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Streit am Stromzähler endet vor dem Amtsgericht

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Von: Peter Herrmann

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Am Stromzähler eskalierte die Situation zwischen einem Mieter und einem Mitarbeiter der Bayernwerke derart, dass er jetzt vor Gericht verhandelt wurde. © Foto: dpa

Der Mieter eines Wolfratshauser Mehrfamilienhauses soll einen Mitarbeiter der Bayernwerke am Stromzähler körperlich attackiert haben. Das brachte ihn vor Gericht.

Wolfratshausen – Glimpflich kam der Mieter (46) eines Mehrfamilienhauses davon, der sich wegen versuchter Körperverletzung und Freiheitsberaubung vor Gericht verantworten musste. Der Wolfratshauser soll einen Angestellten (54) der Bayernwerke, der ihm den Strom abgeschaltet hatte, am Verlassen des Hauses gehindert und mit der Hand nach ihm geschlagen haben. Das Amtsgericht konnte diese Vorwürfe jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen und stellte das Strafverfahren gegen die Zahlung eines Schmerzensgelds ein. „Ich habe ihn nur gebeten, den Strom wieder anzustellen“, beteuerte der Angeklagte.

Am 13. Mai gegen 13 Uhr waren in dem Mietshaus die Lichter ausgegangen. Daraufhin eilte der 46-Jährige zum kleinen Stromzählerraum und traf auf den Mitarbeiter der Bayernwerke. „Ich habe entdeckt, dass sein eigentlich gesperrter Stromzähler noch lief und habe ihn abgestellt“, erklärte der Handwerker im Zeugenstand. Der Angeklagte hatte wenige Monate zuvor den Stromanbieter gewechselt. „Er sagte zu mir: Solange ich keinen Strom habe, kommen Sie hier nicht raus.“ Schließlich einigten sich beide darauf, dass der Stromableser die Polizei anrufen darf. Weil er in dem Keller jedoch keine Verbindung hatte, musste er das Gebäude verlassen und seinen Werkzeugkoffer als „Pfand“ hinterlassen. Als die Polizei eintraf, hatte sich die Situation bereits entspannt.

Für den Stromableser war es der bislang „krasseste Fall“

„Das war bis jetzt der krasseste Fall, den ich während meiner Arbeit erlebt habe“, erklärte der Stromableser. Als er einige Tage später den Stromanschluss erneut kontrolliert habe, sei dieser wieder eigenmächtig entsperrt gewesen. „Eine unfachmännische Entsperrung ist sehr gefährlich, weil ein Kurzschluss das ganze Haus in Brand setzen kann“, machte der 54-Jährige deutlich.

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Letztlich konnte dem Angeklagten weder eine versuchte Körperverletzung noch eine Freiheitsberaubung nachgewiesen werden, zumal ein weiterer Zeuge nur ein Wortgefecht beobachtet haben will. Die Staatsanwaltschaft regte daraufhin an, das Verfahren gegen ein Schmerzensgeld einzustellen. Damit der vorbestrafte Angeklagte die 100 Euro vom Geldautomaten holen konnte, wurde die Verhandlung kurz unterbrochen. Auf Drängen von Richter Helmut Berger entschuldigte sich der Wolfratshauser noch im Gerichtssaal bei dem Stromableser und drückte ihm mehrere Geldscheine in die Hand. „Ich möchte das nicht annehmen“, sagte der Mann. Der Richter bestand jedoch darauf. „Dann spenden Sie das Geld oder gehen Sie mit Ihrer Frau mal schön essen.“ 

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