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Spielplatz-Schläger entgeht dem Knast

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Von: Peter Herrmann

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Vor dem Amtsrichter musste sich ein 32-Jähriger verantworten: Er hatte einen Jugendlichen verprügelt. © dpa

Er hatte einen 17-Jährigen geschlagen. 32-jähriger, vorbestrafter Lagerist kommt mit einer  Bewährungsstrafe davon.

Wolfratshausen – Der Fall sorgte vor knapp einem Jahr für Aufsehen: Im März 2019 sollte ein damals 31-jähriger Wolfratshauser in einer Verhandlung über eine Schlägerei auf einem Farcheter Spielplatz als Zeuge aussagen. Dabei entlastete er den 35-jährigen Angeklagten, indem er ein überraschendes Geständnis ablegte. Der Zeuge war selbst der Täter. Nun musste sich der Lagerist wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht verantworten.

„Ja, das stimmt“, erneuerte der Angeklagte sein Geständnis. Am 30. Juni 2018 habe er zunächst auf einem Sommerfest reichlich Bier getrunken und sich dann in einer Wolfratshauser Tankstelle mit weiteren Halben eingedeckt. Danach ging er gegen 22 Uhr auf einen Spielplatz, um nach einem Bekannten zu suchen. Dort traf er auf eine Gruppe Jugendlicher und erhielt von einem damals 17-jährigen Schüler prompt eine Antwort, wo sich der vermisste Freund aufhalten könnte. Diese Vermutung stellte sich jedoch als falsch heraus, worauf der Angeklagte nach etwa 25 Minuten wutentbrannt zurückkehrte und dem Schüler mehrmals mit der Faust ins Gesicht und in den Bauch schlug. Dabei wurde auch die Brille des Opfers beschädigt.

19 Monate später wollte sich der heute 32-Jährige aufgrund seines damals angetrunkenen Zustands nur an zwei Schläge erinnern. Sein Opfer und zwei weitere Schüler sagten jedoch aus, dass der Mann dem fliehenden Jugendlichen hinterherlief und noch mindestens vier Mal zuschlug. „Ein Faustschlag ins Gesicht eines Brillenträgers kann sehr gefährlich sein“, befand Richterin Friederike Kirschstein-Freund. Da sich im Vorstrafenregister des Täters bereits elf Einträge befanden, forderte die Staatsanwaltschaft eine 14-monatige Haftstrafe für den Angeklagten. Darin einbezogen war eine Autofahrt ohne Fahrerlaubnis, das Vorzeigen eines gefälschten Führerscheins und der Fund von drei Gramm eines verbotenen Betäubungsmittels in dessen Wohnung. Diese drei Tatbestände ereigneten sich gut vier Monate nach der Schlägerei auf dem Wolfratshauser Spielplatz.

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Richterin Kirschstein-Freund konnte den Antrag der Staatsanwaltschaft zwar nachvollziehen, entschied sich dann aber doch für eine einjährige Bewährungsstrafe. „Ohne Ihr überraschendes Geständnis vor einem Jahr wäre es schwierig geworden, Sie als Täter zu ermitteln“, erklärte sie. Als Auflage muss der Lagerist 100 Euro Schadensersatz für die verbogene Brille sowie 5000 Euro an die Oberland-Werkstätten für Menschen mit Behinderung zahlen.

Noch vor dem Urteil nutzte der Angeklagte die Gelegenheit, sich persönlich bei dem Schüler zu entschuldigen: „Mir tut das Leid, ich bin heute ein anderer Mensch als damals.“

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