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Ab 8. Juni darf die Tanzschule Müller wieder öffnen: (v. re.) Alexander Müller (Seniorchef) Marie-Thérèse Müller (Juniorchefin), Selina Schupp (Tanzlehrerin) und Maximilian Wehrer (Tanzlehrer). 

Corona-Krise

Tanzschule Müller: Über drei Monate nur virtueller Tango

  • vonPeter Borchers
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Gespräch mit Alexander Müller über die Situation seiner Tanzschule während der Corona-Pandemie.

Wolfratshausen – „Nichts“, schrieb Molière einmal, „ist dem Menschen so unentbehrlich wie der Tanz.“ Im Umkehrschluss müsste der große französische Dramatiker, würde er heute leben, also leiden wie ein Hund: Seit drei Monaten sind die Tanzschulen wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Immerhin: Am Dienstag kündigte die Staatsregierung an, dass der Lockdown auch hier in zwei Wochen aufgehoben wird. Redakteur Peter Borchers sprach mit Alexander Müller, Inhaber des Tanzstudios Müller in Wolfratshausen.

Herr Müller, Sie haben seit Monaten geschlossen. Wie vertreiben Sie sich Ihre Zeit?

Einerseits gibt es immer etwas im Büro zu tun. Außerdem haben wir Unterrichtsvideos aufgenommen und online gestellt für unsere vielen Mitglieder, die uns Gott sei Dank die Treue halten. Die Resonanz ist sehr positiv. Wir in der Firma haben beschlossen, heuer keinen Urlaub mehr zu machen. Nachdem wir wieder aufgemacht haben, arbeiten wir bis Ende des Jahres durch, damit wir die bisherigen Minusstunden wieder ausgleichen können. Ich glaube, dass die Leute in diesem Jahr nicht groß in den Urlaub wegfahren werden, sodass unser Angebot gut angenommen werden wird in den Ferien.

Sie sprachen eben von Ihren Bestandskunden. Erstlingskurse sind aktuell kein Thema?

Nein, die gibt’s derzeit leider nicht. Es dreht sich ausschließlich um unsere Tanzkreisler, die ja schon viele Jahre bei uns sind, oder die Hip-Hopper, von denen wir vier Meisterschaftsklassen in der Schule haben. Allerdings sind im Grunde genommen alle Titelkämpfe und Abschlussbälle für heuer abgesagt.

Am Dienstag hat Ministerpräsident Markus Söder weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Die betreffen unter anderem auch die Tanzschulen.

Jetzt wissen wir, dass die bayerischen Tanzschulen am 8. Juni öffnen dürfen. Unter welchen Bedingungen, ist allerdings noch nicht klar. Baden-Württemberg öffnet am Montag seine Tanzschulen – unter teils hanebüchenen Auflagen. Die Schulen müssen 40 Quadratmeter pro Tanzpaar zur Verfügung stellen. Also dürften wir in unser 150-Quadratmeter-Studio inklusive Tanzlehrer sieben Personen reinlassen. Ich frage mich, ob einer dieser Verantwortlichen jemals eine Tanzschule besucht hat. Unser Hygienekonzept steht jedenfalls. Wir haben vom Berufsverband eine Hygienemaßnahmen-Schulung erhalten und sind zertifiziert. Desinfektion, die Regelung fürs Betreten und Verlassen des Studios, alles wäre machbar.

Haben Sie beim Staat einen Antrag auf Unterstützung gestellt?

Das haben wir – und er ist bewilligt worden. Auf das Geld warte ich noch. Bei der Fülle der Anträge kann ich das verstehen. Ich habe allerdings schon die tollsten Dinge von Kollegen gehört, deren Anträgen zunächst stattgegeben wurde, und drei Tage später folgte der Rückzieher. Unser Personal ist in Kurzarbeit, die Kosten laufen natürlich weiter. Wir leben von unseren Rücklagen, doch die sind irgendwann aufgebraucht. Es wurde höchste Zeit, dass es weitergeht. Sonst wären auch wir in Engpässe gekommen. Und dann hätte uns die sogenannte Soforthilfe, auf die man ja offenbar länger warten muss, auch nicht mehr viel geholfen.

peb

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