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Erschreckende Zahlen finden sich in der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche. 

Studie mit erschreckenden Zahlen

Strategien gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche

Eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz offenbart: Von 1946 bis 2014 wurden 1670 Kleriker sexueller Übergriffe beschuldigt. Die Pfarrei St. Andreas in Wolfratshausen erstellt nun ein eigenes Schutzkonzept.

Wolfratshausen – Erschreckende Zahlen nannte Peter Bartlechner am Mittwochabend in seinem Vortrag im Pfarrheim der Kirche St. Andreas. Der Präventionsbeauftragte in der Erzdiözese München-Freising bezog sich auf eine im September 2018 veröffentlichte Studie, die die Deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegeben hatte. Demnach wurden im Zeitraum von 1946 bis 2014 insgesamt 1670 Kleriker sexueller Übergriffe beschuldigt. Betroffen davon waren 3677 Kinder und Jugendliche.

„Kontrolle von außen“ fordert Peter Bartlechner, Präventionsbeauftragter der Erzdiözese. 

„Jeder Täter hatte also im Schnitt 4,7 Opfer“, rechnete Bartlechner vor. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fälle ist wahrscheinlich weitaus höher. Dass die Opfer zu fast zwei Dritteln männlich sind, sei fast ein Alleinstellungsmerkmal des sexuellen Missbrauchs durch Vertreter der Kirche. Im gesamtgesellschaftlichen Bereich liege der weibliche Anteil bei über 90 Prozent.

Bartlechner sparte nicht mit Kritik an kirchlichen Führungskräften, die die Vorfälle nur unzureichend sanktionierten. „Oft gab es nur ein Gespräch mit den Tätern oder Versetzungen in eine andere Diözese. Zudem wurden Akten vernichtet“, bedauerte der Präventionsbeauftragte. Er forderte deshalb umfangreiche Maßnahmen, die den sexuellen Missbrauch verhindern sollen. „Es braucht die Kontrolle von außen, um die Täter aus ihrem Umfeld zu entfernen“, sagte der Diplom-Sozialpädagoge. Bereits durchgesetzt wurde, dass Kandidaten für das Priesteramt drei Präventionsseminare besuchen müssen. Zudem werden für die Vorbeugungsarbeit mehr Personal und Geld investiert. So wirken Missbrauchsopfer nun selbst in der Prävention mit.

Darüber hinaus müssen in den Pfarreien alle Mitarbeiter, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, ein erweitertes Führungszeugnis vorweisen. „Das ist schon eine Herausforderung: Das Zeugnis darf nicht älter als drei Monate sein“, gab Bartlechner zu bedenken.

Die Wolfratshauser Pastoralreferentin Gabriele Seidnader kündigte nach dem Vortrag an, dass die Pfarrei St. Andreas derzeit ein Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch erstellt. Bereits jetzt werden auch Erstkommunionhelfer für die Problematik sensibilisiert.

Peter Herrmann

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