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Große Auswahl, jetzt zu kleineren Preisen: das „Stoff-Creativ“ in der Loisachpassage schließt zum 31. März – nach 42 Jahren.

Nach 42 Jahren

Das nächste Geschäft in Wolfratshausen sperrt zu

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Wolfratshausen - Schon wieder macht ein Traditionsgeschäft zu: Nach 42 Jahren in der Altstadt gibt Karin Denzer ihre Wolfratshauser „Stoff-Creativ“-Filiale auf.

Schon im Jahr 2013 habe sie die Umsatzeinbußen gespürt, sagt die 58-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Ein Jahr später sei es noch enger gewesen, 2015 verbuchte sie eine Nullrunde. Dieses Loch könne sie dank des Umsatzplus‘, das ihre anderen vier Filialen in Bad Tölz, Ottobrunn, Freising und im Perlacher Einkaufszentrum in München einfahren, zwar auffangen. Wegen der negativen Tendenz und weil die Kunden immer mehr ausbleiben, sieht Denzer nur einen Ausweg: die Schließung. Besonders bitter ist es für die Geschäftsführerin, dass es sich bei dem Geschäft in der Loisachpassage um ihr erstes handelt – das Stammhaus sozusagen.

Wolfratshausen: Laden um Laden sperrt zu

36 Jahre lang war das Stoffgeschäft, in dem man neben Mode-, Dirndl und Weihnachtsstoffen auch Gardinen, Faschingsstoffe und Dekorationsartikel bekommt, direkt am Obermarkt. Den Umzug in die Passage stemmte Denzer ohne größere Probleme. „Wir hatten ja einen Kundenstamm, auf den wir uns verlassen konnten.“ Die Probleme begannen, als vor drei Jahren das Isar-Kaufhaus zumachte. „Das geht uns schon ab“, sagt Denzer. In der Folge machte Laden um Laden zu: Tchibo, der Wollladen, die Musikbar d‘Amato, Benetton, Intersport Reiser, Optik Groß, Foto Speedy, Optik Emberger, der Wein- und Feinkosthandel Cantinetta und jetzt eben „Stoff-Creativ“.

Das Hauptproblem: "Die fehlende Attraktivität der Stadt"

Das Hauptproblem, sagt Denzer, sei die fehlende Attraktivität der Stadt. „Früher war es ein gemütliches Einkaufen in Wolfratshausen, aber heute? Heute fahren die Leute nach Geretsried, weil sie dort mehr Angebot haben und zwei Stunden umsonst parken können. Versuchen Sie doch mal, im Markt Geschirr zu kaufen. Oder ein Bügeleisen. Oder Bettwäsche. Selbst bei Batterien wird es schwierig.“ Ihrer Ansicht nach seien die Verantwortlichen der Stadt Wolfratshausen mehr denn je gefragt. „Die müssten die Hauseigentümer in die Verantwortung nehmen, damit es wieder eine Auswahl gibt.“

Wobei Denzer klar ist, dass es schwer ist, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. „Denn wer will sich schon in einer Altstadt einmieten, in der nichts mehr los ist? Das machen allenfalls die großen Ketten.“ Sie selbst habe gute Kunden aus dem Starnberger Raum gefragt, warum sie nicht mehr nach Wolfratshausen zum Einkaufen fahren. Die Antwort: „Was sollen wir denn da“? Nur wegen des Stoffgeschäfts würden die wenigsten in die Loisachstadt fahren. Die Wolfratshauser Kundschaft alleine reiche aber nicht aus, um das Geschäft auf Kurs zu halten.

Hugo-Passage? Denzer lächelt nur müde

Für die hochtrabenden Pläne, im ehemaligen Isar-Kaufhaus irgendwann einmal die so genannte Hugo-Passage zu eröffnen, hat die 58-Jährige nur ein müdes Lächeln übrig. Zunächst einmal müsse man schauen, dass die Ladenflächen, die bereits da sind, sinnvoll genutzt werden. Auch ein Bürgerladen hätte ihrer Ansicht nach nicht für Belebung der Altstadt gesorgt. „Da wären die Leute doch nicht hingegangen.“

Ihre sechs Mitarbeiter will Denzer zum Teil in den anderen Geschäften unterbringen, zum Teil muss sie sie in die Arbeitslosigkeit schicken. Für Hildegard Link, Teilzeitkraft in der Filiale in der Loisachpassage, steht sowieso der Ruhestand an. Dennoch geht der gelernten Schneiderin das Schicksal des „Stoff-Creativ“ richtig nahe. „Ich bin seit 20 Jahren hier, habe mit Leib und Seele die Kunden beraten, Vertrauen aufgebaut und jetzt das“, sagt die 64-Jährige. Auch die Kunden, die gestern von der anstehenden Schließung erfahren haben, seien betroffen. „Die waren teilweise traurig, teilweise entsetzt“, sagt die Verkäuferin.

Der Räumungsverkauf

Der Räumungsverkauf läuft zunächst bis zum 31. Januar. Danach will Karin Denzer entscheiden, ob sie ihn verlängert. Das Geschäft wird zum 31. März geschlossen.

von Frederik Lang

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