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Fair und nachhaltig einkaufen: Das Engagement von Kommunen ist wichtig. 

Regional und nachhaltig

Stadt Wolfratshausen will künftig fair und ökologisch einkaufen

Ob Berufsbekleidung oder Büromaterial: Möglichst nachhaltig will die Stadt Wolfratshausen künftig ihre Verbrauchsmaterialien beschaffen. 

Wolfratshausen – Die Stadt Wolfratshausen ist ein Großeinkäufer – wie alle Kommunen in Deutschland: 360 Milliarden Euro werden jährlich aus öffentlicher Hand für Produkte und Dienstleistungen ausgegeben – davon 60 Prozent aus kommunalen Mitteln. Wolfratshausen macht davon zwar nur einen kleinen Teil aus. Aber: „Sie besitzen eine gewaltige Wirtschaftsmacht“, sagte Vivien Führ in der jüngsten Stadtratssitzung. Die Geschäftsführerin von agado, einer Gesellschaft für nachhaltige Entwicklung, ist Spezialistin für die Frage, wie Städte und Gemeinden durch ihr Einkaufsverhalten ökologisch und sozial nachhaltige Projekte unterstützen können.

Auf Einladung von Dr. Ulrike Krischke (BVW), die der Fair-Trade-Gruppe der Stadt vorsteht, erklärte Vivien Führ, warum das Engagement der Kommunen so wichtig ist. „Mit dem Geld, das Sie ausgeben, können Sie den Markt beeinflussen“, rief Führ den Räten die Nachfrage-Angebot-Regel in Erinnerung. Je mehr Städte sich dafür entscheiden würden, von vornherein nur solche Produkte anzufragen, für deren Herstellung soziale oder ökologische Standards eingehalten werden, umso mehr würden die Unternehmen darauf ihr Augenmerk richten. Menschenrechtsverletzungen oder Umweltfrevel in der Welt könnten so effektiv bekämpft werden.

Doch nicht nur die Arbeiter in tausenden Kilometern Entfernung profitierten von einer nachhaltigen Einkaufspolitik: „Die Stadt gewinnt dadurch an Image, setzt ihre Mitarbeiter gesünderen Stoffen aus, leistet einen Beitrag zu Umweltzielen und kann in einigen Fällen sogar Geld sparen“, so Führ. Erreichen könne die Kommune dies, indem sie ihre Ausschreibungen um verschiedene Kriterien – beispielsweise Fair-Trade-Siegel, Blauen Engel oder Bio-Qualität – erweitert. So könne ausgeschlossen werden, dass günstigere aber eben auch weniger nachhaltige Produkte angeboten werden und die Kommune sich dann für die billigere Variante entscheiden müsse.

Weil die Einkäufe von Städten vielfältig sind, riet Führ dazu, in kleinen Schritten anzufangen und beispielsweise sämtliche Textil- oder Lebensmitteleinkäufe besagten Standards anzupassen. „Wenn Sie versuchen, von jetzt auf gleich die komplette Beschaffung umzustellen, tun Sie sich keinen Gefallen“, so Führ. Grünen-Stadträtin Annette Heinloth erinnerte daran, dass es bereits Bestrebungen in diese Richtung gegeben habe. „Mit dem Antrag sind wir aber total in den Wald gekommen.“ Zu sehr habe sich ihre Fraktion in Details verloren.

Der Stadtrat begrüßte die Nachhaltigkeits-Offensive einhellig. Ein „möglichst konkreter Stadtratsbeschluss“ ist laut Führ auch unerlässlich für den Erfolg. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) plädierte dafür, gerade „die regionalen Unternehmen, die hier ihre Gewerbesteuer bezahlen, zu unterstützen“. Günther Eibl (CSU) betonte zwar „dass sich alle Parteien im Wahlkampf zum Umweltschutz verpflichtet haben“, sorgte sich aber darum, „dass wir nach der Kommunalwahl im März wieder bei Null anfangen müssen“. Der Antrag, den Ulrike Krischke mit dem Vortrag verbunden hatte, forderte die Verwaltung auf, Richtlinien zu erarbeiten, die im September vorgestellt werden sollen – ein Zeitrahmen, den Eibl für unrealistisch hält.

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Der Stadtrat entschied sich, die Gruppe aus Verwaltungsmitarbeitern zu einem halbjährlichen Bericht im Gremium zu verpflichten, wie weit die nachhaltige Beschaffung fortgeschritten ist. Referentin Vivien Führ war zufrieden: „Der wichtigste Teil der Arbeit ist der Anfang.“ 

Dominik Stallein

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