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Buch trifft Bier: Rund 30 Interessierte kamen zur kulinarischen Lesung in die Stadtbücherei. Ludwig Gollwitzer (li.) wusste witzige Anekdoten zu erzählen. 

Lesung

Stadtbücherei huldigt Buch und Bier

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Am Tag des Bieres und Buches lasen und erzählten Sabrina Schwenger und Ludwig Gollwitzer zum Thema.

Wolfratshausen – „Einem wirklich guten Gespann“ huldigten am Dienstagabend rund 30 Besucher in der Stadtbücherei. Seit den 1990er Jahren ist der 23. April der Tag des Buches und zugleich der Tag des Bieres. Für Stadtbüchereileiterin Silke Vogel und ihr Team Grund genug, um Regale beiseitezuschieben und sechs festlich dekorierte Bierbänke aufzustellen. Zu Bier und Brotzeit gab es volkstümliche Klänge der Feldweg-Musi und natürlich literarische Auszüge zum Thema. Dabei lasen Sabrina Schwenger und Ludwig Gollwitzer nicht einfach nur aus Büchern vor. Sie präsentierten auch interessante historische Fakten.

So war das Brauen einst Frauensache. „Es war damals Sitte, dass eine Frau ihre Nachbarinnen zu einem Bierkränzchen einlud“, erzählte Gollwitzer. Kaum vorstellbar: Bei diesen Treffen brockten die Damen oft Brot ins Bier ein, um es dann zu essen. Später sprachen auch die Mönche dem Genuss des „flüssigen Goldes“ zu. Ein täglicher Konsum von fünf Mass war dabei für einen Klosterbewohner durchaus normal.

Gollwitzer berichtete, dass dem berühmten Reformator Martin Luther noch in jungen Jahren diese „Trinksitten“ missfielen, er sie aber später sehr wohl zu schätzen wusste. „Bierfälschen ist so schlimm wie Ehebruch oder Wucher“, soll er einmal gesagt haben.

In späteren Jahrhunderten ging vor allem die bayerische Obrigkeit restriktiv gegen die Trunksucht vor. So erhielten Alkoholikerinnen an manchen Orten ein Stirnband mit der Aufschrift „Versoffene Bierurschel“ und wurden an den Pranger gestellt. Der Rauflust betrunkener Männer sollte 1853 mit dem Erlass der „Niederbayerischen Wirtshausordnung“ Einhalt geboten werden. Im schlimmsten Fall drohte ein Jahr Gaststättenverbot.

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Im zweiten Teil der rund zweistündigen Lesung ging Sabrina Schwenger zunächst auf das seit 1516 bestehende Reinheitsgebot ein. „Bier schmeckte im 16. Jahrhundert anders als heute“, erzählte sie. Mancher Brauer mischte dem Getränk damals sogar Ochsengalle, Eichenrinde oder Schafgarbe bei.

Bei so vielen historischen Anekdoten blieb am Ende leider kaum noch Zeit für internationale Erfolgsautoren und ihre Bier-Erfahrungen. Immerhin fand Jack London und sein 1913 erschienenes autobiographisches Werk „König Alkohol“ Berücksichtigung. Angesichts der darin enthaltenen Schattenseiten von flüssigen Suchtmitteln plädierten Schwenger und Gollwitzer für einen moderaten Genuss des Hopfensaftes. „Bier hebt die Lebensfreude“, riefen beide dem Publikum zu. 

ph

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