Freie Fahrt für Jugendliche? 

Strafe „völlig unverhältnismäßig“: Bundestag diskutiert über S-Bahn-Vorfall 

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Weil sie eine falsche Fahrkarte hatte, wurde eine 15-Jährige von Kontrolleuren aggressiv angegangen. Andreas Wagner aus Geretsried spricht den Vorfall im Bundestag an - und erklärt, welche Konsequenzen seine Partei fordert. 

Wolfratshausen/Geretsried/Berlin – Ein 15-jähriges Mädchen wurde in der S-Bahn von Kontrolleuren aggressiv angegangen. Der Grund: Es hatte statt eines Erwachsenen- ein Kinderticket gelöst, war also ohne gültigen Fahrschein unterwegs. Helge Schnabel aus Wolfratshausen bekam den Vorfall mit. Die Seniorin zeigte Zivilcourage und und stellte die Kontrolleure am S-Bahnhof in Wolfratshausen zur Rede, woraufhin die Männer der 70-Jährigen gegenüber handgreiflich wurden

Der Vorfall löste vor allem im Internet eine kontroverse Diskussion aus. Nun äußert sich auch der Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner aus Geretsried dazu. In einer Pressemitteilung bezeichnet er das Verhalten der Seniorin als „vorbildlich und couragiert“; das der Kontrolleure dagegen als „absolut inakzeptabel“. Der Linken-Politiker sprach das Thema am Freitag im Bundestag an, als über einen Antrag seiner Fraktion über die Straffreiheit für Fahren ohne Fahrschein debattiert wurde.

„Der Vorfall zeigt deutlich den Handlungsbedarf“

Andreas Wagner Bundestagsabgeordneter aus Geretsried

Weil es die falsche Fahrkarte gekauft hatte, laufen derzeit Ermittlungen wegen Betrugs gegen das Mädchen, das in der S-Bahn kontrolliert worden war. Das nahm Wagner zum Anlass, um die Verhältnismäßigkeit dieses polizeilichen Verfahrens zu hinterfragen. „Der Vorfall zeigt deutlich den Handlungsbedarf“, sagte Wagner. Das Tarifsystem des Münchner Verkehrsverbunds sei unübersichtlich, und eine Fahrt ohne gültigen Fahrschein als Straftat einzustufen, sei „völlig unverhältnismäßig“. Wer irrtümlich ein falsches Ticket löse oder falsch stemple, dürfe „nicht als Straftäter behandelt werden“. Wagner fordert „freie Fahrt für Kinder und Jugendliche im öffentlichen Personennahverkehr“. Dies sei der „erste Schritt zu einem Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr“.

Mit seiner Rede unterstützte der Linken-Politiker den Antrag seiner Fraktion, den Straftatbestand der „Beförderungserschleichung“ zu streichen. Wagner begründet die Forderung damit, dass „weder Menschen noch Sachen zu Schaden kommen und mit dem erhöhten Beförderungsentgelt zudem eine Doppelbestrafung stattfindet“. mh 

Lesen Sie auch: Bürgermeister begutachtet S-Bahn: Geretsried ist jetzt Endstation

Rubriklistenbild: © Sabine Hermsdorf

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