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Erinnerungsstück: Pfarrer Florian Gruber mit dem Ankündigungsplakat für das Benefizkonzert im Jahr 2011 in der Wolfratshauser Loisachhalle.

Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ 

Not kennt keine Konfession

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Die Kirchengemeinde St. Michael unterstützt durch die Gabenkasse Hilfsbedürftige im Landkreis. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Seniorin, die ihre Heizkostenrechnung nicht bezahlen kann. Das traumatisierte Kind, das durch eine Reittherapie wieder etwas Lebensfreude gewinnen könnte: „Not hat viele Gesichter und ist gleich vor unserer Haustüre zu finden“: Das sagt der evangelische Pfarrer Florian Gruber – und er weiß, wovon er spricht. Bei seiner seelsorgerischen Arbeit wird er häufig mit Schicksalen konfrontiert, hinter denen Menschen stecken, denen dringend geholfen werden muss. Seit rund 21 Jahren unterstützt die Kirchengemeinde St. Michael Wolfratshausen über eine sogenannte Gabenkasse in Not geratene Frauen, Männer und Kinder – „und zwar konfessionsübergreifend“, betont Gruber.

Die Gabenkasse ist in verschiedene Konten untergliedert. Sie reichen von Obdachlosenarbeit über Senioren, Asylhilfe und die Aktion „Kinder in Not“. „Diesen formellen Titel haben wir seit einem Benefizkonzert in der Loisachhalle im März 2011“, erinnert sich der Pfarrer. „Wir wollten den Menschen bewusst machen, dass auch in unserer Wohlstandsregion zum Beispiel Alleinerziehende schnell in finanzielle Notlagen geraten können, unter denen dann nicht zuletzt die Kinder zu leiden haben.“ Auch aktuell ist der Bedarf an Hilfe laut Gruber vorhanden: „Ich habe in diesem Jahr eigenverantwortlich einen fünfstelligen Betrag verteilt.“ Wichtig ist dem Geistlichen, dass das gespendete Geld in der Region bleibt und dass nicht immer der volle Fehlbetrag übernommen übernommen wird. Hilfe zur Selbsthilfe lautet das Motto. „Wir wollen den Bedürftigen so viel Eigenverantwortung wie möglich lassen“, sagt Gruber.

So bekam beispielsweise ein alleinerziehender Vater einen Zuschuss, damit er mit seinen Kindern in den Urlaub zum Zelten fahren konnte. Ebenso wird ein musisch hochbegabtes Kind unterstützt. „Das Mädchen spielt hervorragend Violine. Doch um sie weiter fördern zu können, braucht sie besonderen Unterricht, den sich die Familie aber nicht leisten kann. Den Aufschlag für die bessere Lehrerin übernimmt nun ,Kinder in Not‘.“

Der Kontakt zwischen den Bedürftigen wird zumeist über Erziehungsberatungsstellen oder soziale Organisationen wie die Caritas und die Diakonie hergestellt. „Auch die Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe kommt auf uns zu, wenn sie besondere Hilfe braucht.“ Die Kontrolle über die ausgezahlten Gelder erfolgt innerkirchlich. „Das erleichtert uns die Arbeit unglaublich. So kann ich unbürokratisch und schnell helfen, ohne vorher unzählige und detaillreich begründete Anträge stellen zu müssen.“ Die Nutzung der kirchlichen Infrastruktur hat einen weiteren Vorteil: „Wir benötigen weder Geld für Werbemaßnahmen noch Verwaltung. So ist es möglich, alle Spenden eins zu eins weiter zu geben.“

Zwei Schicksale haben Gruber ganz besonders berührt: Zum einen Mutter, die an Hepatitis erkrankt war und trotzdem Vollzeit weiterarbeitete, weil sie auf staatliche Unterstützung verzichten wollte. Als die Frau krankheitsbedingt kürzer treten musste, griff ihr Gruber unter die Arme, damit sie ihre Kinder versorgen konnte. „Hier haben wir mit einem monatlichem Ausgleichsbetrag weiter geholfen.“ Und es gab den älteren Herrn, der sich bis zu deren Tod aufopfernd um seine kranke Lebensgefährtin gekümmert hat. Jetzt braucht er selbst Unterstützung, weil die Krankenkasse einige seiner Medikamente nicht übernimmt, berichtet Pfarrer Gruber im Gespräch mit unserer Zeitung. „Doch es fällt mir leicht, Menschen etwas zu geben, die selbst ein großes Herz für andere haben.“

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