mich entschuldigen“, erklärte er. „Ich hatte den Eindruck, einen Tritt bekommen zu haben und war dann sozusagen auf der Flucht.“ Außerdem erklärte sich der 50-Jährige zu einer stationären Alkoholtherapie bereit.

Ein Gutachter war bei der Untersuchung des Beschuldigten zu der Überzeugung gelangt, dass dessen Probleme von einem Alkoholproblem herrühren. Schon wenig Alkohol führe bei dem Angeklagten zu Kontrollverlust und Impulsstörungen, sagte der Psychiater. „Ohne das Einverständnis zur Therapie wäre das Urteil sicher nicht so ausgefallen“, bekräftigte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung. Er verurteilte den Wolfratshauser zu zehn Monaten Gefängnis, setzte die Strafe aber für vier Jahre zur Bewährung aus. 

Rudi Stallein 

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