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Keine Spur: Ein 16 Jahre alter Asylbewerber ist am Samstag in der Loisach untergegangen. Von dem Jugendlichen fehlt jede Spur, die Polizei geht vom Schlimmsten aus.

Suche nach vermisstem 16-Jährigen eingestellt

Seine Freunde stehen unter Schock

Wolfratshausen - Von dem 16-jährigen Asylbewerber, der am Samstag beim Baden in der Isar von den Fluten mitgerissen wurde, fehlt weiterhin jede Spur. Die Polizei geht davon aus, dass der Afghane ertrunken ist. Die Wohngruppe des Jugendlichen steht unter Schock.

„Wir rechnen leider damit, dass wir in den nächsten Tagen die Leiche des Jugendlichen finden werden“, sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim, Stefan Sonntag, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Suche nach dem 16-Jährigen haben die Rettungskräfte eingestellt. „Die aktive Suche war aus unserer Sicht nicht mehr sinnvoll“, stellt Sonntag fest. Beim dem derzeitigen Wasserstand der Isar sei nicht davon auszugehen, dass der junge Flüchtling das Unglück überlebt habe. „Augenzeugen haben gesehen, wie der Jugendliche untergegangen ist und mitgerissen wurde“, so der Polizeisprecher. 

Die Mitglieder der Wohngruppe „unisono“ in der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Wolfratshausen, in der der Afghane untergebracht war, stehen unter Schock. Die Wohngruppe gehört zur Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe. Die stellvertetende Geschäftsführerin Angelika Schmidbauer berichtet: „Seine beiden engsten Freunde haben in den vergangenen Tagen nicht die Schule besucht, weil sie die Situation erst verarbeiten müssen.“ In der Wohngruppe wird seit Samstag mehr Personal eingesetzt, um den Jugendlichen Gesprächspartner zur Seite stellen zu können. „Wir versuchen, auf die Bewohner einzugehen und ihnen beizustehen“, sagt Schmidbauer. Ein pädagogisch-psychologischer Fachdienst kümmert sich zudem um die Betreuung der schockierten Mitbewohner. 

Dass der junge Afghane am Samstagnachmittag an die Isar gehen wollte, habe er seinen Betreuern nicht erzählt. „Sie wussten nur, dass er etwas mit Freunden unternehmen möchte“, berichtet Schmidbauer. „Unsere Mitarbeiter haben sich sehr darüber gefreut, dass er Anschluss gefunden hatte und einen Freundeskreis gewinnen konnte.“ Der als zurückhaltend und ruhig geltende Jugendliche war erst im März zur Wohngruppe gestoßen und hatte sich anfangs laut Schmidbauer schwer getan, soziale Beziehungen aufzubauen. 

Ist der Jugendliche ertrunken oder besteht noch Hoffung: Diese Ungewissheit setze seinen Mitbewohnern besonders zu. „Vor allem seine engen Freunden machen sich viele Gedanken, was passiert sein könnte.“ Die Mutter des 16-Jährigen, die noch in Afghanistan lebt, wurde bereits kontaktiert. „Wir haben sie darüber informiert, dass der Junge höchstwahrscheinlich ertrunken ist“, erläutert Polizeisprecher Sonntag. 

Der Vermisste hatte in den vergangenen Monaten einen Schwimmkurs besucht, den die Wohngruppe „unisono“ angeboten hatte. „Er war kein schlechter Schwimmer und konnte sich über Wasser halten“, sagt Schmidbauer. Für die reißende Isar reichte sein Können indes nicht.

 „Das ist ein allgemeines Problem“, stellt der Polizeibeamte Sonntag fest. „Die Warnungen vor den Gefahren des Wasser werden leider zu oft ignoriert. Vielen Flüchtlingen fehlt der Respekt vor den hiesigen Gewässern.“ Deshalb würden die Betreuer den Jugendlichen immer wieder mit Nachdruck ins Gewissen reden, vorsichtig zu sein und auf keinen Fall in der Isar oder in der Loisach schwimmen zu gehen, betont Schmidbauer.

von Dominik Stallein

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