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Ein gemeinsames Interesse: Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (re.), Ex-Bürgermeister und Bürgervereinigungs-Stadtrat Helmut Forster (li.) und Ex-CSU-Bürgermeisterkandidat Dr. Manfred Fleischer verbindet ihre Leidenschaf t für den Ex-Fußball-Bayernligisten BCF Wolfratshausen. Das Foto entstand 2011 im Farcheter Stadion. 

Im Kommunalpolitischen Arbeitskreis wird Kritik laut 

Stoiber bedauert „Zerwürfnis in der CSU Wolfratshausen“

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Die Wolfratshauser Christsozialen kommen nicht zur Ruhe. Der ehemalige Ortsvorsitzende Armin Drexl geht mit seinem Parteifreund Dr. Manfred Fleischer hart ins Gericht. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber räumt ein: Es gibt „ein offensichtliches Zerwürfnis in der CSU Wolfratshausen“.

Wolfratshausen – Ein halbes Jahr nach der verlorenen Bürgermeisterwahl 2002 diktierte der damals mächtige Wolfratshauser CSU-Chef Armin Drexl der Lokalpresse in die Blöcke: „Ich bin heute noch mehr denn je überzeugt, dass Dr. Fleischer der richtige Kandidat war. Er ist inzwischen ein hervorragender Fraktionschef, der sehr gut mit dem Bürgermeister die Klingen kreuzen kann.“ Am Donnerstagabend ließ Drexl, mittlerweile politischer Ruheständler, seinen Parteifreund Fleischer wissen: „Wer gehen will, soll gehen. Ich werde ihm keine Träne nachweinen.“

Fleischer nahm nicht an der öffentlichen Sitzung des Kommunalpolitischen Arbeitskreises der CSU im Wirtshaus Flößerei teil. Für die Ortsvorsitzende Susanne Thomas keine Überraschung. Seit der Kommunalwahl 2014 habe der Waldramer „nicht eine“ Veranstaltung der Christsozialen besucht. Sie habe aus diesem Grund persönliche Gespräche mit Fleischer geführt – „die letzten sind nicht mehr positiv verlaufen“, räumte Thomas ein. Durch regelmäßige Abwesenheit glänzen würden auch die zwei parteilosen CSU-Stadträte Richard Kugler und Helmuth Holzheu. Für Drexl ist dies kein Weltuntergang: „Es wäre für die CSU eher ein Problem, wenn sie mitmischen würden. Die CSU hat nicht gemerkt, dass die drei fehlen.“

Der Graben zwischen dem Mann, den Drexl 2002 im Auftrag des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zur Wolfratshauser CSU holte – Fleischer war zuvor Sprecher der Landtagsgrünen – ist mittlerweile tief. Ihm sei zu Ohren gekommen, dass Fleischer „eine eigene Gruppierung“ im Stadtrat gründen wolle. Und: Fleischer habe sogar den Wechsel zur Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) ins Auge gefasst, die BVW habe die Tür jedoch nicht geöffnet, so Drexl.

Dieser Behauptung widerspricht der Vorsitzende der BVW, Thomas Eichberger, auf Nachfrage unserer Zeitung entschieden. Ihm sei bekannt, dass es Differenzen zwischen Fleischer und Teilen der CSU geben würde. Doch ein Seitenwechsel Fleischers „war niemals ein Thema – ein ganz klares Nein“, beteuert Eichberger. Fleischer selbst verweist das Gerücht „ins Reich der Fabeln“ (siehe unten).

Ex-CSU-Chef Drexl: „Auch der BCF ist abgestiegen“

„Ich habe ihn zur CSU geholt und zum Bürgermeisterkandidaten gemacht“, sagte Drexl am Donnerstag. Er bilanzierte: Fleischer fiel 2002 als Bürgermeisterkandidat beim Wähler durch, der von ihm gekürte Spitzenkandidat Richard Kugler verlor sechs Jahre später ebenfalls, und bei der Bürgermeisterwahl 2014 habe Fleischer durch eine von ihm initiierte Meinungsumfrage (Wer ist der bessere Bürgermeisterkandidat: Kugler oder Peter Plößl?) „sehr viel Geld verbrannt“. Fleischers politische Talfahrt „ist fast tragisch“, meinte Drexl, der sich den Hinweis nicht verkneifen konnte: „Auch der BCF ist abgestiegen.“ Wie berichtet müssen die Farcheter Kicker von der Bayern- in die Landesliga runter, Fleischer ist Chef der Fußballabteilung sowie BCF-Vorsitzender in Personalunion.

„Als Manfred Fleischer vor mehr als 20 Jahren als Vorsitzender der Landtagsfraktion der Grünen zurückgetreten war und aus seiner Partei austrat, habe ich ihn zu einem Wechsel in die CSU Wolfratshausen sehr ermuntert“, stellt Stoiber in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung fest. „Das offensichtliche Zerwürfnis in der CSU Wolfratshausen bedauere ich sehr, aber ich bin zu weit weg von der Ortspolitik und dem Innenleben der Wolfratshauser CSU, um die Ursachen dieser Differenzen hinreichend beurteilen zu können. Heute verbindet mich mit Manfred Fleischer besonders das Engagement und das Interesse am Fußball des BCF Wolfratshausen“, so Stoiber weiter.

2020 gilt: Nur noch CSU-Mitglieder auf der Kandidatenliste

Für die CSU-Ortsvorsitzende Susanne Thomas hat hingegen die Kommunalpolitik Priorität. Sie kündigte am Donnerstag an: Wer bei der Kommunalwahl 2020 für die CSU kandidieren will, muss ein Parteibuch besitzen. Mit Parteilosen habe sie schlechte Erfahrungen gemacht. Sowohl Kugler als auch Holzheu hätten 2014 versprochen, dass sie, sollten sie ein Stadtratsmandat bekommen, der CSU beitreten würden. Beide erfüllten ihr Versprechen laut Thomas bis heute nicht. Und: „Sie kommen zu keiner unserer Veranstaltungen“, stellte die Ortsvorsitzende mit Bedauern fest.

Die Zusammenarbeit in der achtköpfigen Stadtratsfraktion sei trotz der Dissonanzen „gut“, berichtete Stadträtin Claudia Drexl-Weile, Vorsitzende des Kommunalpolitischen Arbeitskreises. „Es gibt keinen Fraktionszwang, es ist legitim, unterschiedlicher Auffassung zu sein“, ergänzte Fraktionssprecher Günther Eibl in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Er persönlich lege großen Wert „auf die überfraktionelle Zusammenarbeit“. Die Querelen mit Fleischer und Co. wollte Eibl nicht kommentieren. 

Das sagt Dr. Manfred Fleischer 

Dr. Manfred Fleischer reagiert auf die erneute Kritik aus den eigenen Reihen gewohnt souverän. „Sie müssen selbst wissen, wie viel Platz Sie in Ihrer Zeitung ,Fake News‘ einräumen“, sagte Fleischer am Freitagnachmittag in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion. Das Gerücht, er wolle von der CSU zur Fraktion der Bürgervereinigung wechseln, „gehört ins Reich der Fabeln“. Er sei bis 2020 gewählter CSU-Stadtrat und werde dieses Mandat „mit voller Kraft für Wolfratshausen“ ausüben. Ob er 2020 erneut für die Christsozialen kandidiert, „wird sich zum gegebenen Zeitpunkt entscheiden“. Der Vorwurf, dass er keine Veranstaltungen der örtlichen CSU besucht, tropft an dem Waldramer ab: „Ich bin ein freier Bürger in einem freien Land.“ Er habe „zum Teil“ auch keine Einladungen erhalten. Außerdem: Die CSU biete „auch anderswo“ Veranstaltungen an und zudem sei bekannt, „dass ich das Wirtshaus Flößerei nicht besuche“. 

Diese spezielle Abneigung beruht auf der Tatsache, dass Fleischer den Bau des Gasthauses mit Hilfe von vielen hunderttausend Euro Steuergeld stets abgelehnt hatte. Seinen Kritikern wie die Ortsvorsitzende Susanne Thomas und Ex-CSU-Boss Armin Drexl rät er: „Sie sollten sich um ihre Arbeit kümmern, dass die CSU Wolfratshausen weiterhin gut dasteht.“ Summa summarum „interessieren mich diese ganzen Gerüchte nicht“. Überhaupt: „Wenn jemand etwas von mir möchte, kann er sich bei mir melden.“ Sein vorrangiges Ziel sei es aktuell, die CSU dabei zu unterstützen, dass sie bei der Landtagswahl im Herbst dieses Jahres die absolute Mehrheit behält. Ministerpräsident Markus Söder könne sich auf seine Tatkraft und Loyalität verlassen. Mit Blick auf das kommunalpolitische Geschehen betont Fleischer: „Ich bringe mich weiter ein, ich arbeite auf vielen Feldern, das Wohl Wolfratshausens liegt mir am Herzen.“ cce

Lesen Sie auch: Kommentar: Fleischer ist nur noch Reservespieler 

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