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Schwer beschädigt: Das Feuer hinterließ einen Brandfleck am BMW X1 der Wolfratshauser Polizei. 

Aus dem Gerichtssaal

Streifenwagen in Wolfratshausen angezündet - Angeklagter leugnet die Tat vor Gericht

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Mitten in der Marktstraße brannte voriges Jahr im Juli ein Polizeiauto. Ein angeklagter Wolfratshauser musste sich dafür vor Gericht verantworten.

Wolfratshausen Ein brennender Streifenwagen mitten in der Wolfratshauser Marktstraße beherrschte Anfang Juli vorigen Jahres die Schlagzeilen. Nun musste sich ein Wolfrathauser (29) wegen des Vorfalls vor dem Schöffengericht verantworten. Der Mann wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, vorsätzlicher Brandstiftung, Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel und Sachbeschädigung zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Angeklagter muss sich wegen brennendem Wagen vor Gericht verantworten

In der Nacht vom 29. auf den 30. Juni 2019 war eine Streife wegen einer Vermisstenfahndung gegen drei Uhr in Wolfratshausen unterwegs. „Wir sind alle noch geöffneten Lokale angefahren“, erläuterte ein Polizist vor Gericht. Zur selben Zeit erreichte die Beamten eine Mitteilung wegen Ruhestörung in der Spieloase. Als sie dort eintrafen, habe der Angeklagte mit zwei weiteren Personen draußen gestanden und versucht, die Polizisten lautstark und handgreiflich am Betreten des Spielsalons zu hindern, indem er einen Beamten mit den Händen gegen die Brust wegschubste. Als es gelungen war, den Mann zu beruhigen, schickten die Gesetzeshüter die verbliebenen drei Gäste nach draußen, um sich ungestört mit der Kellnerin unterhalten zu können.

Angeklagter: „Ich weiß, dass ich es nicht war“

Wenige Minuten später schlugen die drei Männer draußen Alarm: „Euer Auto brennt.“ Vom rechten Hinterreifen schlugen Flammen über den Tankdeckel bis zum Dach des BMW X1 hoch. Die Polizisten konnten den Brand mit einem Handfeuerlöscher aus dem Kofferraum des Dienstfahrzeugs löschen. Der Angeklagte sowie seine Bekannten, ein Wolfratshauser (31) und ein Höhenrainer (28) – alle drei ziemlich alkoholisiert – wurden in der Nacht vorläufig festgenommen.

Der Angeklagte räumte vor Gericht ein, dass er sich den Polizisten in den Weg gestellt und seine Hände ausgestreckt hatte. Aber mit dem Brand habe er nichts zu tun. Er habe Rauchschwaden vorbeiziehen sehen und die Beamten informiert. „Das war der ganze Vorfall aus meiner Sicht“, sagte der Einzelhandelskaufmann. „Ich weiß, dass ich es nicht war.“ Die Anklage verdankte er seinem Kumpel (31). Der hatte ihn „hingehängt“, so der Richter. Eine Zeugin nämlich – sie hatte in der lauen Sommernacht die Polizei wegen des Lärms auf der Straße gerufen – gab ein paar Tage nach dem Vorfall während einer Vernehmung an, sie habe gehört, wie ein Mann ankündigte: „Ich zünde jetzt das Auto an.“ Eine andere männliche Stimme habe erwidert: „Das kannst du nicht machen.“ Einige Minuten später sei Brandgeruch von der Straße heraufgezogen. Von der Polizei mit dieser Aussage konfrontiert, beschuldigte der 31-Jährige seinen Kumpel.

Amtsgericht Wolfratshausen: Zeuge droht nun eigenes Verfahren

In der Verhandlung nahm er seine Anschuldigung zurück. Er habe sich damals von der Polizei, die ihn an seiner Arbeitsstelle aufgesucht hatte, bedrängt gefühlt und schnell wieder seine Ruhe haben wollen, ließ er das Gericht wissen. Nun droht dem Zeugen ein eigenes Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Das Gericht glaubte seinen Ausführungen nicht. Um den Kunststoff-Radkasten des Streifenwagens zu entzünden, reichten einem Gutachter zufolge zehn bis 15 Sekunden aus. Während Staatsanwältin und Richter von der Schuld des Angeklagten überzeugt waren, forderte Verteidiger Thomas Buchner, seinen Mandanten vom Vorwurf der Brandstiftung freizusprechen. „Wir haben nur lose Puzzleteile. Es gibt keinen Beweis, keinen Zeugen, der uns direkt zum Angeklagten führt“, sagte der Rechtsanwalt. „Es kommen beliebig viele andere in Betracht, die das Polizeiauto angezündet haben können.“

Wolfratshauser zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt

Das Gericht blieb mit seinem Strafmaß von zwei Jahren und vier Monaten knapp unter dem Antrag der Staatsanwältin, die zwei Monate mehr gefordert hatte. Neben der Aussage, die sein Kumpel seinerzeit gegenüber der Polizei gemacht hatte, und der Wahrnehmung der Zeugin, sprach ein weiterer Aspekt gegen den Angeklagten, der zur Tatzeit unter offener Bewährung stand. Ein Video aus der Überwachungskamera des Spielsalons zeigte: Während alle anderen Anwesenden sich draußen um das brennende Auto kümmerten, war der Angeklagte ins Lokal gegangen und hatte sich mit der Kellnerin unterhalten. „Draußen ist Action, und sie interessiert es nicht. Das ist schwer nachzuvollziehen“, so Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung.

Weil er sich betrunken hinters Steuer setzte und beim Überholen ins Schleudern geriet, musste sich auch ein Eurasburger kürzlich vor Gericht verantworten. Vom Richter erhielt er eine hohe Strafe.

Skurril, lustig, bisweilen nachdenklich: Im Verhandlungsjahr 2015 gab es viele spannende Zitate am Wolfratshauser Amtsgericht. Wir fassen die besten zusammen. Heute: Teil 1.

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